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Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer erwartet weiteren Digitalisierungs­schub

Mittwoch, 1. Juli 2020

/metamorworks, stock.adobe.com

Berlin – Im Zusammenhang mit der Coronapandemie hat die Digitalisierung der Medizin in Deutschland einen „erheblichen Schub“ erfahren. Diese Zwischenbilanz der vergange­nen Monate zog Klaus Reinhardt, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), bei der heuti­gen Vorstellung des Positionspapiers „Digitale Transformation in der Medizin in Pande­mie­zeiten“.

Als Antwort auf die zahlreichen Herausforderungen im ärztlichen Versorgungsalltag habe es einen „Mindshift“ im Umgang mit digitalen Instrumenten gegeben, so Reinhardt. Auf Basis einer Analyse der gemachten Erfahrungen wolle man mit dem Positionspapier Lö­sun­gen und Perspektiven für die digitale Transformation der Medizin aufzeigen.

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Technische Infrastruktur muss gewährlsietet sein

Generell könne diese aber nur gelingen, wenn auch die notwendige technische Infra­struk­­tur aufgebaut und seitens der Politik die entsprechenden finanziellen Ressourcen eingesetzt würden. Um trotz der Einschränkungen in der Mobilität, der Kontaktverbote und weiterer Maßnahmen zur Reduktion von möglichen Infektionsketten „normale“ ärzt­liche Versorgung gewährleisten zu können, hätten Ärzte und Patienten digitale Hilfs­mittel vermehrt nachgefragt und genutzt.

Reinhardt verwies darauf, dass beispielsweise die Videosprechstunde „erheblich intensi­ver“ in Anspruch genommen worden sei. Angesichts der über eine Infektionskettenein­dämmung hinausgehenden Vorteile – unter anderem die Niedrigschwelligkeit oder auch die Ersparnis unnötiger Wege – stelle diese Form des Arzt-Patienten-Kontaktes ein „gutes Instrument“ für die Zukunft dar. Klar sei aber: Der Großteil ärztlicher Behandlungen erfor­dere auch künftig den persönlichen Kontakt.

Datenaustausch zwischen Ärzten hat noch Ausbaupotenzial

Insgesamt habe die Coronapandemie gezeigt, dass man von einem ungehinderten Infor­mationsfluss entlang des medizinischen Versorgungsprozesses noch weit entfernt sei, be­tonte Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Gesund­heits­versorgung“. Insbesondere der Datenaustausch zwischen verschiedenen ärztlichen Akteuren bereite Probleme.

Mittels einer sicheren Messenger-App zur innerärztlichen Kommunikation inklusive Iden­titätsmanagement für Ärzte könne man auf diesem Felde Verbesserungen erzielen – die BÄK biete bei der Entwicklung ihre Expertise an. Digitale Anwendungen sollten künftig in Testregionen evaluiert werden, so könnten sie laut Bobbert schneller in den Versorgungs­alltag eingebunden werden und würden trotzdem unter realen Bedingungen getestet.

Alle sich im täglichen Gebrauch als sinnvoll bewährenden digitalen Anwendungen soll­ten dann dauerhaft in die haus- und fachärztliche Versorgung eingeführt werden, betonte Erik Bodendieck, ebenfalls Co-Vorsitzender des BÄK-Digitalisierungs-Ausschusses.

Das im Rahmen des Ausbaus der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) nun erste medizinische An­wen­dungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) starten, sei eine gute Nachricht für die Patientenversorgung. Sowohl auf den Not­fall­daten­satz als auch den elektroni­schen Medikationsplan habe man lange gewartet.

Zugang zu medizinischem Wissen ausbauen

Mit Blick auf die Gefahr einer zweiten oder dritten Coronainfektionswelle in Deutschland spricht sich die BÄK in ihrem Positionspapier unter anderem dafür aus, flächendeckende Zugänge zu Videokonferenzmöglichkeiten sowie Telekonsilen zu schaffen.

Zudem müsse Ärzten ein besserer Zugang zu Wissensdatenbanken und aktuellen For­schungsergebnissen und Monitoringmöglichkeiten für ambulante Patienten ermöglicht werden. Und: Ärzteschaft, medizinische Fachangestellte und Angehörige der Pflegeberufe müssten für den Umgang mit digitalen Anwendungen qualifiziert werden. © aha/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 3. Juli 2020, 11:51

"Anspruch auf eine Sachdiskussion"?

