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Politik

Keine Diskriminierung Übergewichtiger im Gesundheitswesen

Dienstag, 23. Juni 2020

/Jürgen Fälchle, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland sind Menschen aus niedrigen sozialen Statusgruppen deutlich häufiger von starkem Übergewicht betroffen als solche aus höheren sozialen Status­gruppen. Das schreibt die Bundesregierung in einer heute veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag. Zugleich sieht die Regierung keine Stig­matisierung oder Diskriminierung übergewichtiger Menschen im Gesundheitswesen.

Niedrige Bildungsstände gingen häufiger mit einer unzureichenden Gesundheitskompe­tenz einher, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Zudem sei eine sozial benach­teiligte Lage häufig mit psychosozialen Risikofaktoren wie Stress assoziiert, die adiposi­tasfördernde Verhaltensweisen begünstigen könnten.

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Studienergebnisse zeigten, dass sich Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozial­öko­­no­mischen Status häufiger als Gleichaltrige aus sozial bessergestellten Familien ungesund ernährten, seltener Sport trieben oder sich bewegten und häufiger überge­wichtig seien, schreibt die Bundesregierung weiter. Nichtsdestoweniger hätten alle Versicherten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung Anspruch auf die gleichen, umfassenden Leistungen.

„Der Anspruch auf gesundheitliche Behandlung besteht unabhängig von gesundheit­li­chen Risiken und Vorerkrankungen und selbstverständlich auch unabhängig vom Körper­gewicht. Bei Vorliegen krankhafter Übergewichtigkeit besteht ein Anspruch auf Kranken­behandlung“, so die Antwort der Regierung. © kna/aerzteblatt.de

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Tannam
am Dienstag, 23. Juni 2020, 21:03

Keine Diskriminierung???

Sicher, als übergewichtiger Patient hat man rechtlich Anspruch auf die gleichen Leistungen wie ein normalgewichtiger. Diskriminiert wird er aber dennoch. Wenn ein Patient mit starkem Übergewicht zum Arzt geht, egal, ob mit Rückenschmerzen, Hautproblemen, Infektanfälligkeit oder was auch immer, muss er in ca. 80 % der Fälle mit abfälligen Bemerkungen rechnen wie "Sie können sich ja wohl denken, dass sich keiner darum schlagen wird, Sie (am Knie!) zu operieren!", "Ich verordne Ihnen keine Heilmittel. Nehmen Sie erstmal 30 kg ab, dann haben Sie auch keine Rückenschmerzen mehr", bis hin zu "Tja, erst wenn den pistösen Frauen die Männer weg laufen, dann sehen sie es endlich ein und wollen das Fett los werden" rechnen.
Außerdem gibt es eine ganz klare Ungleichbehandlung, z.B. im Vergleich zwischen Binge Eating Disorder- und Anorexie-Patientinnen. Anorektische Patientinnen werden eher bemitleidet und erhalten eine wesentlich intensivere Behandlung, während bei BED-Patientinnen unterstellt wird, dass sie einfach nur mal ein bisschen Selbstdisziplin an den Tag legen müssen. Die Akzeptanz von krankhaftem Übergewicht wie bei BED als Erkrankung ist noch äußerst dürftig!
LNS

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