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Politik

Mutmaßlicher Arzt des syrischen Geheimdiensts in Hessen festgenommen

Montag, 22. Juni 2020

/picture alliance, Sebastian Gollnow

Karlsruhe – Die Bundesanwaltschaft hat einen in Deutschland als Arzt tätigen Mann fest­nehmen lassen, der in einem syrischen Militärgefängnis einen Gefangenen gefoltert ha­ben soll.

Dem mutmaßlichen Mitarbeiter des syrischen militärischen Geheimdiensts wird ein Ver­brechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt, wie die Behörde heute in Karlsruhe mitteilte. Der Syrer Alaa M. wurde demnach am vergangenen Freitagabend durch Beamte des Bundeskriminalamts in Hessen festgenommen.

Er soll im Jahr 2011 als Arzt in einem Gefängnis des syrischen militärischen Geheim­diens­ts in der Stadt Homs tätig gewesen sein und dort zumindest in zwei Fällen einen Inhaftierten gefoltert haben. Laut den Ermittlungen schlug und trat er einen Gefangenen, der nach einer „Foltersitzung“ einen epileptischen Anfall hatte.

Kurz darauf soll er den Mann, der wegen der Teilnahme an einer Demonstration festge­hal­ten wurde, zusammen mit einem weiteren Arzt erneut geschlagen haben. Dieser verlor das Bewusstsein und starb später. Die Todesursache sei aber unklar, erklärte die Bundes­anwaltschaft.

Der jetzt festgenommene M. verließ Syrien Mitte 2015 und reiste nach Deutschland. Er praktizierte in Deutschland als Arzt. Der Spiegel berichtete bereits Mitte Mai über die Er­mittlungen der Bundesanwaltschaft. Der Arzt wies demnach über seinen Anwalt alle Vor­würfe zurück.

Die Bundesanwaltschaft geht hart gegen mutmaßliche Verbrechen in Syrien vor. Vor dem Oberlandesgericht Koblenz muss sich seit Mitte Mai im weltweit ersten Prozess um Mord und Folter durch den syrischen Staat ein Angeklagter wegen 58-fachen Mordes sowie Ver­brechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ebenfalls zurück. © afp/aerzteblatt.de

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