NewsHochschulenApp unterstützt Wissenschaftler bei Erforschung von Babysprache
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

App unterstützt Wissenschaftler bei Erforschung von Babysprache

Montag, 22. Juni 2020

/Ulia Koltyrina, stock.adobe.com

Konstanz – Ab wann können Säuglinge zwischen fremden und muttersprachlichen Wör­tern unterscheiden? Das wollen Wissenschaftler der Universität Konstanz herausfinden – mit einer eigens entwickelten digitalen App.

Diese sei entworfen worden, um die Forschungen des Babysprachlabors auch während der Coronapandemie fortsetzen zu können und vor allem eine größere Zielgruppe zu er­reichen, sagte die Leiterin des Labors, Bettina Braun.

Anzeige

Die Professorin für Phonetik und Allgemeine Sprachwissenschaft im Fachbereich Linguis­tik erforscht mit ihrem Team unter anderem, wie Kinder sprechen lernen und wie sich Sprachwahrnehmung und -produktion in den ersten Lebensjahren entwickeln.

Eigentlich kommen die Eltern mit ihren Babys an die Universität, um an den Studien teil­zunehmen. Mit der App sei das nun auch von zu Hause aus möglich, etwa per Tablet, sagte Braun.

So entfalle die Anfahrt, und die Eltern könnten den Termin zur Teilnahme selbst bestim­m­­en. Außerdem erreichen die Forscher mit der App auch mehr Probanden, weil sie bei­spielsweise nicht mehr auf ein bestimmtes Einzugsgebiet beschränkt sind.

Bei dem Experiment betrachten die Babys zunächst ein Wimmelbild, während die Eltern beschreiben, was darauf zu sehen ist. Das sei eine Art Aufwärmphase, sagte Brauns Kolle­gin und Postdoktorandin Katharina Zahner. Zum anderen können die Wissenschaftler da­durch auch einschätzen, wie die Eltern mit ihren Kindern sprechen – etwa auf Hoch­deutsch oder mit Dialekt.

„Danach beginnt das eigentliche Wahrnehmungsexperiment“, sagte Zahner. „Das Kind sieht auf dem Bildschirm ein Schachbrett mit bunten Feldern und hört gleichzeitig eine Liste von Wörtern.“ Dabei handle es sich entweder um deutsche Wörter wie Hase, Katze oder Blume oder um Fantasiewörter wie etwa „Gus“ oder „Guhm“.

Insgesamt gebe es acht Durchläufe. „Dabei messen wir, wie lange das Kind zu dem Schach­brett guckt, das auf dem Bildschirm gezeigt wird.“ Dem liege die Annahme zugrun­de, dass man länger hinsehe, wenn man etwas spannend finde oder wiedererkenne.

Einen Nachteil gibt es allerdings bei der digitalen Teilnahme: Im eigenen Labor haben die Wissenschaftler die Kontrolle über möglichen Input von außen. Das ist bei der Teilnahme zu Hause nicht möglich. So kann beispielsweise das Telefon klingeln und das Kind ablen­ken.

Um solche Einflüsse möglichst gering zu halten, werden die Eltern um eine ruhige At­mosphäre gebeten. Zudem fragt die App nach der Teilnahme ab, ob es Ablenkungen gab. In diesem Fall würden die Daten nicht ausgewertet, sagt Braun.

Auch andere Universitäten nutzen digitale Testmethoden bereits. So forscht unter ande­rem die Hochschule Potsdam in ihrem BabyLAB inzwischen auch mit der Hilfe einer On­linestudie, an der Eltern und Kind von zu Hause aus teilnehmen können.

Bei der Studie mit dem Titel „Laute Tiere – Tierlaute“ können Kinder zwischen zwei und vier Jahren Geräusche den passenden Tieren zuzuordnen, wie es von der Universität heißt. Die Aufgabe werde am Computer im Internetbrowser durchgeführt. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Juli 2020
Berlin – 42 Prozent der Ärzte steht der Möglichkeiten, Gesundheits-Apps zu verschreiben, positiv gegenüber. 48 Prozent sind zumindest „teilweise offen“ dafür. Allerdings fühlen sich 56 Prozent
Ärzte wünschen sich mehr Transparenz bei Gesundheits-Apps
13. Juli 2020
Berlin – Die mangelnde Digitalisierung im Berliner Gesundheitswesen wirkt sich auf die seit Mitte Juni verfügbare Corona-Warn-App aus. Nach wie vor funktioniert die digitale Verbindung zwischen der
Corona-Warn-App noch nicht mit Gesundheitsämtern und Laboren verbunden
6. Juli 2020
Berlin – Die deutsche Corona-Warn-App hat nach knapp drei Wochen die Schwelle von 15 Millionen Downloads erreicht. Das teilte das Robert Koch-Institut auf Twitter mit. Die App soll helfen,
Corona-Warn-App erreicht 15 Millionen Downloads
1. Juli 2020
Berlin – Die Coronakrise hat telemedizinische Anwendungen verstärkt in den Blick gerückt. Auch in der Suchttherapie gewinnen Möglichkeiten der kontaktlosen Behandlung zunehmend an Bedeutung, wenn auch
Suchtmedizin: Kontaktlos die Therapietreue erfassen
26. Juni 2020
Oxford/Berlin – Die Menschen in Deutschland sollten trotz des erfolgreichen Starts der Corona-Warn-App bei ihren Vorsichtsmaßnahmen gegen die Pandemie nicht nachlassen – darauf hat die renommierte
Oxford-Forscherin: Gefahr trotz Erfolg der Corona-App nicht vorbei
24. Juni 2020
Berlin – Acht Tage nach Veröffentlichung der deutschen Corona-Warn-App hat die Anwendung erstmals Nutzer vor einer möglichen „Risikobegegnung“ gewarnt. In der vergangenen Nacht wurden laut den
Corona-Warn-App sendet erste Hinweise an Nutzer
23. Juni 2020
Berlin – Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) rechnet damit, dass die Corona-Warn-App noch vor der Hauptreisezeit auch in anderen Ländern nutzbar sein wird. „Wir denken, dass wir zum Beispiel
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER