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Kinderschutz: ÄK Westfalen-Lippe regt Landesbeauftragten an

Montag, 22. Juni 2020

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Münster – Angesichts der Fälle von sexuellem Missbrauch und Gewalt gegen Kindern hat die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) die Einrichtung ei­nes Kinderschutzbeauftragten auf Landesebene in Nordhein-Westfalen (NRW) gefordert.

Ärzte müssten sich zum Wohl derer einmischen, die sich ihnen anvertrauten, betonte Kammerpräsident Hans-Albert Gehle in der jüngsten Sitzung des Ärzteparlaments. Um die wegen der Pandemie gebotenen Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, war sie in die Halle Münsterland verlegt worden.

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„Ich fordere eine interdisziplinäre, staatlich finanzierte, niedrigschwellige Anlaufstelle für Kindswohl und eine öffentliche Aufklärungsinitiative wie die Kampagne zum Schutz vor Aids“, sagte Gehle mit Blick auf die Fälle von sexuellem Missbrauch bei Kindern im ost­westfälischen Lügde, in Bergisch Gladbach und zuletzt in Münster.

Kindesmisshandlung und kinderpornografisches Material gebe es in allen sozialen Ver­hältnissen. Inzwischen verbreiteten nicht nur Erwachsene aller Bevölkerungsschichten, sondern auch immer mehr Kinder und Jugendliche über ihre Smartphones dieses Mate­rial. Trotz des Bundeskinderschutzgesetzes und der Einrichtung sogenannter Frühwarn­systeme in allen Bundesländern hätten Kinder noch immer keine verfassungsrechtlich gesicherten Rechte.

Die Kammerversammlung teilte die Ansicht des ÄKWL-Präsidenten und verabschiedete einstimmig eine Resolution, mit der sie die Einrichtung eines Kinderschutzbeauftragten in Nordrhein-Westfalen (NRW) fordert. Er soll unter anderem für landesweit einheitliche Richtlinien und Standards sorgen, auf deren Basis die Jugendämter im Land ihre Ent­schei­dungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen fällen.

Bislang fielen diese Entscheidungen je nach Kommune zum Teil sehr unterschiedlich aus. Außerdem soll er auf institutioneller Ebene alle Möglichkeiten der Prävention und Sensi­bilisierung für das Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern und Kinderpornografie“ nutzen und die neben den Jugendämtern bestehenden Hilfeangebote stärker miteinander vernetzen.

Außerdem gelte Elternrecht noch immer vor Kinderrecht, kritisiert die Resolution. „Die Ärztekammer Westfalen-Lippe sieht Kinderschutz in der Priorität vor dem Elternrecht, vor Datenschutz und grenzenlos pädagogischem Optimismus“, stellte Gehle klar. Auch müsse der Schutz der Opfer Vorrang vor dem Schutz der Täter haben.

Das Parlament der westfälisch-lippischen Ärzteschaft sieht bei der Prävention von Miss­brauch und Gewalt gegen Kinder noch „erheblichen Handlungsbedarf“ und fordert daher in der Resolution eine „konzertierte Aktion Kinderschutz“ in NRW.

Darunter falle die Einrichtung der Stelle für den Landesbeauftragten für Kinderschutz ebenso wie ein Ansprechpartner bei jedem Jugendamt, der 24 Stunden am Tag erreichbar ist, und eine unabhängige Stelle, an die sich jeder Bürger auch anonym bei einem Ver­dacht auf sexuellen Missbrauch wenden kann.

Darüber hinaus müsse Kinderschutz verpflichtender Bestandteil der neuen Weiterbil­dungs­ordnung für Ärzte werden, die sich mit der Versorgung von Kindern und Jugendli­chen und deren Eltern beschäftigen.

Auch sei eine einprägsame öffentlichkeitswirksame Aktion nötig, um das Umfeld, in dem sich Kinder regelmäßig bewegen, wie etwa Kindertageseinrichtungen, Schulen und Sportvereine, stärker als bisher für die Anzeichen sexuellen Missbrauchs zu sensibili­sie­ren und darauf hinzuweisen, wann man an Kindesmissbrauch denken muss.

Nach Ansicht der Kammerversammlung darf der Digitalpakt für Schulen nicht dazu füh­ren, dass Kinder- und Internetpornografie in Schulen und Bildungseinrichtungen für die Schüler dort verfügbar sind. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass hoher Pornografiekon­sum den Einstieg in die Kinderpornografie und sexuelle Übergriffe an Kindern fördert. © ts/aerzteblatt.de

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