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Ärzteschaft

Coronakosten: Niedergelassene Ärzte kritisieren mangelnde PKV-Beteiligung

Mittwoch, 17. Juni 2020

/dpa

Berlin – Die Private Krankenversicherung (PKV) müsse sich stärker als bisher an den co­ronabedingten Mehrkosten der Praxen beteiligen. Das war der klare Impetus der Vertre­ter­ver­sammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am 12. Juni.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, verwies diesbezüglich auf jüngste Ge­spräche mit dem PKV-Verband. Diese hätten ihn, obwohl „eigentlich Fan“ des dualen Ver­sicherungssystems, „ratlos“ zurückgelassen. Insbesondere bei der Frage einer Beteiligung der PKV-Unternehmen an den aufgelaufenen Kosten für die Beschaffung von medizini­scher Schutzausrüstung habe er ein „Totstellen“ verzeichnen müssen.

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Als „sprödes Zugeständnis“ sei einzig auf die erfolgte Einigung mit der Bundesärzte­kam­mer (BÄK) verwiesen worden, so Gassen. Dies werfe für ihn die Frage auf, inwieweit die PKV perspektivisch ihre Daseinsberechtigung argumentativ fortsetzen wolle.

Die PKV mache sich auf Kosten der Niedergelassenen „einen schlanken Fuß“, hatte zuvor Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg, unter zustimmenden Applaus moniert. Es sei keine Bereitschaft vorhanden, sich „in relevanter Weise“ an den Kosten der Coronapandemie zu beteiligen – dabei seien in Folge der Krise die privat­ärzt­lichen Leistungen um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Den daraus resultierenden geringen Kosten für die PKV stünde aber, im Gegensatz zur ge­setzlichen Krankenversicherung (GKV), keine Minderung der Beitragseinnahmen gegenü­ber. Beteilige sich die PKV nicht an der solidarischen Aufgabe der Bewältigung der Coro­na­pandemie, drohe sie ihre Sinnhaftigkeit innerhalb des dualen Krankenversicherungs­systems zu verlieren – so die klaren Worte Metkes.

Stefan Reker, Sprecher des PKV-Verbands, sagte dem Deutschen Ärzteblatt, die PKV un­ter­stütze Ärzte und Zahnärzte mit einem Betrag von insge­samt deutlich über 300 Millio­nen Euro für Coronaschutzmaßnahmen. Zugleich sei die PKV in vollem Umfang, ebenso wie die GKV, an allen krisenbedingten Zusatzzahlungen bei den Krankenhausentgelten mit nochmals weit über 300 Millionen Euro beteiligt.

„Weitere Krisenzahlungen, zu denen Gesetzgeber zunächst die GKV verpflichtet hat, soll­en weitestgehend durch Staatszuschüsse ausgeglichen werden, an deren Bezahlung die PKV und die Privatversicherten als Steuerzahler in vollem Umfang beteiligt sind“, so Re­ker. Die Co­ronapandemie habe den hohen Wert der ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutsch­land durch freiberufliche Ärzte in eigener Praxis bewiesen.

Reker betonte, die PKV wolle auch unter den Bedingungen der Pandemie die bewährte PKV-typische Einzelleistungsvergütung nicht über Bord werfen, die dem Arzt feste, kal­kulierbare Preise für die tatsächlich erbrachten Leistungen garantiere. Die GKV-Rettungsschirme erfoltgen hingegen auf Basis einer budgetierten Honorarverteilung. Das sei „mit der PKV-Struktur der Einzelleistungsvergütung für selbstständig tätige Ärzte unvereinbar“, so Reker. © aha/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 18. Juni 2020, 15:28

Seit wann vertritt die KBV niedergelassene Ärzte? Hier sicherlich nicht!

Vorab: Die KBV ist qua Gesetz (SGB V) der verlängerte Arm des Gesetzgebers, nicht eine Interessenvertretung der Ärzteschaft.

Wenn sich die KBV dazu aufschwingt die PKV wegen ihrer Beteiligung an den Corona-Kosten in den Praxen zu kritisieren, dann ist das der Witz in Dosen. Denn die PKV zahlt für den Mehraufwand in den Praxen (Analogziffer A245) und zwar ohne Budgetierung. Wie sieht es dagegen bei der GKV aus? Das von den Kassen mit befreiender Wirkung gezahlte Gesamthonorar wurde nicht aufgestockt. Die Ärzte zahlen über die Verwaltungskostenumlage an die KV die von der KV bereitgestellten PSA-Artikel selbst. Die Umbauten in den Praxen zahlen die Ärzte selbst. Die Umsatzausfälle durch „weggebliebene“ Patienten, denen die Corona-Berichterstattung Angst gemacht hat, tragen die Ärzte weitgehend selbst. Den Beratungs-Mehraufwand wegen Corona tragen die Ärzte selbst.

Soweit die GKV. Und bei der PKV?
In der PKV erhält ein Arzt für eine Behandlung immer dasselbe Honorar, es gibt keine Abstaffelung. Das Honorar ist (vielfach, aber nicht bei allen Arztgruppen) höher als in der GKV. Dafür macht der Arzt mit PKV-Patienten auch Gewinne. Und diese Gewinne, die viele Ärzte mit GKV-Patienten nicht machen, versetzen den Arzt in die Lage, Ausfälle durch externe Schocks wie Corona auszuhalten.

Wenn Herr Metke dafür gesorgt hätte, dass alle ärztlichen Leistungen angemessen vergütet werden, würde sich die Frage nach Mehrkosten wegen Corona gar nicht stellen. Denn dann würde der Mehraufwand schlicht eingepreist und demzufolge vergütet. Schon die Idee, „die PKV“ müsse sich an den Kosten beteiligen zeugt davon, wie wenig Metke die Zusammenhänge verstanden hat. Denn „die PKV“ hat mit der Ärzteschaft nichts am Hut. Vertragspartner der PKV sind ihre Versicherten. Vertragspartner der GKV sind dagegen die Kassenärzte, vertreten durch die KV.

Also Herr Metke, machen Sie doch erst einmal Ihre eigenen Hausaufgaben bevor Sie sich um Dinge kümmern, die definitiv nicht zu Ihrem Aufgabenbereich gehören.
Avatar #672734
isnydoc
am Donnerstag, 18. Juni 2020, 14:55

Sehr geehrter Herr Kollege Metke

Kollege Metke, vielleicht entging es Ihrer Aufmerksamkeit, dass man in der GOÄ folgende Regelung verankerte:

“Berechnung aufwändiger Hygienemaßnahmen (Nr. 245 GOÄ analog):
Berechnung nach „Nr. 245 GOÄ analog, erhöhte Hygienemaßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie“ zum 2,3 fachen Satz in Höhe von 14,75 €

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Sie sich über sozial oder asozial prinzipiell Gedanken machen, was Sachleistungs- oder Kostenerstattungsprinzip angeht?
https://www.facebook.com/notes/aerztliche_berufspolitik/saalhelden-in-berlin-vv-der-kbv/281962902914998/
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