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Medizin

SARS-CoV-2: Herdenimmunität könnte niedriger sein als angenommen

Mittwoch, 24. Juni 2020

/Ahmad, stock.adobe.com

Nottingham – Die Herdenimmunität, die eine SARS-CoV-2-Epidemie auch ohne gesellschaftliche Einschränkungen verhindern würde, könnte nach Berechnungen von Mathematikern in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abc6810) geringer sein als bisher angenommen.

Bisher gehen Epidemiologen davon aus, dass mindestens 60 % der Bevölkerung – entweder durch Erkrankungen oder in Zukunft vielleicht durch eine Impfung – immun sein müssen, um eine erneute Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass alle Gruppen in der Gesellschaft gleichermaßen immun sind, wie dies nach einer allgemeinen Impfung zu erwarten wäre.

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In der derzeitigen SARS-Epidemie beruht die Immunität allein auf überstandenen Infek­tionen, die in den verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich häufig auftreten. Auch die Aktivität der Menschen, sprich die Zahl der Kontakte, muss bei der Herden­immunität berücksichtigt werden.

Ein Team von Mathematikern um Frank Ball von der Universität Nottingham hat die beiden Faktoren Alter und Aktivität in ihre Berechnungen der Herdenimmunität einfließen lassen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass unter der Annahme einer Reproduktionszahl R0 von 2,5 – jeder Infizierte steckt im Durchschnitt 2 bis 3 Personen an – eine Herdenimmunität erreicht wird, wenn 43 % der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2 haben.

Die Zahl von 43 % sollte jedoch nicht wörtlich genommen werden, schreiben die Forscher. Die Berechnungen sollten eher illustrieren, dass eine Herdenimmunität keine fixe Größe sei, sondern von verschiedenen Faktoren beeinflusst werde.

Der Hauptschriftleiter vom Science Holden Thorp bemerkt in einem Blog, dass eine Herdenimmunität von 43 % bisher nirgendwo erreicht wurde. Eine Untersuchung aus Schweden kam am 1. Mai zu dem Ergebnis, dass sich in der Metropolregion Stockholm 26 % der Bevölkerung infiziert haben könnten.

Für Madrid wurde für Mitte Mai eine Antikörper-Prävalenz von über 10 % angenommen. Nach der Heinsberg-Studie haben sich in der Gemeinde Gangelt im Frühjahr nach einer Karnevalsfeier vermutlich 15,5 % der Einwohner infiziert. © rme/aerzteblatt.de

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