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Ärzteschaft

Kodierunterstützung für Praxen auf den Weg gebracht

Freitag, 19. Juni 2020

/gamjai, stock.adobe.com

Berlin – Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat den Entwurf für die ambulante Kodierunterstützung beschlossen. Dadurch kann sie nun im nächsten Schritt die entsprechenden Vorgaben weiter ausarbeiten.

Hintergrund ist die anhaltende Diskussion um die Kodierqualität. Um diese zu verbes­sern, sollen Ärzte und Psychotherapeuten zukünftig durch ihre Praxissoftware bei der Anwen­dung der ICD-10 unterstützt werden.

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz hat der Gesetzgeber der KBV den Auftrag erteilt, bis Ende Juni entsprechende Voraussetzungen zu definieren. Ab 1. Januar 2022 müssen die Funktionalitäten zur Unterstützung der Kodierung in den Praxisverwaltungs­systemen (PVS) zur Verfügung stehen, damit ausreichend Zeit für die Zertifizierung und Implementierung bereitsteht.

„Wir schaffen keine neuen Regelungen. Es geht darum, vorhandene einzuhalten“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Demnach geht es bei den jetzt erarbeiteten Vorgaben zur Ko­dier­unterstützung um ausgewählte praxisrelevante Regelungen, die in das PVS imple­men­tiert werden sollen. Hinterlegte Informationen oder angezeigte Hinweise sollen auf das Nötigste beschränkt und so in die Software eingebaut werden, dass sie nicht „nerven“, sondern helfen.

Basis bildet die ICD-10-GM, nach der Ärzte und Psychotherapeuten bereits seit dem Jahr 2000 sämtliche Krankheiten verschlüsseln müssen. „Wir wollen kein neues Bürokratie­mons­ter“, sagte Vize-KBV-Chef Stephan Hofmeister. Die Kodierunterstützung müsse so einfach wie möglich sein. So wird es Hofmeister zufolge auch kein mehrseitiges Werk ge­ben, das Ärzte und Psychotherapeuten zusätzlich zur ICD-10 studieren müssen.

Der Fokus liegt laut KBV vorerst auf dem richtigen Verschlüsseln von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Nur bei die­sen Krankheitsbildern sollen dem Arzt Hinweise angezeigt werden, wenn der ausge­wähl­te Code nicht korrekt oder nicht spezifisch genug ist. Der Arzt hat dann die Möglichkeit, die Kodierung anzupassen.

Ein weiteres Thema ist die Angabe von Akut- und Dauerdiagnosen sowie anamnestischen Diagnosen. Der akute Herzinfarkt, gesichert, oder die Penicillinallergie sollten nicht über Jahre dauerhaft jedes Quartal in den Abrechnungsdaten übernommen werden. „Das ergibt keinen Sinn“, sagte Hofmeister.

Auch dabei strebt die KBV eine für die Vertragsärzte aufwandsarme Lösung an: Es ist vor­gesehen, dass Ärzte bereits beim Kodieren bestimmter Diagnosen einen Hinweis erhal­ten, ob diese als Dauerdiagnose geeignet sind.

Wie gehabt, prüfen Ärzte ihre Dauerdiagnosen, um nur diese in die Abrechnung zu über­nehmen, die im aktuellen Behandlungskontext relevant sind. Das geht dann weiterhin en bloc. Es gehe nicht darum, alle alten und neuen Dauerdiagnosen bis zu einem Stichtag zu sichten und zu sortieren, betonte Hofmeister. „Diesen Aufwand wollen wir den Kollegen ersparen.“

Nach der Verabschiedung der Vorgaben zur ambulanten Kodierunterstützung in der KBV-Vertreterversammlung haben die Softwarehersteller nun Zeit, die Inhalte und Funktionen in ihre PVS-Produkte zu implementieren und durch die KBV zertifizieren zu lassen. Dabei sind auch Tests eingeplant, um die Anwenderfreundlichkeit der Software­umsetzung zu prüfen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 22. Juni 2020, 09:15

Im Klartext: KBV schadet allen Niedergelassenen

Wenn man die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung steigern möchte, muss man mehr Ressourcen investieren, um die höhere Qualität zu bekommen. So einfach ist das.

Wenn die Politik eine höhere Kodierqualität bei Diagnosen haben will, dann kostet das Ressourcen - und zwar ärztliche Arbeitszeit. Habe nur ich die Stelle verpasst, an der die KBV erklärt hat, dass die Aufwendungen zur Erreichung einer höheren Kodierqualität in vollem Umfange erstattet werden? Vermutlich nicht.
Damit ergibt sich unterm Strich: Die KBV sorgt bei den Ärzten auf höheren Aufwand, ohne dass dieser Mehraufwand erstattet wird.

Die Sprechblasen, die die KBV dazu abgesondert hat, verhöhnen zudem die Niedergelassenen. Zitat:
„Hinterlegte Informationen oder angezeigte Hinweise sollen auf das Nötigste beschränkt und so in die Software eingebaut werden, dass sie nicht „nerven“, sondern helfen.“

Wer jemals in einer Praxis Diagnosen kodiert hat, dem fallen bei so einer Aussage alle Plomben raus. Du kodierst „Hyperemesis gravidarum“ und es kommt die Abfrage, welche Seite. Oder du machst die Quartalsabrechnung für I/2020 und das KBV-Prüfmodul wirft einen Fehler aus. „Falsche Diagnosenkodierung“. Die Prüfung ergibt, dann dass eine Dauerdiagnose aus II/2003 jetzt, also im März 2020, falsch kodiert ist. Wurde was in der Praxis geändert? Nein. Aber die KBV hat etwas geändert und weil die KBV etwas geändert hat, muss die Arztpraxis zurück ins Jahr 2003, um Dauerdiagnosen zu ändern. (Kleiner Tipp an die KBV, falls sie mitliest: Ein entfernter Uterus ist auch 17 Jahre später noch entfernt.)

Was auch immer in die Software zusätzlich eingebaut werden wird, es wird nerven. Helfen würde den Ärzten, wenn man ICD ausschließlich dafür nehmen würde, für das sie gedacht sind - und nicht für Abrechnungszwecke im deutschen System missbrauchen würde.
LNS
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