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Medizin

Studie: 1/5 der Weltbevölkerung hat Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19

Mittwoch, 17. Juni 2020

/TylerOlson, stock.adobe.com

London – Weltweit jeder fünfte Mensch hat gesundheitliche Risikofaktoren, die bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 die Entwicklung einer schweren COVID-19 begünstigen. Bei etwa 4 % oder 349 Millionen Menschen könnte einer Studie in Lancet Global Health (2020; DOI: 10.1016/S2214-109X(20)30264-3) zufolge bei einer Infektion eine Hospitalisierung notwendig werden.

In den letzten 6 Monaten sind weltweit fast 8 Millionen Menschen an COVID-19 erkrankt und mindestens 434.000 Menschen daran gestorben. Lockdown, soziale Distanzierung und Mund-Nasen-Schutz haben in den letzten Wochen zwar in vielen Ländern die Epidemie eingedämmt, der Widerstand gegen die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten hat jedoch zugenommen, und in vielen Ländern steigen die Erkrankungs­zahlen noch.

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Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben jetzt recherchiert, wie hoch der Anteil der gefährdeten Personen in 188 Ländern der Erde ist. Grundlage sind die Daten der „Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study“, die für das Jahr 2017 die Prävalenz von Gesundheitsstörungen ermittelt hat, die das Risiko auf einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion fördern.

Dies sind erstens Herz-Kreislauf-Erkrankungen (auch durch Bluthochdruck), zweitens chronische Nierenerkrankungen (auch durch Bluthochdruck), drittens chronische Atemwegserkrankungen, viertens chronische Lebererkrankungen, fünftens ein Diabetes mellitus, sechstens Krebserkrankungen mit direkter Immunsuppression, siebtens Krebs­erkrankungen ohne direkte Immunsuppression, achtens eine HIV-Infektion, neuntens eine Tuberkulose, zehntens chronische neurologische Störungen und elftens eine Sichelzellanämie.

Eine dieser Störungen weisen nach den Berechnungen von Andrew Clark und Mitar­beitern weltweit 1,7 Milliarden Menschen oder 22 % der Weltbevölkerung auf. Der Anteil steigt von 10 % der 25-Jährigen auf 66 % der 70-Jährigen an, weil mit dem Alter die Zahl der Risikofaktoren zunimmt. Deshalb sind in Ländern mit einer jüngeren Bevölkerung weniger Menschen gefährdet.

In Afrika sind es nur 16 % (283 Millionen von 1,3 Milliarden Menschen), in Europa dagegen 31 % (231 Millionen von 747 Millionen). Unter der erwerbsfähigen Bevölkerung beträgt der Anteil der Personen mit einem Risikofaktor weltweit 23 %.

Insgesamt 6 % der Weltbevölkerung (400 Millionen) weist 2 oder mehr Risikofaktoren auf. Betroffen sind hier vor allem die älteren Bevölkerungsgruppen in Europa und Nordamerika. Insgesamt 4 % (349 Millionen) der Weltbevölkerung laufen bei einer Infektion Gefahr, eine schwere COVID-19 zu entwickeln, die im Krankenhaus behandelt werden muss.

Männer sind hier mit einem Anteil von 6 % doppelt so häufig gefährdet wie Frauen mit einem Anteil von 3 %. Das Risiko nimmt in beiden Geschlechtern mit dem Alter zu. Unter den Männern laufen im Alter von über 70 Jahren 26 % Gefahr, wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, bei den Frauen sind es 14 %. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 17. Juni 2020, 19:21

Man könnte auch sagen, dass …

… der Umstand, einer Dauermedikation zu unterliegen, als Risikofaktor zu betrachten ist. Dieser Umstand würde verdienen, die Medikamentenpalette auf ihren Anteil an Pseudomedikamenten zu untersuchen, so wie das der gestürzte chilenische Präsident veranlasst hat. Wie viele Medikamente braucht der Mensch: http://members.chello.at/meinewebseite/Chile.htm ?
LNS

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