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Politik

Krankenhäusern ging es 2018 schlechter als im Vorjahr

Donnerstag, 18. Juni 2020

/celiafoto, stockadobecom

Essen/Berlin – Den deutschen Krankenhäusern ging es 2018 erneut schlechter als im Vorjahr. Das liegt insbesondere an der weiterhin rückläufigen Zahl der Krankenhausfälle. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2020 hervor, der heute auf dem Virtuellen Hauptstadtkongress vorgestellt wurde.

Demnach stieg der Anteil der Krankenhäuser mit einem erhöhten Insolvenzrisiko von elf Prozent im Jahr 2017 auf 13 Prozent im Jahr 2018 an. Der Anteil der Krankenhäuser mit einem mittleren Insolvenzrisiko sank von 25 auf 23 Prozent, der der Häuser mit einem geringen Insolvenzrisiko stagnierte bei 64 Prozent. Der Anteil der Krankenhäuser, die auf Konzernebene einen Jahresverlust schrieben, stieg von 27 Prozent im Jahr 2017 auf 29 Prozent im Jahr 2018 an.

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Das Insolvenzrisiko wird im Krankenhaus Rating Report mit der Ausfallwahrschein­lichkeit gemessen. Diese gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Von einem hohen Insolvenzrisiko gehen die Autoren des Reports bei einer Ausfallwahr­scheinlichkeit von mehr als 2,6 Prozent aus. Ein geringes Insolvenzrisiko haben Kranken­häuser mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von unter einem Prozent.

MDK-Prüfungen für Fallzahlrückgang mitverantwortlich

Nachdem die Zahl der Krankenhausfälle von 2005 bis 2016 kontinuierlich angestiegen war, sank sie zwischen 2016 und 2017 um 0,5 Prozent. Von 2017 auf 2018 sank sie um weitere 0,1 Prozent. „Zu den Ursachen für den Fallzahlrückgang gehört, dass mehr Fälle ambulant erbracht wurden“, erklärte Adam Pilny vom RWI – Leibniz-Institut für Wirt­schaftsforschung, einer der Autoren des Reports.

Auch der Fachkräftemangel und die Zunahme der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) könne eine Rolle gespielt haben. Die Autoren des Reports rechnen damit, dass es im Jahr 2019 eine weitere Reduktion der stationären Fälle gegeben hat.

Darüber hinaus haben sich im Jahr 2018 verschiedene Trends der Vergangenheit fortge­setzt. „Wirtschaftlich ging es privaten Krankenhausträgern am besten, gefolgt von den freigemeinnützigen und dann den kommunalen Trägern“, erklärte Pilny. „Große Kliniken schnitten zudem besser ab als kleine, da sie besser in der Lage waren, ihre Fixkosten zu decken.“ Besser abgeschnitten hätten zudem spezialisierte Krankenhäuser.

Weiterhin ging es den Krankenhäusern in Ostdeutschland besser als den Häusern im Wes­ten. Wirtschaftliche Probleme hatten im Jahr 2018 dabei vor allem Krankenhäuser in Ba­den-Württemberg, Hessen und Bayern.

Patientenzufriedenheit bei freigemeinnützigen Häusern am höchsten

Erstmals wurde im Krankenhaus Rating Report in diesem Jahr auch die Patientenzufrie­den­heit ermittelt – in Zusammenarbeit mit der Weissen Liste, einem Internetportal der Bertelsmann Stiftung. „Die Patientenzufriedenheit hat sich über die Jahre leicht ver­schlech­tert“, sagte Pilny.

„Bei den freigemeinnützigen Trägern ist sie höher als bei den anderen Trägern. In Ost­deutschland ist sie höher als in Süddeutschland. Eine höhere Patientenzufriedenheit erreichten zudem die größeren sowie die spezialisierten Krankenhäuser.“

Darüber hinaus sei die Zufriedenheit der Patienten mit ärztlicher Versorgung in den Ballungsgebieten höher gewesen und die Zufriedenheit mit pflegerischer Versorgung in den ländlichen Regionen. „Das hat damit zu tun, dass es in den Ballungsgebieten mehr Ärzte als Pfleger gibt“, sagte Pilny. „In den ländlichen Regionen ist es umgekehrt.“

Die Autoren erklärten, dass sich die Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland dynamisch weiterentwickelt hätten. „Viele Landkreise befassen sich inzwischen intensiv mit der Frage, wie sie eine nachhaltig stabile Struktur schaffen und dabei die flächendeckende Grundversorgung gewährleisten können“, hieß es.

