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Medizin

PCO-Syndrom: Studie unterscheidet zwischen reproduktiver und metabolischer Form

Freitag, 10. Juli 2020

/dpa

New York – Das PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom), die häufigste endokrine Erkrankung von Frauen im gebärfähigen Alter, besteht aus (mindestens) 2 unterschiedlichen Varianten, die sich in einer Studie in PLOS Medicine (2020; DOI: 10.1371/journal.pmed.1003132) herauskristallisierten.

Bis zu 15 % aller Frauen entwickeln im Alter zwischen 15 und 50 Jahren eine Reihe von hormonellen gesundheitlichen Störungen, die sich nur schwer zuordnen lassen. Nicht zufällig gibt es für das PCO-Syndrom 2 unterschiedliche Definitionen: Die NIH-Kriterien kombinieren den Labornachweis eines Hyperandrogenismus mit klinischen Hinweisen auf Zyklusstörungen.

Die Rotterdam-Kriterien stellen den Nachweis der charakteristischen Zysten im Ultra­schall in den Mittelpunkt, die mit mindestens 2 der 3 folgenden Schlüsselmerkmale verbunden sein müssen: Zyklusstörungen, Androgenisierung/Hirsutismus und Hyper­andro­genismus.

Die Erkrankung lässt sich nicht allein auf eine gesteigerte Bildung von Androgenen zurückführen. Ein Teil der Frauen leidet unter einer Adipositas und erkrankt infolge einer Insulinresistenz an einem Typ-2-Diabetes. Andere Frauen haben einen normalen Body-Mass-Index und kein erhöhtes Diabetesrisiko.

Ein gemeinsamer Nenner vieler Erkrankungen ist eine starke familiäre Häufung, und die Analyse der genetischen Prädiktoren hat in den letzten Jahren neue Einblicke in die Pathogenese ermöglicht. Ein Team um Andrea Dunaif von den Mount Sinai Hospitals in New York hat im letzten Jahr genetische Varianten in dem Gen DENND1A mit der Erkrankung in Verbindung gebracht (JCEM 2019; DOI: 10.1210/jc.2018-02496).

Das Gen enthält die Information für das „DENN domain-containing protein 1A“, das vermutlich eine Schlüsselrolle bei der Androgenbiosynthese in den Theka-Zellen des Ovars spielt, die beim PCO-Syndrom vermehrt aktiv sind.

Jetzt haben die Forscher in einer Cluster-Analyse die Symptome von 893 Patientinnen 2 verschiedenen Verlaufsformen zugeordnet und diese Varianten dann in einer genom-weiten Assoziationsstudie (GWAS) mit bestimmten Genvarianten in Verbindung gebracht.

Nach der Cluster-Analyse lässt sich ein reproduktiver Subtyp des PCO-Syndroms von einem metabolischen Subtyp abgrenzen. Der reproduktive Subtyp mit einem Anteil von etwa 23 % ist gekennzeichnet durch erhöhte Serumspiegel des luteinisierenden Hormons (LH) und des Sexualhormon-bindenden-Globulins (SHBG).

LH ist ein Hypophysenhormon, das die Funktion der Ovarien reguliert. SHBG ist ein Transportprotein für Östrogene und Androgene. Patientinnen mit dem reproduktiven Subtyp haben häufig einen normalen Body-Mass-Index (BMI) und niedrige Insulinspiegel.

Die beiden Subtypen waren in der GWAS mit verschiedenen Genvarianten assoziiert. Patienten mit dem reproduktiven Typ hatten häufiger Verbindungen zu Varianten in den Genen PRDM2/KAZN, BMPR1B/UNC5C und CDH10.

Auch die seltenen Varianten im DENND1A-Gen scheinen eher zur Entwicklung des reproduktiven Typs zu führen. Der metabolische Subtyp hatte dagegen eine Verbindung zum Gen KCNH7/FIGN.

Die Forscher haben 73 Familien untersucht, in denen mehrere Frauen an einem PCO-Syndrom erkrankt waren. Sie fanden Hinweise, dass in den einzelnen Familien jeweils die gleichen Subtypen auftraten.

Die 60 % der Frauen, deren Symptome sich weder dem reproduktiven noch dem metabolischen Subtyp zuordnen lassen, konnten ebenfalls Genvarianten zugeordnet werden, die mit einem PCO-Syndrom assoziiert waren. Dies deutet darauf hin, dass es sich um eine dritte Verlaufsform handelt. © rme/aerzteblatt.de

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