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Politik

Zehntausende Mädchen und Frauen in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen

Donnerstag, 25. Juni 2020

Franziska Giffey (SPD, r), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Faduma Korn, 1. Vorsitzende von „NALA e.V. Bildung statt Beschneidung“ zeigen im Ministerium ein Plakat einer Unterschriftensammlung gegen Genitalverstümmelung. /picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Zehntausende Mädchen und Frauen sind in Deutschland von Genitalverstümme­lung betroffen. Laut einer neuen Untersuchung, die Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) in Berlin vorstellte, mussten fast 68.000 Frauen hierzulande eine solche Men­schenrechtsverletzung erleiden. Zwischen etwa 3.000 und knapp 15.000 in Deutsch­land lebenden Mädchen droht demnach das gleiche Schicksal.

Im Vergleich zu 2017 stieg demnach die Zahl der betroffenen Frauen hierzulande um 44 Prozent. Bei den von Genitalverstümmelung bedrohten Minderjährigen gab das Familien­ministerium die Steigerung mit 162 Prozent an. Allerdings gebe es hohe Unsicherheiten und Dunkelziffern, räumte Giffey ein.

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„Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine archaische Straftat, die Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf körperliche Unversehrt­heit und sexuelle Selbstbestimmung verletzt“, sagte die Ministerin. „Sie hat lebenslange physische und psychische Folgen für die Betroffenen.“ Ihr Ziel sei es, „Mädchen und junge Frauen davor zu schützen und ihnen Hilfe anzubieten“.

Die deutliche Steigerung der Zahl der betroffenen und gefährdeten Frauen und Mädchen sei darauf zurückzuführen, dass mehr Menschen aus Herkunftsländern, in denen weib­li­che Genitalverstümmelung praktiziert wird, nach Deutschland gekommen sind. Genannt wurden vor allem Eritrea, Somalia, Indonesien, Ägypten und Nigeria.

Die große Spannbreite bei als bedroht eingeschätzten Mädchen liegt Giffey zufolge an un­terschiedlichen Annahmen, in welchem Ausmaß Traditionen aus den Herkunftsländern auch bei in zweiter Generation in Deutschland lebenden Menschen weitergeführt wer­den.

Um weitere Genitalverstümmelungen zu verhindern, arbeitet das Familienministerium laut Giffey mit Nichtregierungsorganisationen wie „NALA – Bildung statt Beschneidung“ zusammen. Diese von Menschen mit Migrationshintergrund getragenen Organisationen „schaffen es, Aufklärung und präventive Maßnahmen in die jeweiligen Communities hineinzubringen“, betonte die Ministerin.

Sie verwies aber auch auf staatliche Hilfsangebote, etwa im Rahmen des bundesweiten Hilfstelefons „Gewalt gegen Frauen“. Zudem sei die Ausbildung von Hebammen durch eine eigene Sensibilisierung für das Problem der Genitalverstümmelung ergänzt worden. Als weitere Ansatzpunkte nannte Giffey die Zusammenarbeit mit Ärzten und Lehrern.

„Unsere Arbeit ist die Prävention“, sagte die Nala-Vorsitzende Fadumo Korn, die Giffey eine Petition mit rund 125.000 Unterschriften gegen Genitalverstümmelung übergab. „Wir stärken Mütter, ihre Kinder zu beschützen“, betonte Korn, die als Kind in Somalia selbst Opfer von Genitalverstümmelung wurde und davon bleibende Gesundheitsschäden da­vongetragen hat. „Wir müssen mit den Familien zusammensitzen und Klartext reden“, sagte sie weiter.

Giffey verwies zudem auf die Strafbarkeit von Genitalverstümmelung in Deutschland. Die Strafandrohung greife auch dann, wenn die Tat, wie es häufig der Fall sei, bei Reisen in die Herkunftsländer oder auch im europäischen Ausland erfolge. Ebenso könne zur Ver­hin­derung von Reisen mit dem Ziel einer Genitalverstümmelung der Reisepass eingezo­gen werden.

Die Ministerin räumte allerdings ein, dass Verurteilungen oder Passentzug in der Praxis bislang nur in wenigen Einzelfällen erfolgt seien. Weltweit wurden nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) an mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen Genitalverstümmelungen vorgenommen. © afp/aerzteblatt.de

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