„Vielfach wird im Zentrum einer Region eine leistungsfähige moderne Medizin mit hoher Qualität für die Bevölkerung angeboten und gleichzeitig die Peripherie durch solide am­bu­lante und telemedizinische Angebote an das Zentrum angedockt. Gleichwohl zeigt eine Sonderanalyse, dass schätzungsweise 40 Prozent der Landkreise instabile Krankenhaus­struk­­turen aufweisen und sie damit in den kommenden Jahren Handlungsbedarf haben.“

Weiterhin zu geringe Investitionsmittel

Die Bundesländer überweisen den Krankenhäusern weiterhin deutlich weniger Investiti­ons­mittel als diese benötigen würden. Dem Krankenhaus Rating Report zufolge lagen die Fördermittel im Jahr 2018 bei 3,04 Milliarden Euro. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Gemessen am Krankenhausumsatz sind es aber nur 3,4 Prozent – während zum Erhalt der Unternehmenssubstanz 7 bis 8 Prozent pro Jahr benötigt würden. Im Jahr 1991 hatten die Krankenhäuser noch Investitionsmittel in Höhe von etwa 10 Prozent des Gesamtumsatzes erhalten.

Das Sachanlagevermögen sei in der Folge zwischen den Jahren 2007 und 2018 im Durch­schnitt um zwei Cent pro Jahr zurückgegangen, erklärte Pilny. Vor allem die freigemein­nützigen Träger hätten schlecht abgeschnitten. Schlecht sehe es zudem in den west­deutschen Bundesländern aus. „Die Krankenhäuser leben zunehmend von ihrer Substanz“, so Pilny.

Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage erwartet

Die Autoren des Krankenhaus Rating Reports erwarten eine weitere wirtschaftliche Ver­schlechterung der Lage deutscher Krankenhäuser in den kommenden Jahren. Für das Jahr 2025 erwarten sie, dass 38 Prozent der Krankenhäuser ein erhöhtes Insolvenzrisiko und 57 Prozent der Häuser ein negatives Jahresergebnis haben werden.

„Die Stagnation der Leistungsmenge dürfte sich nicht groß ändern“, meinte Boris Augurz­ky vom RWI, einer der Autoren des Reports. „Das hat Konsequenzen auf die wirtschaftli­che Lage der Krankenhäuser.

Denn das System ist darauf ausgerichtet, über ein Wachstum der Fallzahlen ein wirt­schaft­liches Wachstum zu generieren.“ Das Coronajahr 2020 bilde dabei eine Ausnahme, da die Refinanzierungsmaßnahmen der Bundesregierung eine leichte finanzielle Ver­besserung erwarten ließen.

Nur 50 Prozent der verschobenen Elektivfälle werden nachgeholt

Die Autoren des Reports gehen für dieses Jahr von einem Rückgang der Fallzahlen, infol­ge der Verschiebung elektiver Eingriffe, von mindestens sechs Prozent aus. Sie nehmen an, dass nur 50 Prozent der verschobenen Elektivfälle im stationären Bereich dieses und kommendes Jahr nachgeholt werden.

„Spätestens ab 2022 gehen wir hinsichtlich der Fallzahlen von einer Rückkehr zum Status 2019 aus“, hieß es. „Demografisch bedingt dürfte es bundesweit bis zum Jahr 2025 etwa vier Prozent mehr Fälle geben. Würde das ambulante Potenzial ab 2019 schrittweise ge­hoben, wäre bis 2030 dagegen kaum noch mit einer Änderung der stationären Fallzahl zu rechnen. Bis zum Jahr 2030 dürfte zudem die Verweildauer weiter zurückgehen, sodass der Bedarf an Krankenhausbetten sinken würde.“

Die Autoren des Reports gehen zudem davon aus, dass sich die Ambulantisierung der Me­dizin künftig beschleunigen wird. Die mit dem MDK-Reformgesetz initiierte Überarbei­tung des Katalogs „ambulantes Operieren“ und künftig mögliche sektorenübergreifende Vergütungsmodelle könnten dazu beitragen.

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen könnte sich mittelfristig infolge der Corona­pandemie entschärfen. Denn im Gesundheitswesen gebe es, im Vergleich zu anderen Wirt­schaftsbranchen, eine Arbeitsplatzsicherheit.

„Spätestens nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 werden die massiven finanziellen Belastungen aus der COVID-19-Pandemie im gesamten Gesundheitswesen zu spüren sein“, meinte Augurzky. „Umso wichtiger ist es, die Gesundheitsversorgung effizient und demografiefest zu gestalten.“

Der Krankenhaus Rating Report wurde gemeinsam vom RWI und dem dem Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der Healthcare Information and Management Systems Society (HIMSS) erstellt.

Datengrundlage des Reports sind 515 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2017 und 525 aus dem Jahr 2018. Sie umfassen insgesamt 942 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 71 Prozent. © fos/aerzteblatt.de

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