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Politik

Werbeverbot von rezeptfreien Schmerzmitteln gefordert

Donnerstag, 9. Juli 2020

/PooMtyKunG, stock.adobe.com

Berlin – Werbung für rezeptfreie Schmerzmittel sollte verboten werden. Das fordert der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske, der an der Universität Bremen forscht und lehrt.

In der Werbung würden frei verkäufliche Analgetika oft als schnelle, unproblematische Lösung für Alltag und Sport angepriesen, sagte Glaeske im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ). „Das verführt zu einer freizügigen Einnahme und fördert Missbrauch“, ist er überzeugt. „Ein Warnhinweis auf der Verpackung reicht nicht!“

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Rund 100 Millionen Packungen rezeptfrei erhältlicher Schmerzmittel werden in Deutsch­land jährlich verkauft. Dass Ibuprofen und vergleichbare Schmerzstiller nicht von einem Arzt verschrieben werden müssen, würde viele zu dem Glauben verleiten, sie hätten kei­ne Nebenwirkungen, so Glaeske: „Das ist ein gesellschaftliches Problem“.

Hintergrund seiner Forderung ist ein kürzlich veröffentlichter Bericht des ARD-Doping­stu­dios und des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv.

Schmerzmittel: Missbrauch auch im Breitensport

Um bessere Leistungen zu erzielen, nehmen offenbar auch viele Hobbysportler regelmäßig rezeptfreie Analgetika. Verlässliche Daten dazu gibt es bisher nicht, aber Experten gehen von einem gesellschaftlichen Problem aus. Sie fordern mehr Prävention auf allen Ebenen. Wie Süßigkeiten verteilt mancher Fußballtrainer Schmerzmittel an verletzungsanfällige Spielerinnen und Spieler. Schon Jugendliche [...]

Demnach nehmen im Fuß­ball­milieu nicht nur Profispieler sondern auch Hobbysportler regelmäßig Analgetika, um leistungsfähig zu bleiben. „Und das ist bereits Missbrauch“, meint Glaeske, „diese Schmerz­mittel sind nicht für den prophylaktischen Gebrauch vor­gesehen.“

Die Recherche deutet ein massives Missbrauchsproblem auch im Breitensport an. Die Rede ist von über 1.100 Amateurspielern, von denen mehr als die Hälfte angab, mehr­mals pro Saison Schmerzmittel zu nehmen – 40 Prozent davon präventiv.

Repräsentativ sind diese Zahlen jedoch nicht. Im Gegensatz zum Profisport gibt es bisher keinerlei gesicherte Erkenntnisse über den Schmerzmittelgebraucht von Amateur- und Hobby-Sportlern. Wissenschaftler wollen das nun ändern. © alir/aerzteblatt.de

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