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Medizin

SARS-CoV-2: Wie sich Infektionen im Fitnessstudio (vielleicht) vermeiden lassen

Montag, 29. Juni 2020

/picture alliance, EUROPA PRESS, Eduardo Parra

Oslo – Das norwegische Ge­sund­heits­mi­nis­terium hat in einer randomisierten Studie prüfen lassen, ob Fitnessstudios unter bestimmten Regeln geöffnet werden können. Die Ergebnisse wurden jetzt in MedRXiv (2020; DOI: 10.1101/2020.06.24.20138768) veröffentlicht.

In Norwegen wurden wie in anderen europäischen Ländern im Rahmen der Lockdown-Maßnahmen die Fitness-Studios geschlossen. Ab dem 12. März blieben die Türen zu. Am 22. März durften in der Hauptstadt 5 Studios wieder öffnen, allerdings nur für ausgewäh­lte Personen.

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Es handelte sich um die Teilnehmer einer randomisierten Studie, die Lise Helsingen von der Universität Oslo und Mitarbeiter konzipiert hatten. Die Forscher wollten wissen, ob in einer Umgebung, in der jüngere Menschen auf engem Raum Sport treiben, Infektionen vermieden werden können, wenn bestimmte Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Die Regeln sahen vor, dass körperliche Berührungen vermieden werden. Begrüßungen per Handschlag wurden verboten, alle Besucher wurden verpflichtet, mindestens 1 Meter Abstand zu halten, an besonders intensiven Geräten sollten es mindestens 2 Meter sein.

Alle Geräte mussten vor einem Wechsel mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden, die Umkleideräume blieben geöffnet. Duschen und Sauna wurden aber geschlossen, die Deckel von den Abfalleimern wurden zur Vermeidung von Berührungen entfernt und das Personal überprüfte, ob die Regeln eingehalten werden. Eine Maskenpflicht gab es nicht.

Der Zutritt zu den Fitnessstudios wurde nur 1.896 Personen erlaubt. Sie waren aus einer Gruppe von 3.754 gesunden Erwachsenen ausgelost worden, die für eine Teilnahme kontaktiert worden waren.

Damit war die TRAiN-Studie („Rapid-Cycle Re-Implementation of TRAining Facilities in Norway“) eine der seltenen randomisierten Studien zur Wirksamkeit von Public-Health-Interventionen und sicherlich die erste Studie, die zum Infektionsrisiko in Fitnessstudios durchgeführt wurde.

Während der 3-wöchigen Studiendauer hatten 81,8 % der Teilnehmer, denen der Besuch erlaubt war, wenigstens einmal im Fitnessstudio trainiert. Insgesamt 38,5 % hatten das Studio 6 Mal oder häufiger aufgesucht.

Insgesamt 88,7 % der Besucher und 71,4 % der Kontrollgruppe hatten im Anschluss einen Abstrich auf SARS-CoV-2 durchführen lassen. Wie Helsingen berichtet, wurde nur bei einem einzigen Studienteilnehmer eine Infektion nachgewiesen. Dieser Teilnehmer stammte zwar aus der Trainingsgruppe, er hatte das Studio jedoch kein einziges Mal besucht. Die weiteren Recherchen deckten auf, dass er sich wohl am Arbeitsplatz angesteckt hatte.

Die Rückfragen bei der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung ergaben, dass 106 Personen (2,8 %) während der Studiendauer einen Arzt aufgesucht hatten, darunter waren 48 Personen (2,5 %) in der Trainingsgruppe und 58 Personen (3,1 %) in der Kontrollgruppe. Keiner der Arzttermine stand im Zusammenhang mit COVID-19.

Insgesamt 6 Teilnehmer waren im Krankenhaus behandelt worden (4 aus der Trainings- und 2 aus der Kontrollgruppe). 5 der Erkrankungen hatten keinen möglichen Bezug zu COVID-19-Symptomen, der sechste Patient hatte eine Lungenembolie. In der Kranken­akte, die die Forscher zusammen mit dem behandelnden Arzt analysierten, fanden sich keine Hinweise auf eine mögliche COVID-19-Erkrankung.

Helsingen geht deshalb davon aus, dass sich in den 3 Wochen niemand im Fitness-Studio infiziert hat. In der Stadt Oslo wurden im gleichen Zeitraum 105 Personen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Das Virus zirkulierte demnach während der Studienzeit in der Stadt. Die Fitness-Studios hatte es nicht erreicht.

Die Studie lässt damit offen, ob es im Fall eines infizierten Besuchers zu einem Ausbruch gekommen wäre. Dennoch haben die Ergebnisse der Studie die Behörden der Stadt mit veranlasst, die Fitness-Studios wieder zu öffnen. Dies wurde sicherlich auch durch die Tatsache erleichtert, dass es in der letzten Studienwoche in der Stadt keine nachgewiesene Infektion mehr gegeben hatte. © rme/aerzteblatt.de

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