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Politik

Krankenhäuser rechnen noch für Monate mit Coronakrisenbetrieb

Freitag, 26. Juni 2020

/dpa

Berlin – Operationen laufen wieder an, weniger Betten bleiben für Coronafälle geblockt: Die Krankenhäuser machen erste Schritte zur Normalisierung – und rechnen doch noch für Monate mit einem Betrieb im Krisenmodus.

„Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum. „Frei gehaltene Personal- und Intensivkapazitäten sind weiter erforderlich – auch für eine mögliche zweite Welle im Herbst.“ Eine Rückkehr zur Regelversorgung wie vor Corona sei bis weit ins nächste Jahr hinein sicherlich nicht möglich.

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Insgesamt würden weniger COVID-19-Patienten aufgenommen, sie belegten inzwischen auch weniger Intensivbetten mit künstlicher Beatmung. Die Kapazitäten seien aber weiterhin stark begrenzt – nämlich wegen der Erfordernisse für eine konsequente Infektionsvermeidung.

So sei eine Versorgung im Mehrbettzimmer kaum noch möglich, erläuterte Baum. Es gebe auch deutlich höhere Fallkosten, denn für Coronaerkrankte seien abgetrennte Intensiv- und Bettenstationen nötig. Auch das Personal muss dann so weit wie möglich getrennt eingesetzt werden.

Wieder verstärkt schwere Operationen

Insgesamt ist die Zahl freier Intensivbetten demnach im Vergleich zu vor zwei Monaten um rund 2.000 gesunken – dort liegen nun Patienten mit anderen Diagnosen als COVID-19. Es gibt auch wieder verstärkt schwere Operationen, die prinzipiell aufschieb­bar sind. In den Notaufnahmen ist mittlerweile auch wieder eine deutliche Zunahme von Patienten mit allen Krankheitsbildern zu beobachten.

Bund und Länder hatten die Krankenhäuser Mitte März aufgefordert, alle planbaren OPs und Aufnahmen auszusetzen. Dies sollte vor allem in Intensivstationen vorsorglich freie Betten für Coronapatienten schaffen. Angesichts der langsameren Virusausbreitung rief die Politik im April dann dazu auf, schrittweise wieder mehr OPs und andere wichtige Behandlungen aufzunehmen. Hintergrund sind auch Sorgen, dass Patienten sonstige Behandlungen aufschieben.

Seit März dürften rund 30.000 Coronapatienten in den Kliniken behandelt worden sein, davon fast 15.000 Intensivpatienten. „Noch haben wir aber eine normale Auslastung nicht erreicht“, sagte Baum.

Aktuell seien 1.500 Patienten coronabedingt in Kliniken, davon fast 400 in der Intensiv­medizin. Laut Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sind bundesweit derzeit mehr als 11.000 Intensivbetten frei.

Auf den Intensivstationen sei die Auslastung immer noch reduziert, erläuterte die Krankenhausgesellschaft. Waren freie Intensivbetten in Vorjahren immer wieder knapp, seien jetzt je nach Bundesland zwischen 25 und 45 Prozent frei. Das liege auch daran, dass Kliniken die Zahl der Intensivbetten wegen Corona aufgestockt hätten. Zudem wurden nun auch Mindestvorgaben zur Besetzung mit Pflegekräften ausgesetzt, so dass Intensivbetten seltener deswegen gesperrt werden müssen.

Bundes­ärzte­kammer befürwortet Krisenpuffer

In den Monaten der Coronakrise beobachteten Kliniken, dass teils bis zu 30 Prozent weniger Patienten mit Herzinfarkten und Schlaganfällen in die Notaufnahmen kamen. Dies seien jedoch überwiegend Patienten mit leichteren Erkrankungen gewesen – aber eben auch vermeintlich leichteren. „Patienten mit schweren Erkrankungen sind auch in der Pandemiezeit kontinuierlich in den Krankenhäusern behandelt worden“, sagte Hauptgeschäftsführer Baum.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Klaus Reinhardt, befürwortet auch angesichts der Coronaerfahrungen einen ständigen Krisenpuffer bei den Kliniken. „Krankenhäuser sind keine Unternehmen, in denen man wie in einem produzierenden Betrieb nur die Auslastung optimiert“, sagte der Bundes­ärzte­kammer.präsident „Wir müssen immer einen gewissen Überhang an Kapazitäten vorhalten und natürlich auch finanzieren, um auf Krisen angemessen reagieren zu können. © dpa/aerzteblatt.de

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