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Ärzteschaft

Junge Ärzte schlagen „Arzt für digitale Medizin“ vor

Dienstag, 16. Juni 2020

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Berlin – Junge Ärzte plädieren für die Einführung des Berufsbildes „Arzt für digitale Me­dizin“. Dieser müsse fundierte Kenntnisse über digitale Tools und digitale Gesundheitsan­wendungen haben und diese anwenden können, meint das Bündnis Junge Ärzte.

„Über das Angebot digitaler Tools muss der Arzt für digitale Medizin die Patienten infor­mieren und bei Problemen – egal ob medizinisch oder digital – kompetent beraten könn­en“, erklären die Sprecher des Bündnisses, Mira Faßbach und Max Tischler. Ärzte werden auch weiterhin erster Ansprechpartner für Patienten sein. Davon sind die Vertreter der jungen Assistenz- und Fachärzte verschiedener Fachgruppen überzeugt.

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Deshalb brauche es diesbezüglich Schulungen für Ärzte, eine attraktive Vergütung dieser zusätzlichen Leistungen, die Implementation von Digitalkompetenzen in die Aus- und Weiterbildung sowie grundsätzliches Interesse an digitalen Anwendungen. „Hier muss die Expertise von jungen Ärztinnen und Ärzten aus der unmittelbaren Patientenversorgung und gleichzeitig als digital natives genutzt werden.“

Mit seinem Vorschlag bezieht sich das Bündnis Junge Ärzte auf den im Mai veröffent­lich­ten Bericht der Reformkommission der Stiftung Münch zu den „Gesundheitsberufe der Zukunft“. Diese hatte die Etablierung von drei neuen Berufsbildern vorgeschlagen: die Fachkraft für digitale Gesundheit, die sich patientennah engagiert; den Prozessmanager für digitale Gesundheit als Ansprechpartner für alle Berufe im Gesundheitswesen und den System­architekten für digitale Gesundheit, der die einzelnen Digitalisierungsprojekte im Ge­sundheitswesen überwacht.

Die Auswahl und Schwerpunkte der neuen Berufe sehe man positiv, betonten Faßbach und Tischler. Allein aus bestehenden Berufsbildern sei die digitale Transformation im Gesundheitswesen nicht möglich.

Die Gesamtbetrachtung der Stiftung Münch fokussiere jedoch nur die stationäre Versor­gung sowie größere ambulante Versorgungsstrukturen. Die Prozess- und Strukturprob­le­me des deutschen Gesundheitswesens, wie die fehlende interprofessionelle Kommunika­ti­on und die sektorenübergreifende Versorgung von Patienten würden aber nicht beach­tet.

„Eine prozessverantwortliche Koordination durch die Ärztinnen und Ärzte, die stets die Gesamtverantwortung für die Therapie der Patienten tragen, ist notwendig“, meinen die jungen Ärzte. Sie seien keine Digitalisierungsverweigerer und müssten als Digitalisie­rungs­partner einbezogen werden. „Es braucht eine intensive Zusammenarbeit mit den Anwendern in der Entwicklung von digitalen Tools, um eine sinnvolle Entlastung für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu erreichen.“

Die hierdurch gewonnene Zeit müsse nach Ansicht des Bündnisses Junge Ärzte zur En­t­las­tung der Menschen im Gesundheitswesen und zur Verbesserung der Versorgung der Patienten eingesetzt werden. „Das Hamsterrad, in dem sich das deutsche Gesundheits­wesen bewegt, muss zu Gunsten der Patientenversorgung gebremst werden“, betonen Faßbach und Tischler. © ER/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #839347
Dr. med. Karin Kelle-Herfurth
am Dienstag, 18. August 2020, 10:37

Eine weitere Facharztrichtung für digitale Medizin?

Für welches Problem soll das die Lösung sein? Das geht aus meiner Sicht am (Patienten-)Bedarf vorbei.

Es braucht Ärzt*innen mit Erfahrung in der Prävention, Behandlung und vor allem im Management chronischer Erkrankungen, die etwas von dem verstehen, was sie anwenden und verordnen sollen und wollen. Und was macht das Praxis-Team?

Nötig sind interdisziplinäre Ansätze: Wie werden Technologie-gestützt die richtigen Informationen zur richtigen Zeit dort und dann verfügbar für die, die damit arbeiten, eine bessere individualisierte Versorgung ermöglicht und vor allem die Gesundheits- und Digitalkompetenz unterstützt - auch bei Patienten, anderen Berufsgruppen und Akteuren, die in der Versorgungskette mitspielen?

Bildung und Vernetzung in der Fläche sind die Game Changer und nicht noch mehr Institutionalisierung und Isolierung von Expertentum.

Oder schreibt der Hausarzt der Ärztin für digitale Medizin ein Konsil, welche App er der Patientin verordnen soll? Dabei könnten doch z.B. KI-basierte Tools unterstützen, die speziell für Allgemein- & Schwerpunktpraxen entwickelt werden könnten - wenn sich Fach-, IT-Expert*innen und politisch Verantwortliche zusammentuen und auch mal Patientenvertreter einbeziehen würden.
Avatar #763854
BuFiDu
am Sonntag, 9. August 2020, 14:06

Zusatzbezeichnung Medizinische Informatik

Das wäre eine konsequente und zukunftsweisende Weiterentwicklung der Zusatzbezeichnung „Medizinische Informatik“. Die Zusatzbezeichnung Medizinische Informatik wurde gerade dementsprechend überarbeitet: https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Weiterbildung/_Muster-Kursbuecher/20200428_MKB-MedInformatik.pdf #MedizinischeInformatik #DigitaleMedizin
Avatar #753715
Becker_Salutoconsult
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 18:57

Junge ÄrztInnen/ „Arzt für digitale Medizin“

Ich halte das für unsinnig. Es gab ja früher auch keinen Arzt für Telefongespräche oder Arzt für Kugelkopfschreibmaschinen-Arztbriefe. Digitale Technologien sind Mittel zum Zweck, idealerweise zur Unterstützung der ärztlichen Diagnostik, Therapie und Beratung, Dokumentation und Abrechnung, sowie zur Verbesserung der intersektoralen, interdisziplinären und Interprofessionellen Kooperationen.
Sinnvoll wäre, wenn angehende Ärztinnen und Ärzte schon im Studium verschiedene digitale Technologien kennenlernen würden und mit ihren KollegInnen aus anderen Gesundheitsberufen den Einsatz dieser Technologien reflektieren.
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