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Marburger Forscher sehen möglichen Ansatz für Krebsmedikament bei Coronatherapie

Donnerstag, 18. Juni 2020

/Giancarlo, stockadobecom

Marburg – Forscher der Universität Marburg sehen vielversprechende Ansätze für den Einsatz des Krebsmedikaments Ruxolitinib bei schweren Coronaerkrankungen. Gestern Abend berichteten sie von der erfolgreichen Behandlung einer 65-jährigen Patientin, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an akutem Lungenversagen und weiteren Organ­schädigungen litt.

Nach der Gabe des Krebsmedikaments besserte sich der Zustand der Marburger Patientin. Atmung und Herzfunktion verbesserten sich rasch. Vom zehnten Tag ihres Klinikaufent­halts an konnte die Patientin demnach schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt wer­den. Auch die Virusvermehrung reduzierte sich. Die Forscher nannten den Verlauf „be­merkenswert“.

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte genehmigte mittlerweile eine klinische Studie, in der die Wissenschaftler den Einsatz von Ruxolitinib gegen COVID-19-assoziiertes Lungenversagen weiter untersuchen wollen. COVID-19 kann einen Zytokin­sturm auslösen, das ist eine Überreaktion des Immunsystems. Diese Überreaktion der körper­eigenen Abwehr schädigt das Gewebe – umso leichter verbreitet sich das einge­drungene Virus. Für die Patienten endet dies oft tödlich.

Das Krebsmedikament hemmt Enzyme im Körper, die an überschießenden Entzündungs­reaktionen beteiligt sind. Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Beginn der Gabe von Ruxolitinib und der gesundheitlichen Besserung der Patientin legt den Marburger Forschern zufolge die Vermutung nahe, die durch das Mittel ausgelöste Hemmung könnte zu dem günstigen klinischen Verlauf beigetragen haben.

Offenbar handelt es sich bei dem Behandlungserfolg nicht um einen Einzelfall. Das Mar­burger Team verabreichte das Krebsmedikament noch mehreren anderen Patienten, um den schweren Krankheitsverlauf bei ihnen in den Griff zu bekommen. „Bei allen, denen das Mittel länger als eine Woche verabreicht worden ist, ist es am Ende gut geworden“, berichtete der Krebsmediziner Andreas Neubauer. © afp/aerzteblatt.de

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