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Ausland

Weltbildungsbericht: Millionen Kinder werden ausgegrenzt

Dienstag, 23. Juni 2020

/picture alliance, Marwan Naamani

Bonn – Der aktuelle Weltbildungsbericht warnt vor dem Ausschluss von Millionen Kin­dern und Jugendlichen aus den Bildungssystemen in aller Welt. Mehr als eine viertel Milliarde Kinder und Jugendliche haben keinen Zugang zu Bildung, wie es in dem heute vorgelegten Bericht der Weltkulturorganisation Unesco mit dem Titel „Inklusion und Bildung: Für alle heißt für alle“ heißt.

Dies entspreche etwa jedem sechsten Heranwachsenden. Millionen andere würden auf­grund ihrer Herkunft, Identität oder einer Behinderung innerhalb des Bildungssystems ausgegrenzt, kritisieren die Autoren des Berichts.

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Im Weltvergleich ist Armut dem Bericht zufolge weiterhin die entscheidende Hürde für Bildungserfolg. In allen Ländern außer den einkommensstarken Staaten Europas und Nordamerikas schließen im Verhältnis zu 100 Jugendlichen aus den wohlhabendsten Haushalten nur 18 aus den ärmsten die Sekundarschule ab.

Generell besuchen in ärmeren Ländern meist deutlich weniger Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen weiterführende Schulen als solche aus wohlha­benden Familien.

Auch Minderheiten und Geflüchteten werde der Zugang zu hochwertiger Bildung in vie­len Ländern noch immer nicht hinreichend gewährt, kritisieren die Autoren. Zudem sei in jedem vierten Land weltweit die getrennte Bildung von Kindern mit und ohne Behin­de­rung gesetzlich vorgeschrieben. In Asien, Lateinamerika und der Karibik existierten sogar in mehr als 40 Prozent der Staaten entsprechende Regelungen.

In mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern lernen Kinder der Roma-Minderheit dem Bericht zufolge getrennt von der Mehrheitsgesellschaft. In den entwickelten OECD-Staaten besuchen demnach mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund Schulen, an denen mindestens die Hälfte der Schüler ebenfalls eine Zuwanderungsgeschichte hat.

Die Autoren empfehlen unter anderem, die Umsetzung von gerechter Teilhabe für alle bereits bei der Ausbildung von Lehrkräften als Kernelement zu behandeln. Auch Vielfalt innerhalb des Bildungspersonals selbst fördere Inklusion, heißt es.

Zentrale Empfehlung sei, dass alle Bildungsakteure ihr Verständnis von inklusiver Bildung erweiterten, schreibt Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay im Vorwort zum Bericht.

So sollten alle Lernenden – unabhängig von Identität, Hintergrund oder Fähigkeiten – einbezogen werden. 2018 berichtete laut Unesco etwa ein Drittel der Lehrkräfte in wohl­habenderen Ländern, dass sie ihren Unterricht nicht an die kulturelle Vielfalt von Schü­lern anpassten.

Die derzeitige Coronakrise werde die verschiedenen Formen der Exklusion weiter verste­ti­gen, warnt Azoulay. Vergangene Erfahrungen hätten gezeigt, dass Gesundheits­krisen vie­le Menschen zurücklassen könnten. Insbesondere die ärmsten Mädchen seien betroff­en, viele würden vielleicht nie wieder in die Schule zurückkehren.

Nach den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen sollen bis 2030 alle Menschen auf der Welt in den Genuss hochwertiger Bildung kommen. Mit ihrem Bericht prüft die Unesco jährlich, wie weit sich die Menschheit diesem Ziel genähert hat. © kna/aerzteblatt.de

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