Und das auch noch mit einem "harten Hund"?
Ja, wo bleiben sie, die "Wertschätzung und Respekt dem Gesprächspartner gegenüber" als "zentrale Grundvoraussetzungen"?
Zählt das oder zählt es nicht?
Ausweg aus dem Dilemma simpel:
"Haben Sie nicht! "
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 2. Juli 2020, 11:42

@normalerdoktor - Ich habe einiges nicht verstanden.

Ich habe einiges nicht verstanden. Wie kann die BÄK
- eine technische Lösung, die viel zu teuer ist (selbst die Kassen wollen die teuren Konnektoren für andere Bereiche nicht mehr bezahlen sondern setzen auf Softwarelösungen), reihenweise technisch unzuverlässig implementiert wurde (Parallelanschlüsse statt serieller Anschlüsse der Konnektoren; Ausfall von 80.000 Konnektoren, weil die Gematik die TSL-Zertifikate nicht rechtzeitig erneuert hatte; bei den Konnektoren der CGM wurde das entsprechende Protokoll DNSSec gleich fast durchgehend deaktiviert - sonst wären fast alle Konnektoren und nicht nur 80.000 vom Ausfall betroffen gewesen) und datenschutzrechtlich höchst bedenklich ist (der Bundesdatenschutzbeauftragte hat vor wenigen Tagen nochmals klargestellt, dass die Gematik eine Datenschutzfolgeabschätzung für die Konnektoren vorlegen muss - diese ist immer noch nicht erfolgt, obwohl die Konnektoren schon seit 2 Jahren auf dem Markt sind) unterstützen?
- für eine zentralisierte Datenhaltung von Patientendaten sein, die für die Ärzteschaft null benefit bringt - nur Industrie und Forschung werden davon profitieren? Die ePA ist zu einer Akte des Patienten und nicht der Ärzte geworden. Für die Ärzteschaft völlig nutzlos.
- es nicht nur hinnehmen sondern sogar unterstützen, dass den Niedergelassenen ein System übergestülpt wird, welches unsicher, zu teuer, in der Handhabung viel zu kompliziert und zudem noch nutzlos ist?


Dass es sich bei Bobbert um eine weitere Fehlbesetzung handelt, versuche ich im Weiteren zu erläutern. Wie viele Vertreter der BÄK hatten in den letzten 10 Jahren schon einen GOÄ-Reform angekündigt? Nach über 30 Jahren ohne Inflationsausgleich versucht die BÄK den Ärzten jetzt sogar eine Budgetierung der Ausgaben der PKV im ambulanten Sektor auf dem Preisniveau der GOÄ 88 zu verkaufen. Windhorst, Montgomery, Reinhardt - einer nach dem anderen als Adler gestartet und als Pleitegeier gelandet. Wo bleiben die angemessenen Preise für die ärztliche Behandlung? Wer jetzt sagt, dass das eine Sache des Gesetzgebers ist, der hat Recht. Dann sollte die BÄK aber auch zugeben, dass sie in der Sache nichts zu entscheiden hat und letztlich keine Rolle spielt.
Als Kammer, sofern sie die Interessen der Ärzte vertreten will, müsste sie schon vor Jahren aufgestanden sein, um auf die fehlenden Honoraranpassungen deutlichst hinzuweisen. Nichts ist passiert. Eine Erfolgsstory sieht anders aus.

Zurück zum Ausgangsbeitrag:
Über welche Expertise verfügt die BÄK in Sachen EDV bzw. Apps? Liest da keiner mit, was zu Apps im Allgemeinen und sogar der Corona-App im Speziellen berichtet wird? Daten der Kunden sind das, was den Big Five ihre astronomischen Gewinne beschert. Nicht weil die Kunden viel Geld für die Software zahlen sondern weil die IT-Riesen alle Daten ihrer Kunden äußerst gewinnbringend auf dem Markt veräußern. Ein wichtiges Datum ist dabei das Bewegungsprofil. Eine Ortungsfunktion kann man abschalten - nur funktioniert dann auf Android-Systemen die Corona-App nicht mehr. Also muss, wer bei der Corona-App „im Interesse der Seuchenprävention“ mitmachen will, die Ortungsfunktion einschalten. Das hat google genau so programmiert. Und das nicht, weil die App sonst nicht laufen würde sondern weil die Corona-App der Hebel ist, um Kunden zum Einschalten der Ortungsfunktion zu bringen. Ist die Ortungsfunktion erst einmal eingeschaltet, haben alle Programme, die Kundendaten abgreifen wollen, mehr und bessere Daten als jemals zuvor zur Verfügung. Die Aktienkurse der Big Five werden steigen.

