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Ärzteschaft

Höherbewertung von Hausbesuchen weiterhin nicht in Sicht

Dienstag, 16. Juni 2020

/dpa

Berlin – Hausbesuche müssen besser ver­gütet werden. Diese Forderung stellen Kassen­ärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) schon seit geraumer Zeit immer wieder. Doch die Kassen sperren sich weiterhin.

Im Zuge der Ende 2019 zwischen KBV und Krankenkassen verhandelten Reform des Ein­heitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) wurde die Klärung der bis zuletzt heftig umstritt­e­nen Frage einer höheren Vergütung von Hausbesuchen verschoben.

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Die Kassen hatten verlangt, eine solche Honorarerhöhung über eine Kürzung der Versi­cher­tenpauschale zu finanzieren. Dies war seitens der KBV als inakzeptabel abgelehnt worden. Insbesondere im hausärztlichen Bereich wäre diese Regelung zulasten der Ver­sorger gegangen, betonte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister damals.

Hofmeister kritisierte im Rahmen der Vertreterversammlung der KBV am 12. Juni erneut die Verweigerungshaltung des GKV-Spitzenverbandes. Die Ärzte würden offenbar, kaum schei­ne die Coronakrise bewältigt, wieder als die „Sparschweine“ der gesetzlichen Kran­kenversicherung (GKV) entdeckt, sagte er.

Von Partnerschaft und konstruktiver Zusammenarbeit mit dem GKV-Spitzenverband sei in den jüngsten Verhandlungsrunden nicht mehr viel zu spüren gewesen. Überfällige haus­ärztliche Honorar- und Strukturthemen würden im Bewertungsausschuss erneut und ohne konstruktives Gegenangebot auf die lange Bank geschoben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KVS) bezeichnete dies als „ein völlig falsches Signal“. Gunter Hauptmann, Vorsitzender des KVS-Vorstandes, betonte: „Ärzte nehmen ihre Verantwortung gegenüber ihren Patienten sehr ernst und sichern die Versorgung vor Ort – auch in Coronazeiten.“

Eine erneute Verschiebung der Höhervergütung strafe die hart arbeitenden Kollegen vor Ort, aber auch Patienten, die aufgrund ihrer Krankheit nicht in die Praxis kommen könn­ten, hart ab. Fragile Versorgungsstrukturen auf dem Land würden so weiter ausgehöhlt.

„Hausbesuche werden durchschnittlich mit 23 Euro vergütet“, ergänzte Joachim Meiser, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KVS. Mit An- und Abfahrt sei das – ins­besondere auf dem Land – wirtschaftlich fast nicht umzusetzen. Deshalb sei, auch vor dem Hintergrund eines drohenden Ärztemangels, eine Höhervergütung „unabdingbar“.

Vor dem Hintergrund gemachter Zusagen in der Vergangenheit und der vielen ambulan­ten Hausbesuchsdienste im Zuge der Coronavirus-Pandemie sei die ablehnende Haltung des Erweiterten Bewertungsausschusses nicht nachvollziehbar, kritisierte auch der Vor­stand der KV Rheinland-Pfalz (KV RLP).

„Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde im Zuge der Verhandlungen über die EBM-Reform darüber Einigkeit erzielt, dass es keine punktsummenneutrale Aufwertung der Hausbesuche geben wird. In diesem Jahr sollte die Höhe der Vergütung erneut beraten und eine Lösung gefunden werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV RLP Peter Heinz. Daher sei es umso unverständlicher, dass sich die angeblich neutralen Mitglieder des Bewertungsausschusses an bereits abgegebene Zusagen auf einmal nicht mehr erinnern wollten.

Zuletzt sei die Bewertung der Hausbesuche vor neun Jahren zum 2. Quartal 2011 ange­passt worden. Sollte sich die rigide Sparpolitik bei den ärztlichen Hausbesuchen nicht ändern, seien diese auf lange Sicht gefährdet.

Die seit Jahren anstehende Höherbewertung von ärztlichen Hausbesuchen müsse endlich angegangen werden, forderten die Vorstandsvorsitzenden der KV Niedersachsen (KVN) Mark Barjenbruch und Jörg Berling. Der dringende Handlungsbedarf liege auf der Hand – das sich nun auch die neutralen Mitglieder des Erweiterten Bewertungsausschusses ein­deutig auf Seiten des GKV-Spitzenverbandes stellten, sei erschreckend.

„Das Signal, das die Verantwortlichen aussenden, ist fatal und bestens geeignet, prekäre Versorgungsstrukturen, zum Beispiel auf dem Land, weiter zu verschärfen“, so Berling. © aha/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 16. Juni 2020, 19:49

Man sollte den Kassenvertretern

die Miete für ihre Büroräume, die Kosten für Verwaltung, Energie, Kommunikation, Dienstwagen, Altersversorgung und apparative Ausstattung vom Bruttolohn für die Dauer der Verhandungen abziehen, damit die Herrschaften mal den Unterschied von UMSATZ und NETTOEINKOMMEN begreifen. Die halten die Arztstunde mit 54 EUR für gut bezahlt, vergessen aber völlig die Kostenseite!
Hausbesuch habe ich am Ende meiner vertragsärztlichen Tätigkeit auf das absolut notwendige Mindestmaß reduziert. Fast alle Patienten schaffen es schließlich auch, zu den Fachärzten zu kommen, nur der Hausarzt soll 24/7 auf Wunsch andackeln!
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