Medizin
Weitere COVID-19-Studie in der Kritik
Montag, 22. Juni 2020
Standford – Nachdem in den letzten Wochen 2 Studien zu COVID-19 von den Fachzeitschriften zurückgezogen wurden, ist erneut eine Publikation in die Kritik geraten.
Eine in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Studie zum Nutzen eines Mund-Nasen-Schutzes weise erhebliche Schwächen auf und sollte zurückgezogen werden, fordert eine Gruppe von Wissenschaftlern in einem offenen Brief an die Fachzeitschrift.
Renyi Zhang von der Texas A&M University war zusammen mit 2 Kollegen, darunter der Nobelpreisträger Mario Molina (Chemie 1995 für Forschung zur Zerstörung der Ozonschicht), zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mund-Nasen-Schutz eine größere Wirkung erziele als das Social Distancing. Zum Beleg hatten die Forscher die Entwicklung der Erkrankungszahlen in Italien und in den USA verglichen.
In Italien und in New York war es nach der Darstellung der Forscher nach der Einführung der Maskenpflicht zu einem Rückgang der täglichen Neuerkrankungen gekommen, während die Fallzahlen im Rest der USA ohne Maskenpflicht weiter ansteigen.
Die Forscher hatten daraus geschlossen, dass das Tragen von Masken die wichtigste Maßnahme zur Eindämmung der Epidemie ist – was auch in China und anderen ostasiatischen Ländern eine herrschende Meinung ist. Die in den USA implementierte soziale Distanzierung würde allein nicht ausreichen, um die Öffentlichkeit zu schützen, hatten die Forscher geschrieben.
Die Kritiker um Noah Haber vom Meta-Research Innovation Center an der Stanford University widersprechen der Ansicht des Forschertrios nicht. Das Tragen von Masken spiele eine wichtige Rolle bei der Verlangsamung der Verbreitung von COVID-19, schreiben sie, doch die Beweisführung in der Studie würde auf leicht zu widerlegenden Behauptungen und methodischen Fehlern beruhen.
Zu den falschen Behauptungen zähle etwa, dass die Maskenpflicht in New York ab dem 17. April der einzige Unterschied bei den Regulierungsmaßnahmen zwischen der Metropole und dem Rest der Vereinigten Staaten gewesen sei. Dies sei ebenso falsch wie die Behauptung, dass New York die einzige Stadt des Landes gewesen sei, in der die Bevölkerung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet wurde.
Zu den methodischen Fehlern gehört laut Haber und Mitarbeitern, dass eine zeitliche Verzögerung zwischen den Maßnahmen (Maskenpflicht) und der Wirkung (Änderungen der gemeldeten Fallzahlen) ignoriert werden. Die Anordnungen würden mit einer Veränderung im Verhalten der Bevölkerung gleich gesetzt, was in der Realität nicht zu erwarten sei.
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Die Forscher hätten zudem weitere im Untersuchungszeitraum angeordnete Veränderungen ignoriert. Außerdem sei es falsch, die Situationen in Wuhan, Italien und den USA zu vergleichen, ohne die erheblichen Unterschiede in der Demografie, der Politik und dem Kontaktverhalten der Bevölkerung zu berücksichtigen.
Die Kritiker vermissen auch Angaben zu den statistischen Unsicherheiten in den Berechnungen. Insgesamt erfülle die Studie damit nicht die notwendigen wissenschaftlichen Standards. Haber und Mitarbeiter fordern die Herausgeber der PNAS deshalb auf, die Studie zurückzuziehen.
Sie äußern auch grundsätzliche Kritik an den Auswahlkriterien des Journals. Sie erlaubt den Mitgliedern der National Academy of Sciences jedes Jahr 2 Publikationen, die einem abgeschwächten „offenen“ Review durch namentlich genannte Gutachter unterliegen. Das könnte eine Schwäche sein, da sich die Mitglieder der Akademie, die auf Lebenszeit gewählt werden, untereinander kennen und schätzen. © rme/aerzteblatt.de
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Die nicht standardisierte Alltagsmaske aus Stoff (erlaubt ist alles vom dünnen Schaltuch bis zur dreilagigen Maske) ist einfach nur ein schmuddeliges Ärgernis, zu dessen Tragen niemand gezwungen werden sollte.









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