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Zeitarbeiter häufiger krankgeschrieben

Dienstag, 23. Juni 2020

/dpa

Berlin – Zeitarbeiter haben deutlich mehr gesundheitliche Probleme als Arbeitnehmer mit einem regulären Anstellungsverhältnis. Das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) in einem heute vorgestellten Gesundheitsreport.

Zeitarbeitnehmer waren demnach 2019 im Schnitt sechs Tage mehr krankgeschrieben als regulär Beschäftigte – ein Unterschied von rund 40 Prozent. Zwar habe sich das körperli­che Allgemeinbefinden von Zeitarbeitern im Vergleich mit einer ähnlichen Studie vor rund zehn Jahren leicht verbessert, berichteten die Autoren. Die psychische Belastung sei nach Ansicht der Befragten jedoch gestiegen.

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Für die Untersuchung verglichen die Autoren die Daten der rund 72.000 bei der TK versi­cherten Zeitarbeitnehmern mit denen von Arbeitnehmern in anderweitigen Anstellungs­verhältnissen.

Zusätzlich ließ die Krankenkasse bereits 2019 mehr als 1.400 TK-Versicherte in Zeitarbeit durch das Institut für betriebliche Gesundheitsberatung interviewen, das die Antworten mit denen einer Gruppe regulärer Arbeitnehmer sowie mit Daten aus der zurückliegenden Vergleichsstudie abglich.

Ursache für die höhere Zahl an Fehltagen sei unter anderem die starke körperliche Belas­tung der Arbeitnehmer in den für Zeitarbeit relevantesten Bereichen Lager, Logistik und Transport.

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems seien bei Zeitarbeitern der häufigste Grund für Fehltage. Auch im direkten Vergleich von Zeitarbeitern in körperlich anstrengenden Beru­fen mit regulär Beschäftigten in diesen Branchen, waren Zeitarbeiter etwa 16 Prozent län­ger krankgeschrieben.

Zudem bekamen in Zeitarbeit Beschäftigte deutlich häufiger Psychopharmaka verordnet. Laut Bericht waren es mit 21,3 Tagesdosen pro Kopf rund 23 Prozent mehr als bei regulär Beschäftigten, die pro Kopf 17,3 Tagesdosen erhielten. Diese Zahlen deckten sich mit den Ergebnissen der Interviews.

Knapp 26 Prozent der befragten Zeitarbeiter bewerteten ihr psychisches Allgemeinbefin­den laut Bericht als weniger gut oder schlecht. Bei der älteren Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 waren es noch knapp 21 Prozent. Belastung und Unzufriedenheit waren laut Report bei den Befragten am höchsten, die 2019 einen oder mehrere Einsatzortwechsel erlebt hatten sowie bei denjenigen, die nach eigenen Angaben unfreiwillig Zeitarbeit leisteten.

Die gute Nachricht sei, dass es den Zeitarbeitern in Deutschland insgesamt besser zu gehen scheine als noch vor zehn Jahren, erklärte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. So gaben immerhin 56 Prozent der Befragten an, mit ihrer Arbeitssituation zufrieden zu sein. 2008 gaben nur knapp 45 Prozent diese Antwort.

Dazu hätten auch Verbesserungen bei der Entlohnung beigetragen. „Zeitarbeiter haben ein Anrecht auf gleiches Lohniveau nach neun Monaten wie regulär Beschäftigte im Ein­satzbetrieb“, so Baas. Einigen Politikern geht diese Regelung allerdings nicht weit genug.

„Leiharbeitskräfte dürfen nicht weiter Beschäftigte zweiter Klasse sein. In der Leihar­beits­branche muss endlich gleicher Lohn für gleiche Arbeit ab dem ersten Tag gelten. Die Leih­arbeitskräfte haben nicht nur Wertschätzung, sondern auch gute und gesunde Ar­beits­bedingungen verdient“, kommentierte etwa Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik der Grünen-Fraktion im Bundes­tag, den TK-Bericht.

Bei den Arbeitsbedingungen gebe es noch deutlichen Verbesserungsbedarf, bestätigte Baas. Zeitarbeiter seien nach wie vor vielen Belastungen ausgesetzt − beispielsweise eine schlechte Arbeitshaltung, Lärm, lange Bildschirmarbeitszeit sowie lange Fahrzeiten zum Arbeitsplatz. „Allerdings ist es mit einem neuen Schreibtischstuhl nicht getan, es geht um die Integration der Zeitarbeiter in einen Betrieb“, so Baas.

Viele litten etwa unter fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten, fehlendem Meinungsaus­tausch und Feedback von Vorgesetzten. Diese Faktoren würden zunehmend wichtig, da sich aus den Ergebnissen des Reports auch ein Wandel in der demographischen Struktur der Zeitarbeiter ablesen lässt. So gab es deutliche Zuwächse bei Zeitarbeitnehmern mit akademischen Abschlüssen. Ihr Anteil stieg von knapp 15 Prozent im Jahr 2008 auf knapp 22 Prozent im Jahr 2019.

Den höchsten prozentualen Zuwachs an Zeitarbeitskräften gab es laut TK bei Ärzten, Krankenschwestern, -pflegern und Hebammen sowie Sozialarbeitern. Auch im Bereich Geschäftsleitung arbeiteten 2019 laut Report 87 Prozent mehr Arbeitnehmer in Zeitarbeit als noch 2008. „Klassische Zeitarbeitsberufe im Lager- und Transportwesen führen die Liste zwar nach wie vor an, aber mit abnehmender Tendenz“, ergänzte Baas. © alir/aerzteblatt.de

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