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Medizin

Morbus Parkinson: Impfung soll Alpha-Synuclein aus dem Gehirn beseitigen

Donnerstag, 2. Juli 2020

/Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Wien – Eine wiederholte Impfung gegen das Protein Alpha-Synuclein, dessen Ablage­rungen im Gehirn an der Pathogenese des Morbus Parkinson beteiligt sein sollen, hat bei Patienten im Frühstadium der Erkrankung die Bildung von Antikörpern induziert und laut dem Bericht in Lancet Neurology (2020; DOI: 10.1016/S1474-4422(20)30136-8) die Liquorkonzentration von Alpha-Synuclein gesenkt.

Alpha-Synuclein ist der Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen, die beim Morbus Parkinson und verwandten Erkrankungen in den Nervenzellen auftreten und möglicher­weise an deren Untergang beteiligt sind. Die Beseitigung von Alpha-Synuclein (oder der Verhinderung von weiteren Ablagerungen) könnte deshalb den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen.

Ein österreichisches Biotechnologieunternehmen hat zu diesem Zweck einen Impfstoff entwickelt. Es handelt sich um ein antigenes Peptid, das einen kurzen Abschnitt von Alpha-Synuclein enthält und nach der Injektion die Bildung von Antikörpern induzieren soll. Diese Antikörper sollen dann im Gehirn Alpha-Synuclein neutralisieren. Der Effekt wäre der gleiche wie bei einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern, die beim Morbus Alzheimer seit Jahren in größeren klinischen Studien (allerdings bisher erfolglos) erprobt werden.

Der Parkinson-Impfstoff PD01A wurde in den letzten Jahren in einer Phase-1-Studie an 32 Patienten im Frühstadium eines Morbus Parkinson erprobt, in dem am ehesten eine protektive Wirkung der Behandlung erwartet werden kann.

Die Teilnehmer wurden zunächst auf 4 subkutane Impfungen in 2 unterschiedlichen Dosierung von PD01A randomisiert. Wie das Team um Günther Staffler vom Hersteller AFFiRiS aus Wien berichtet, kam es danach zur Bildung von Antikörpern gegen Alpha-Synuclein, deren Titer jedoch im Verlauf des ersten Jahres wieder zurückging. Die Patienten erhielten deshalb nach 116 Wochen eine erste Auffrischung und nach 150 Wochen einen weiteren Booster.

Auf diese Weise gelang es, die Antikörper-Titer über mindestens 3,5 Jahre auf einem Niveau zu halten, das die Voraussetzung für eine krankheitsmodifizierende Wirkung schaffen könnte. Ernsthafte Komplikationen, die eine Fortsetzung der klinischen Entwicklung infrage stellen würden, sind laut der Publikation nicht aufgetreten.

Die häufigsten Nebenwirkungen bestanden in Lokalreaktionen an der Injektionsstelle. Systemische Nebenwirkungen waren Müdigkeit bei 4 Patienten, Kopfschmerzen bei 3 Patienten, eine Myalgie bei 3 Patienten, eine Muskelsteifheit bei 2 Patienten und ein Tremor bei 2 Patienten.

Bei den Patienten, die die höhere Impfdosierung erhielten, ist es zu einem Rückgang der Alpha-Synuclein Konzentration im Liquor um 51 % gekommen. Er korrelierte laut der Publikation mit einer günstigen Entwicklung der Symptome in der UPDRS („Unified Parkinson's Disease Rating Scale“), einer Skala zur Verlaufsbeobachtung beim Morbus Parkinson.

Aufhalten konnte die Impfung die Erkrankung allerdings nicht. Die Patienten mussten im Verlauf der Studie die Dosierung der Medikamente von 355 mg auf 587 mg L-Dopa (Äquivalenz) erhöhen. Der Hersteller kündigte die Fortsetzung der klinischen Prüfung mit einer Phase-2-Studie an. © rme/aerzteblatt.de

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