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Politik

Krankenhausfall­zahlen im März und April zurückgegangen

Montag, 29. Juni 2020

/Zarya Maxim, stock.adobe.com

Berlin – Während der Lockdownphase im März und April 2020 sind die Krankenhaus­fall­zahlen um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Das geht aus einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Das Insti­tut hat dafür die Krankenhausfälle der 27 Millionen AOK-Versicherten in Deutsch­­land analysiert. Das Ausmaß der Rückgänge ist regional unterschiedlich und reicht von 34 Prozent in Sachsen bis zu 43 Prozent in Rheinland-Pfalz.

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Besonders hohe Rückgänge gab es bei planbaren, nicht dringlichen Eingriffen wie Opera­tionen zum arthrosebedingten Hüftersatz (minus 79 Prozent). Allerdings zeigen sich laut dem WIdO auch starke Rückgänge bei der Behandlung von lebensbedrohlichen Notfällen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen.

In einer Detailanalyse von insgesamt 21 Behandlungsanlässen zeigen sich deutliche Un­terschiede zwischen dringlichen, medizinisch notwendigen Behandlungen auf der einen und planbaren, weniger dringlichen Fällen auf der anderen Seite.

So gab es beispielsweise bei den Blinddarmentfernungen ohne akute Entzündung einen Rückgang von 28 Prozent, während die Zahl Behandlungen von akuten Blinddarm­entzün­dungen sogar stieg (plus acht Prozent).

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Krebsbehandlungen: Die Zahl der operativen Erstein­griffe zur Entfernung eines Tumors in der Brust stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent, während die nicht dringlichen Eingriffe zur Rekonstruktion der Brust um 76 Prozent zurückgingen.

Den stärksten Rückgang hat es laut der Analyse bei den besonders oft durchgeführten Operationen zum Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes gegeben: Die Zahl der arthro­sebedingten Hüftprothesenimplantationen nahm um 79 Prozent ab. Die Zahl der Behand­lungen von akuten Oberschenkelhalsbrüchen blieb dagegen ungefähr auf dem gleichen Niveau wie 2019.

„Insgesamt zeigt sich in den Daten ein sehr rationales Vorgehen der behandelnden Ärzte in der Phase des Lockdowns: Nicht so dringliche Operationen, zum Beispiel zur Implan­ta­tion von künstlichen Gelenken, wurden den Vorgaben der Politik entsprechend verscho­ben, um Kapazitäten für die Behandlung von COVID-19-Patienten freizuhalten. Zugleich wurden aber offensichtlich dringliche und medizinisch notwendige Operationen weiter durchgeführt“, sagte der WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Herzinfarkt und Schlaganfall

Anlass zur Sorge geben aus Sicht der WIdO-Experten die hohen Fallzahlrückgänge bei der Behandlung von Herzinfarkten: Sie liegen bei minus 31 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Schlaganfällen: Hier sank die Zahl der behandelten Fälle um 18 Prozent.

„Diese starken Rückgänge in der Behandlung von echten Notfällen weisen darauf hin, dass betroffene Patienten in der Phase des Lockdowns den Rettungsdienst seltener alar­miert haben“, so Klauber. Er forderte daher, die Aufklärung der Bevölkerung über das rich­tige Verhalten im Notfall zu verbessern.

Laut der Analyse erreichten die Fallzahlen in der zweiten Aprilwoche ihren Tiefststand. Seither steigen sie wieder. „Ob und wann das Fallzahlenniveau vor der Coronapandemie wieder erreicht wird, ist aber noch offen“, sagte Klauber. © hil/aerzteblatt.de

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