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Ärzteschaft

KV Bayerns mahnt höhere Vergütung von Hausbesuchen an

Dienstag, 23. Juni 2020

/dpa

München – Eine höhere Vergütung von Hausbesuchen mahnt die Kassenärztliche Ver­einigung (KV) Bayerns an. Laut dem Vorstand der KV ist die Blockadehaltung der Kran­kenkassen „kontraproduktiv für eine gute ambulante Versorgung der Bevölkerung“.

„Es ist eine Zumutung, dass die niedergelassenen Haus- und Fachärzte weiterhin mit durchschnittlich 23 Euro für einen Hausbesuch abgespeist werden sollen“, erklärte der Vorstand der KV – Wolfgang Krombholz, Pedro Schmelz und Claudia Ritter-Rupp.

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Seit Monaten versuchten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die KVen auf Landesebene mit den Krankenkassen eine angemessene Honorierung der Hausbesuche zu verhandeln.

Doch die Kassenseite verweigert sich laut der KV Bayerns allen Vorschläg­en. Die Diskus­si­on darüber sei jetzt auch im Erweiterten Bewertungsausschuss mit dem Verweis auf die hohen Kosten durch die Coronakrise unterbunden worden.

„Jeder weiß, mit wie viel Engagement und persönlichem Einsatz die niedergelassenen Haus- und Fachärzte dazu beigetragen haben, die Zahl der Neuinfektionen mit dem Co­ronavirus möglichst gering zu halten“, erklärte der KV-Vorstand.

Dafür hätten sie eigentlich eine Belohnung verdient und keinesfalls eine Nicht-Beach­tung ihrer berechtigten Forderung nach einer besseren Vergütung der medizinisch not­wendigen Hausbesuche.

Im Zuge der Ende 2019 zwischen KBV und Krankenkassen verhandelten Reform des Ein­heitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) war die Frage nach einer höheren Vergü­tung von Hausbesuchen zunächst verschoben worden.

Verschiedene KV-Vertreter und die KBV kritisierten auf der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 12. Juni die ablehnende Haltung der Kassen scharf. Die Ärzte würden offenbar, kaum schei­ne die Coronakrise bewältigt, wieder als die „Sparschweine“ der gesetzlichen Kran­kenversicherung (GKV) entdeckt, sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hof­meister.

„Das Signal, das die Verantwortlichen aussenden, ist fatal und bestens geeignet, prekäre Versorgungsstrukturen, zum Beispiel auf dem Land, weiter zu verschärfen“, warnte Jörg Berling aus dem Vorstand der KV Niedersachsen bei der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 20:11

Betriebswirtschaftliche Berechnungen?

Abrechnung von Haus-, Altenheim bzw. Pflegeheimbesuchen
"...Für Hausbesuche bei Patienten der eigenen Praxis nach den GOP 01410, 01411, 01412 und 01415 kann bei bestätigter COVID-19-Infektion oder stark ausgeprägter Symptomatik auf eine derartige Infektion zusätzlich die GOP 92245 abgerechnet werden.
Zu beachten sind hier auch die regulären Kriterien für einen Besuch.
Die GOP 92245 bildet die zusätzlichen Kostenaufwände für die Behandlung von COVID-19-Infizierten mit 25 Euro ab und kann nur einmal pro Besuch abgerechnet werden, unabhängig davon, wie viele Patienten versorgt werden.
Zusätzlich wird weiterhin die reguläre EBM-Vergütung gezahlt.
In jedem Fall ist zusätzlich die GOP 88240 anzusetzen..."
https://www.kvno.de/downloads/honorar/merkblatt_corona_abrechnung.pdf

Wie hoch werden die Ziffern bewertet?