Wenn jetzt ein spezieller Ärzte-Messenger käme, dann muss auch der auf den handelsüblichen Handys etabliert werden. Somit hätten Apple und google erneut sofort Zugriff auf alles, was über diesen Messenger verschickt wird. Zugriff auf ALLES! Und über solch eine App will die BÄK die Ärztekommunikation realisieren? Da kann man auch gleich alles offen ins Internet stellen. Für die Ärzteschaft wäre es deutlich billiger, denn den Ärzte-Messenger müssten die Ärzte selbst bezahlen.

Wie eine geeignete Lösung genau aussehen könnte, keine Ahnung. Aber eine solche App ist aus den o. g. Gründen sicherlich keine Lösung. Vielleicht ist es ein Kryptographiealgorithmus, der zumindest für einige Jahre Datenschutz bietet. Für die reine Kommunikation könnte das eine Lösung sein. Für die zentrale Speicherung von allen Gesundheitsdaten aller Patienten reicht das nach Ansicht von Experten nicht aus. Denn nichts von dem, was wir heute an Datenschutz bieten, ist auch in 20 Jahren noch sicher - sagen die Experten.

P.S.:
Bobbert hat im Interview mit dem änd geäußert, dass es richtig gewesen sei, die TI in die Praxen zu bringen. Wenn er das für richtig hält, dann hält er ganz offensichtlich auch den Weg, auf dem man die Praxen zur TI gebracht hat, für richtig: Zwang und Bedrohungsmaßnahmen. Für mich sind das Mittel, die ich in Nordkorea und in China oder Russland erwartet hätte. Für Deutschland hätte ich ein echtes Angebot erwartet, über das die Ärzte frei entscheiden können. Taugt das Angebot, ist es aus Sicht der Kunden also das verlangte Geld wert, wird es auf dem Markt erfolgreich sein. Taugt es nicht, wird es ein Rohrkrepierer. Die TI wäre sicherlich ein Rohrkrepierer.
1 bzw. 2,5% Honorarabzug und weitere Sanktionen, wenn man sich nicht an die TI anschließt und deswegen beispielsweise keine eAU übermitteln kann, sind m. E. eine eindrucksvolle Demonstration der Insuffizienz der TI. Ohne Zwang wäre die ein Ladenhüter.
Vor über 10 Jahren kam das erste Smartphone auf den Markt. Heute haben vielleicht 60% der Weltbevölkerung ein Smartphone. Warum? Weil man ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt hat und sie zum Kauf gezwungen hat? Nein, die Menschen haben Smartphones gekauft, weil sie vom Produkt überzeugt waren und das Preis-Leistungsverhältnis aus ihrer Sicht stimmte. Halt das Gegenteil von der TI.


P.P.S.:
Eine Frage an normalerdoktor: Sind Sie Amtsträger in einer ÄK? Es interessiert mich halt, wie man ohne Not eine mangels Sachargumenten völlig unhaltbare Position wie die Ihre einnimmt.
Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Donnerstag, 2. Juli 2020, 08:07

Fragwürdige Nutzen-Bescheinigung durch BÄK

„...Noch nicht gelöst sind die Entschädigungsmodelle, die Abrechnung und die Vergütung im Bereich Telemedizin sowie der relevanten TARMED-­Tarifpositionen für verschiedene digitale Leistungsbereiche. Die zurzeit in Frage kommenden Tarifpositionen ­decken die digitalen Leistungen unvollständig und ungenügend ab. So setzt der TARMED-Tarif heute keinen Anreiz für die Nutzung der Telemedizin, da entsprechende Positionen schlichtweg fehlen. Gerade für kleinere Praxen stellen aber die Investitionskosten bei ­ungenügender tariflicher Abbildung beziehungsweise fehlender Abgeltungssysteme ein Hindernis für die ­Integration digitaler Gesundheitsangebote dar.
Die Realsituation sieht so aus, dass vor allem die jüngere Ärzteschaft nachfragebedingt digitale Möglichkeiten ­einsetzt und anbietet [2] – heute mit suboptimalen Rahmenbedingungen, insbesondere bezüglich Abgeltung, Rechtslage und Datenschutz.

Ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte wollen ihre Gesundheitseinrichtung dann digitalisieren, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie eine positive Bilanz aufweist und der Mehrnutzen für die Patienten aus ihrer Sicht gegeben ist [2]. Wirksamkeits- und Zweck­mässigkeitsnachweise digitaler Gesundheitsangebote, insbesondere im diagnostisch-therapeutischen Bereich, sind aber noch unzureichend [15]. An­gesichts des zunehmenden Kostendrucks wird die Orientierung an der medizinischen Evidenz aber weiter zunehmen. Eine methodisch solide Evaluation von telemedizinisch unterstützten Versorgungsansätzen ist eine wesentliche Voraussetzung für deren breite Umsetzung [16]. ..“
https://saez.ch/article/doi/saez.2019.17521

Avatar #648603
normalerdoktor
am Donnerstag, 2. Juli 2020, 06:59

@fjmvw - nichts verstanden

Sie haben gar nichts verstanden!

Trotz Ihres sicher reiferen Alters ist Ihnen offenbar unbekannt, dass für das Gelingen einer Sachdiskussion und erst recht für das Erzielen von Lösungen als Ergebnis einer Debatte, Wertschätzung und Respekt dem Gesprächspartner gegenüber zentrale Grundvoraussetzungen sind.

Sie hingegen lassen sich einfach gehen. Schon in der Überschrift werden Sie persönlich und bezeichnen das Gegenüber als „eklatante Fehlbesetzung“ um ihm dann sogleich auch noch Inkompetenz und Anmaßung zuzuschreiben.

Und Sie glauben allen Ernstes, dann noch Anspruch auf eine Sachdiskussion und eine Auseinandersetzung mit Ihren Argumenten zu haben? Haben Sie nicht!

Und es geht Ihnen ja auch nicht um die Sache oder um eine Lösung. Sie benutzen die Sache nur regelmäßig als Mittel, um sich als sich besonders harter Hund unter den Leserbriefschreibern des Deutschen Ärzteblatts zu gerieren.
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 1. Juli 2020, 21:17

@normalerdoktor

Welches waren gleich noch Ihre Sachargumente?

Danke, das habe ich jetzt verstanden.
;-)
Avatar #648603
normalerdoktor
am Mittwoch, 1. Juli 2020, 21:04

@fjmvw - mecker mecker mecker

Lieber – wie üblich alles und jedes besser als alle und jede/r wissender Kollege fjmvw,

Sie repräsentieren wirklich den Prototyp, das Abziehbild, einer offenbar reichlich frustrierten und langsam verschwindenden Generation von Vertretern unseres Berufs die meinen, es reiche aus, einfach möglichst großspurig daherzureden, andere verächtlich zu machen und dann werde man den Lauf der Welt schon aufhalten.

Sie haben aber leider selbst weder besonders viel Durchblick – auch wenn sie sich bemühen so zu tun – noch erweisen Sie der Zukunft der Medizin, einer weiterhin guten Versorgung der Patient:innen oder auch nur dem Ziel befriedigender Arbeitsbedingungen für die Menschen im Gesundheitswesen mit dieser völlig ichbezogenen und völlig veränderungsunwilligen Anspruchshaltung einen guten Dienst.

Zum Glück dreht sich die Welt aber auch ohne Ihr Zutun weiter.
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 1. Juli 2020, 17:23

Alles wie gehabt - nächste eklatante Fehlbesetzung in der BÄK

Zwei Kriterien sollte erfüllen wer sich anmaßt, für die Ärzteschaft in Sachen Digitalisierung der Gesundheitsversorgung zu sprechen.
1. Umfangreiche Erfahrung aus der Praxis für die Praxis
2. Umfangreiche IT-Kenntnisse

