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Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer für Krisenpuffer bei Krankenhaus­kapazitäten

Montag, 22. Juni 2020

/picture alliance, Roland Weihrauch

Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, befürwortet ange­sichts der Coronapandemie einen dauerhaften Krisenpuffer bei den Krankenhäusern in Deutschland. Diese seien „keine Unternehmen, in denen man wie in einem produzieren­den Betrieb nur die Auslastung optimiert“, sagte er.

„Wir müssen immer einen gewissen Überhang an Kapazitäten vorhalten und natürlich auch finanzieren, um auf Krisen angemessen reagieren zu können.“ Es sei wie bei der Feuerwehr: „Sie kostet Geld, auch wenn sie nicht im Einsatz ist. Aber wenn es brennt, ist sie schnell da.“

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Reinhardt zufolge funktioniert das Gesundheitssystem in der aktuellen Krise „ausgespro­chen gut.“ Das gelte für die ambulante Versorgung wie für die Kliniken. „Deshalb darf es auf keinen Fall einen Abbau von Kapazitäten oder Personal geben.“ Wenn es medizinisch sinnvoll sei, könnten auch Standorte zusammengelegt werden – etwa um Arbeitsdruck zu mindern und Freiräume für Investitionen zu schaffen.

„Es geht nicht darum, die klinische Versorgung in der Fläche und in ländlichen Regionen auszudünnen. Aber wenn es in Ballungszentren eine große Zahl an Klinikstandorten gibt, finde ich eine Debatte über sinnvolle Zusammenlegungen auch nach Corona ange­mess­en“, so Reinhardt.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sagte den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft heute: „Unsere hohe Zahl an Intensivbetten hat sich bewährt.“ In der Krise habe sich gezeigt, „dass wir gute Konzepte für die regionale Versorgung brau­chen, gerade bei den Krankenhäusern“.

„Es muss Maximalversorger geben mit klar definierten Aufgaben, auch für den Fall einer Pandemie, und drumherum in der Fläche ein aufeinander abgestimmtes Angebot. Es kann nicht mehr jedes Krankenhaus alles machen“, so der CDU-Politiker.

Reinhardt sagte, auch bei der Finanzierung gebe es Handlungsbedarf. Geld für dringend nötige Investitionen der Krankenhäuser solle ja von den Ländern kommen. „In den ver­gan­genen Jahren war dies aber völlig unzureichend der Fall, so dass viele gute Kliniken gar nicht in der Lage sind, vernünftig zu arbeiten.“

Sie seien darauf angewiesen, Investi­tio­nen aus den Pauschalen für die Krankenversor­gung zu zahlen, die eigentlich zur De­ckung der Betriebskosten gedacht sind. Die Folge seien immer mehr Kostensenkungen und Personalausdünnung. „Das geht nicht mehr lan­ge gut, daran muss sich dringend etwas ändern.“

Der BÄK-Präsident begrüßte es, Kliniken nun wieder stärker auf die normale Versorgung auszurichten. „Man kann davon ausgehen, dass ein gewisser Behandlungsstau entstan­den ist.“ Die übrige Versorgung sei sehr drastisch zurückgefahren worden.

„Wir hatten zu allen Zeiten der Pandemie in Deutschland immer deutlich mehr als 10.000 Intensivbetten in den Kliniken frei.“ Die Zahl von Patienten mit Schlaganfällen und Herz­infarkten in den Krankenhäusern sei aber teils um bis zu 30 Prozent rückläufig gewesen.

„Wir müssen befürchten, dass eine Reihe von Menschen offensichtlich bei leichterem Krankheitsverlauf aus Angst vor einer Coronainfektion zu Hause geblieben ist“, so Rein­hardt.

Menschen mit anderen Erkrankungen hätten den gleichen Anspruch, versorgt zu werden, wie COVID-19-Patienten. „Deswegen ist es wichtig, jetzt wieder ein Gleichgewicht in der Versorgung herzustellen und Patienten zu ermuntern, tatsächlich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

In seiner Hausarztpraxis gebe es wieder deutlich mehr persönliche Patientenkontakte, berichtete Reinhard. „Es gelten natürlich weiter Abstandsregeln. Die Schlange vor dem Tresen reicht gelegentlich bis vor die Praxis. Das ist aber alles erträglich, wenn man es mit solchen Sicherheitsmaßnahmen schafft, Ansteckungsrisiken zu verhindern. Es ist ein wenig komplizierter geworden, aber machbar.“ © dpa/aerzteblatt.de

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