Institut für Gesundheitsökonomik: Analyse der Einkommenssituation der Vertragsärzte und der vertragsärztlichen Vergütung in Bayern, September 2015
"...Unter Berücksichtigung des Ziels einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen
Versorgung ist es notwendig, dass die Vertragsärzte, die in einer ländlichen
Einzelpraxis in Bayern in Vollzeit GKV-Patienten behandeln und damit die
Grundversorgung dieser Patienten übernehmen, einen GKV-Honorarumsatz in der
jeweils genannten Spanne erreichen können. Wenn dies für bestehende
Versorgerpraxen auf dem Land nicht möglich ist, können diese Praxen mittel- und
langfristig dem medizinisch-technischen Fortschritt nicht mehr folgen, da keine
ausreichenden Investitionen getätigt werden können. Darüber hinaus werden
Praxisübernahmen und Neugründungen, die in ländlichen Gebieten zukünftig für die
Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung der dortigen Bevölkerung
notwendig werden, bei einem erzielbaren Honorarvolumen, welches das SOLLHonorarvolumen
unterschreitet, weiter an Attraktivität verlieren.
Daher ist es angezeigt, die ärztliche freiberufliche Tätigkeit auch als
unternehmerische Tätigkeit anzuerkennen, die als Teil sowohl der städtischen als
auch der ländlichen Infrastruktur zu sehen ist. Eine Abwertung des Berufs des
niedergelassenen Arztes gegenüber anderen Berufsgruppen durch unangemessen
niedrige Arzteinkommen sowie die ungenügende Berücksichtigung der Kosten des
technischen Anteils medizinischer Leistungen wird hingegen die Situation der
medizinischen Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten weiter verschlechtern. In
einem nächsten Schritt der Analyse wird deshalb untersucht, ob es mit den in Bayern
gezahlten GKV-Honoraren möglich ist, das notwendige SOLL-Honorarvolumen zu
erreichen bzw. in welcher Höhe Deckungslücken bestehen (siehe Module 2 bis 4 des
Gutachtens). Hierzu müssen auch Honorare aus privatärztlicher Tätigkeit in die
Analyse einbezogen werden, da diese in der Regel höher ausfallen und somit für
eine kostendeckende Praxisführung zunehmend erforderlich sind...." S122-123
https://www.bvnf.de/fileadmin/user_upload/IfG-KVB-Gutachten_KVB-Modul-1gesamt.pdf
Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 14:02

Hanebüchene Kenntnis bzgl. SGB V bei Spitzenfunktionären!

Empfehlenswert wäre die eingehende Lektüre von § 85 "Gesamtvergütung", was die Zahlungen der Krankenkassen angeht:
"Die Krankenkasse entrichtet nach Maßgabe der Gesamtverträge an die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung mit befreiender Wirkung eine Gesamtvergütung für die gesamte vertragsärztliche Versorgung der Mitglieder mit Wohnort im Bezirk der Kassenärztlichen Vereinigung einschließlich der mitversicherten Familienangehörigen."

Die Honorarverteilungsmassstäbe liessen sich ja möglicherweise ändern ... wobei sich die Ärzteschaft gerne untereinander darum "balgt", wem denn die grössere Bedeutung zukommt!
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 13:10

Liebe KV(B) und KBV, denkt einfach mal mit:

Ihr stellt fest, dass Hausbesuche nicht angemessen honoriert werden. Der KBV-Vorstand Hofmeister nennt das Hausbesuchshonorar „absolut defizitäres Geschäft für den Arzt“.

Was passiert üblicherweise, wenn ein Anbieter eine Leistung defizitär anbietet? Entweder verdient er an anderer Stelle so viel, dass er es sich leisten kann und aus bestimmten Gründen auch leisten will. Dann können die Hausärzte weiter schlafen.
Oder der Anbieter kann bzw. will diese defizitäre Leistung nicht aus anderen Einnahmen quersubventionieren. Dann bleibt ihm nur eines übrig: Diese Leistung nicht mehr bzw. nur noch in absolut notwendigen Fällen zu erbringen.

Verringert sich die Zahl der Hausbesuche und es juckt weder die Patienten noch beschweren sich die Kassen, ist alles gut. Der Hausarzt ersetzt Hausbesuche durch Sprechstunde und gut ist.
Beschweren sich die Patienten und verlangen die Kassen mehr Hausbesuche, kann man das Gespräch über eine angemessene Honorierung wieder aufnehmen.

Jede andere Strategie scheitert.
LNS

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