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Medizin

Wirkstoff Nimodipin könnte Nervenzellen nach Hirn-OP schützen

Montag, 6. Juli 2020

Lichtmikroskopische Aufnahme der Nimodipinfasern /Johanna Zech, MLU

Halle-Wittenberg – Pharmazeuten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben zusammen mit Neurochirurgen des Universitätsklinikums Halle (Saale) (UKH) ein Verfahren entwickelt, um den Arzneistoff Nimodipin nach Operationen am Gehirn direkt vor Ort zu applizieren. Die Wissenschaftler berichten darüber im European Journal of Pharmaceutics and Biopharmaceutics (DOI: 10.1016/j.ejpb.2020.03.021).

Nimodipin wird laut den Forschern bisher bei Hirnblutungen eingesetzt. Das Medikament wirke entspannend auf Blutgefäße und könne Verkrampfungen verhindern. Außerdem schütze es offenbar Nervenzellen vor dem Absterben.

Die Arbeitsgruppe von Karsten Mäder, Direktor des Instituts für Pharmazie, hat daher ein System entwickelt, mit dem sich der Wirkstoff direkt im Gehirn anwenden lässt. „Die Neurochirurgen haben sich eine lokale Anwendung gewünscht, um mögliche Nebenwir­kungen zu reduzieren“, so Mäder.

Die Wissenschaftler haben Nimodipin dafür in bioabbaubare Polymerfasern einge­arbeitet. Die Fasern sind nur 1 bis 2 Mikrometer dick und werden im Körper abgebaut. Die Forscher konnten zeigen, dass sie den Wirkstoff sehr kontinuierlich freisetzen. Dies sei wichtig, um Nebenwirkungen bei einer Überdosierung auszuschließen.

Die Arbeitsgruppe von Christian Scheller an der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKH testete die Wirkung des Verfahrens auf verschiedene Zellen des Gehirns. Danach zeigten die Fasern keinerlei toxische Wirkung. Unter verschiedenen Stressbedingungen wie Hitze oder bei hoher Salzkonzentration reduzierten sie die Zahl der Zelltode.

„In den Zellsystemen konnten wir zeigen, dass der Effekt genauso gut ist, wie wenn wir den Wirkstoff ohne die Fasern dazugeben würden, was der intravenösen Gabe entspricht“, so Scheller.

Allerdings habe dieses Vorgehen verschiedene Nachteile: Der Wirkstoff zerfalle sehr schnell und habe unerwünschte Nebeneffekte, da er nicht nur auf Blutgefäße im Gehirn, sondern im ganzen Körper entspannend wirke, zum Beispiel auch auf Herzmuskelzellen. Der Wirkstoff könne so einen gefährlich niedrigen Blutdruck induzieren. Die direkte Anwendung am Gehirn könne diese Nebenwirkungen minimieren, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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