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Medizin

Feinstaub: Sterblichkeit steigt auch unterhalb der Grenzwerte

Montag, 13. Juli 2020

/nitikornfotolia, stock.adobe.com

Boston – In Vorbereitung auf eine Entscheidung der Umweltbehörde EPA haben US-Epidemiologen noch einmal die Auswirkungen der Feinstaubbelastung in der Umwelt auf die Sterblichkeit älterer Menschen untersucht.

Nach den in Science Advances (2020; DOI: 10.1126/sciadv.aba5692) vorgestellten Ergebnissen könnten in den USA in einem Jahrzehnt mehr als 140.000 vorzeitige Todesfälle verhindert werden, wenn das Land den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert übernehmen würde.

Die Feinstaubbelastung ist in den USA seit dem Jahr 2000 deutlich gesunken. Vor allem in den Ballungszentren liegen die Jahresmittelwerte für PM2,5 weiter über den von der WHO empfohlenen 10 µg/m3, was auch für die meisten Städte in Deutschland zutrifft. Der Grenzwert der Environmental Protection Agency (EPA) liegt derzeit bei 12 µg/m3.

Die Senkung des Grenzwerts ist politisch umstritten. Die Ergebnisse der epidemiolo­gischen Studien, die nach Ansicht der meisten Experten einen Zusammenhang zwischen den Feinstaubkonzentrationen und der Mortalität gut dokumentiert haben, werden vielfach angezweifelt.

Die Kritik betrifft vor allem den fehlenden Beweis einer Kausalität. Er lässt sich in epidemiologischen Studien schwer erbringen, da es immer möglich ist, dass andere Faktoren, die zufällig mit der Feinstaubkonzentration korrelieren, für die Assoziation verantwortlich sind.

Die FDA hat signalisiert, dass sie am derzeitigen Grenzwert festhalten will. Eine „commend period“, in der Argumente dagegen übermittelt werden können, endet am 29. Juni.

Ein Team um Francesca Dominici von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hat dies zum Anlass genommen, um noch einmal den Zusammenhang zwischen Feinstaub und Mortalität in der Gruppe der über 65-Jährigen zu untersuchen.

Für ihre neue Studie verwenden die Forscher Daten von 68,5 Millionen Berechtigten der staatlichen Krankenversorgung für Senioren – das sind 97 % der Amerikaner über 65 Jahre.

Die Forscher setzten die 27,1 Millionen Todesfälle, die es in dieser Gruppe in den Jahren 2000 bis 2016 gegeben hat, mit der PM2,5-Exposition in Beziehung. Die Werte stammten nicht nur von Messstationen, sondern auch von Satellitenbildern. Dabei wurden Land­nutz­ungsinformationen, Wettervariablen und andere Faktoren berücksichtigt, die die PM2,5-Exposition am Boden beeinflussen können.

Bei der Berechnung der Sterberisiken wurden zahlreiche andere Einflussfaktoren auf das Sterberisiko wie Body-Mass-Index, Rauchen, ethnische Zugehörigkeit, Einkommen und Bildung berücksichtigt. Bei den Berechnungen würden neben 2 traditionellen statistischen Ansätzen (Cox- und Poisson-Regression) 3 neuere Ansätze („generalized propensity scores“) benutzt, um die Ursache-Wirkung-Beziehung dingfest zu machen.

Alle 5 Analysen kommen laut Dominici zum selben Ergebnis. Feinstaub erhöht danach auch unterhalb der derzeitigen Grenzwerte das Sterberisiko älterer Menschen. Jede jährliche Abnahme der PM2,5-Belastung um 10 µg/m3 ist danach mit einer Verringerung des Sterberisikos um 6 bis 8 % verbunden.

Die Hazard Ratios reichten von 1,06 (mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,05 bis 1,08) bis 1,08 (mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,07 bis 1,09). Bei einer dauerhaften Exposition lagen die Hazard Ratios bei 1,23 (1,18 bis 1,28) und 1,37 (1,34 bis 1,40).

Basierend auf diesem Ergebnis könnten auf der Basis der niedrigeren Hazard Ratios in einem Jahrzehnt 143.257 Menschenleben (115.581 bis 170.645) gerettet werden, schreiben die Forscher in ihrer Studie. © rme/aerzteblatt.de

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