Der Co-Vorsitzende des Ausschusses verfügt offensichtlich weder über das Eine noch das Andere. Als angestellter Krankenhausarzt mag er die IT-Verhältnisse in Krankenhäusern kennen. Dass die IT im niedergelassenen Bereich völlig andere Anforderungen hat und viel vielschichtiger als im stationären Bereich ist, ist ganz offensichtlich noch nicht bis zu Bobbert vorgedrungen. Fax und Muster 16 funktionieren in der Praxis ganz vorzüglich. TI, KV-Connect, KVSafenet usw. fallen dagegen immer wieder mal aus, sei es wegen Fehlern im eigenen Bereich oder sei es nach Softwareupdates in den Praxisprogrammen.
Man kann sicherlich trefflich darüber streiten, ob es ein konkurrierendes Angebot unterschiedlicher Techniken (VPN, TI, andere Verschlüsselungstechniken, …) sein sollte oder ob man sich auf eine einzige Hardwareinfrastruktur setzt und sich damit zugleich in die Hände von Monopolisten begibt. Die Politik hat entschieden. Jetzt haben die Niedergelassenen eine völlig überteuerte, technisch unzureichende, von der Gematik nicht beherrschte und zudem schlecht gemanagte Telematik-Infrastruktur, von der derzeit nur eines sicher ist: In wenigen Jahren wird man andere Lösungen ohne die teure TI-Hardware-Infrastruktur haben. Das haben auf Seiten der Ärzteschaft Funktionäre vom Kaliber Bobbert mitzuverantworten.

Mit dem Vorschlag, eine spezielle Messenger-App für ärztliche Kommunikation zusätzlich zu etablieren, toppt Bobbert alles bisher Dagewesene. Die Ärzte sollen sich zusätzlich zur TI, die akutell dank eines simplen Fehlers in 80.000 Praxen für längere Zeit immer noch ausgefallen ist und deren Fehlerbehebung die Ärzte mal wieder bezahlen dürfen, jetzt auch noch eine spezielle Messenger-App anschaffen. Geht’s noch? Die Corona-App, mit Hilfe von Apple und google für Smartphones verfügbar gemacht, zeigt doch schon auf, wo das Problem bei Apps liegt. Denn die Corona-App selbst ist bei google zwar aus dem Store zu laden - aber zum Betrieb muss die Ortungsfunktion des Smartphones eingeschaltet sein. Dass die Corona-App nicht auf die Ortungsdaten zugreift hilft mir doch überhaupt nicht, wenn zig andere installierte Apps auf die dank Corona-App aktivierte Ortungsdaten zugreifen können. Google und Apple können immer auf alles zugreifen, was auf einem Smartphone passiert. Woher kommt bloß der Glaube, dass diese Firmen nicht auf alles an Daten zugreifen würden, was jemals über die Chips der Smartphones prozessiert wurde? Wie naiv muss man sein, wenn man dieses systemimmanente Problem nicht berücksichtigt, bevor man einen solchen Vorschlag macht?

Ein solcher Messenger ist teuer. whatsapp wird von Milliarden Nutzern bzw. über Werbung refinanziert. Eine Ärzte-Messenger-App müssten weniger als 300.000 Nutzer bezahlen. Zugleich wären die Ärzte (Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker, …..) schon wieder von Monopolisten abhängig und müssten Mondpreise zahlen.

Meine Erwartung an KBV und BÄK:
Sorgt für eine Softwarelösung, um die Kommunikation von Gesundheitsdaten sicher zu machen. Um meine Bankgeschäfte zu erledigen brauche ich keine spezielle Infrastruktur, es geht also auch ohne spezielle Hardware. Die Kryptografie hat vermutlich Lösungen im Angebot, die der Aufgabenstellung angepasst sind. Deren „Nachteil“ dürfte allerdings darin liegen, dass damit für die Hardwarelieferanten ein äußerst lukrativer Markt wegbricht.

--------
Nachtrag zum stationären Sektor:
Es gibt eine Vielzahl von PACS und DICOM-Lösungen, die eines gemeinsam haben: Die firmenspezifischen Lösungen verlangen typischerweise firmenspezifische Viewer. Wäre es nicht mal eine tolle Aufgabe für die BÄK, hier für einen einheitlichen Standard zu sorgen? Zumindest für Arztpraxen wäre es von großem Vorteil, wenn man mit einer einheitlichen Oberfläche auf Bilddaten unterschiedlichster Hersteller zugreifen könnte.
Bevor ihr euch um Dinge kümmert, nach denen keiner gefragt hat, kümmert euch lieber mal um Dinge, die den täglichen Betrieb deutlich vereinfachen. Löst keine fiktiven Pseudoprobleme, kümmert euch um die realen Probleme!
LNS

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