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Politik

„Wichtig ist die Beurteilung des Nutzens digitaler Systeme durch den Arzt“

Freitag, 19. Juni 2020

Berlin – Die Coronapandemie hat dem Ausbau digitaler Prozesse in vielen deutschen Krankenhäusern einen Schub gegeben. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg), Sebastian Zilch, in wel­chen Bereichen die Digitalisierung besonders wichtig ist und wie Ärzte und Pflege­kräfte dazu beitragen können, die IT in ihrem Haus zu bewerten.

Fünf Fragen an Sebastian Zilch, bvitg-Geschäftsführer

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DÄ: Aus welchen Teilbereichen setzt sich die Digitalisie­rung im Krankenhaus zusammen?
Sebastian Zilch: In einem Krankenhaus gibt es eine Viel­zahl an möglichen Ansatzpunkten für Digitali­sierung – von der Patientenversorgung über die Ver- und Entsor­gung bis hin zu Kodierung und Abrechnung.

Welche Bereiche mehr oder weniger relevant sind, hängt vom Versorgungsauftrag des konkreten Hauses beziehungsweise den Gegebenheiten vor Ort ab. Aus unserer Sicht besonders zentral sind die patienten­na­hen Prozesse, also Aufnahme, Diagnostik, Therapie und Entlassung beziehungsweise Überleitung sowie Nach­sorge.

DÄ: Wie sind die deutschen Krankenhäuser im Bereich der Digitalisierung aufgestellt?
Zilch: Das hängt vom einzelnen Krankenhaus ab. Hier gibt es große Unterschiede zwi­schen den Einrichtungen und je nach individuellem Bedarf auch verschiedene Digitali­sierungsansätze.

Grundsätzlich lässt sich aber feststellen, dass die deutschen Krankenhäuser mit Blick auf die Digitalisierung gegenüber anderen Ländern einigen Nachholbedarf haben. Allerdings ist es schwer, sich ein fundiertes Bild des Status Quo zu machen. Grund dafür ist, dass es noch immer keine flächendeckende, einheitliche, strukturierte Analyse des digitalen Reifegrades der deutschen Kliniken gibt.

DÄ: Wie kann man das ändern?
Zilch: Dies zu ändern, ist ein zentrales Anliegen des bvitg, denn wir sehen das als Grund­voraussetzung für zielgerichtete Maßnahmen beziehungsweise Investitionsentschei­dun­gen. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns für eine bundesweite Messung des digitalen Reifegrades auf Prozessebene ein.

Wichtig dabei ist nicht die bloße Betrachtung der technischen Ausstattung, sondern die Beurteilung des Nutzens von digitalen Systemen aus der Anwenderperspektive, also aus der Sicht von Ärzten und Pflegekräften.

DÄ: Wie ist denn die Sicht der Anwender?
Zilch: Um das herauszufinden, haben wir vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit dem Mar­burger Bund das Projekt „Check IT“ gestartet. „Check IT“ ist ein auf einer Online-Check­lis­te basierendes Selbstanalysetool, das es Kliniken ermöglicht, den Grad der IT-Unterstüt­zung der Prozesse im eigenen Haus aus Anwendersicht zu beurteilen.

Eine erste Zwischenauswertung hat den intuitiven Eindruck bestätigt, dass die Digitali­sierung im deutschen Krankenhauswesen vielerorts noch in den Kinderschuhen steckt.


DÄ: Inwiefern kann eine Investition in die Digitalisierung Krankenhäusern dabei helfen, Geld zu sparen?
Zilch: Das kann nur mit Blick auf das einzelne Krankenhaus beantwortet werden. Grund­sätzlich kann die IT dazu beitragen, Prozesse zu vereinfachen und zu beschleu­nigen. Ein prägnantes Beispiel ist der sichere und strukturierte Datenaustausch zwischen Ein­rich­tun­gen.

Aktuell bringen Patientinnen und Patienten häufig einen Berg an Papierdokumenten mit in die Klinik, die durch das Personal aufwendig gesichtet und geordnet werden müssen. Hierbei können wichtige Informationen übersehen oder handschriftliche Notizen auf­grund von Unleserlichkeit falsch interpretiert werden. Diese Situation kann Digitalisie­rung maßgeblich verbessern helfen.

Kosten können auch durch eine Reduzierung der Wiedereinweisungen gemindert werden, etwa durch eine Überwachung per Telemedizin. Speziell beim Thema Telemedizin ist auch eine bessere Behandlung möglich, da damit auch die Meinung weiterer Experten eingeholt werden kann.

Zusammenfassend kann also durch Digitalisierung das Personal an vielen Stellen entlas­tet werden, das sich dadurch verstärkt der Patientenversorgung widmen kann. Außerdem können die Abrechnung durch IT optimiert und Erlöspotenziale maximal ausgeschöpft werden. © fos/aerzteblatt.de

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