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Suchtmedizin: Kontaktlos die Therapietreue erfassen

Mittwoch, 1. Juli 2020

/sdecoret, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronakrise hat telemedizinische Anwendungen verstärkt in den Blick ge­rückt. Auch in der Suchttherapie gewinnen Möglichkeiten der kontaktlosen Be­handlung zunehmend an Bedeutung, wenn auch noch nicht im selben Maße wie in ande­ren Berei­chen des Gesundheitssystems.

Doch gerade im Zuge der Pandemie zeigt sich die Notwendigkeit telemedizinischer Ange­bote für vulnerable Gruppen wie die der Suchtkranken. Denn viele von ihnen zählen auf­grund bestehender Infektionen wie HIV und HCV aber auch Erkrankungen der Lunge zu Risikopatienten.

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Eine Möglichkeit, kontaktlos die Adhärenz in der Suchttherapie zu erfassen, ist die Urin-Marker-Technologie. Sie erlaubt es Patienten, ohne Therapeutenkontakt Urinproben abzu­ge­ben.

Grundsätzlich geht es dabei um die telemetrische Erfassung der PEG-Kapseleinnahme mit Hilfe von mobilen Telefonen mit integrierter Kamera. Dabei ist lediglich zur Initiali­sie­rung ein unmittelbarer Therapeutenkontakt notwendig, bei den nachfolgenden Urinkon­trollen können sowohl Kapseln vom Arzt zum Patienten als auch die Urinproben vom Pa­tienten zum Labor auf dem Postweg übermittelt werden.

Die Anwendung „RUMA digital“ wurde bereits vor der Pandemie von der RUMA GmbH ent­wickelt. Das ursprünglich vorgesehene Anwendungsfeld waren Patienten in länd­lichen Gebieten mit zum Teil erheblichen räumlichen Distanzen zu den Untersuchungs­einrich­tungen.

Um die Therapietreue ohne Gefahr einer Infektionsübertragung zu erfassen und zu unterstützen, bietet sich das Verfahren aber im Zuge der SARS-CoV-2 Krise auch für einen breiteren Patientenstamm an.

Beim ersten direkten Kontakt zwischen betreuender Arztpraxis und Patient wird die zuge­hörige App auf das Smartphone des Patienten geladen und es werden die Hand­habung sowie die zeitlichen Abläufe des Systems geschult. Die Praxis nimmt außerdem ein aktu­elles Gesichtsfoto des Patienten auf, damit die nachfolgenden Videoaufzeich­nungen der Markereinnahme der jeweiligen Person zugeordnet werden können.

Anschließend werden die initial zu nutzenden Urin-Marker ausgehändigt. Diese sind mit einem äußeren und inneren Barcode versehen, die später vor der unmittelbaren Marker­ein­nahme im Rahmen der Videoaufzeichnung die Manipulationssicherheit gewährleisten.

Eine Vorab-Entnahme beziehungsweise ein Austausch des Markers würde die Barcodes verletzen und damit eine ordnungsgemäße Videoaufzeichnung der Einnahme unmöglich machen. Damit kann der PEG-Marker ausschließlich vom Patienten eingenommen wer­den, was die Abgabe von Fremdurin ausschließt.

Für die Einnahme des Markers steht ein Zeitfenster von maximal 120 Sekunden zur Verfü­gung. Der Patient schluckt den Marker, kaut das mitgelieferte, den Speichelfluss anre­gen­de saure Bonbon und zeigt anschließend mit geöffnetem Mund seine Zunge. Versucht er, die Kapsel in einer Mundtasche zur späteren Entnahme zu deponieren, wird durch die schnell auflösende Kapselhülle ein Färbemittel (Blaubeerextrakt) freigesetzt, das den ge­samten Mundraum blau einfärbt.

Das Video wird am Ende verschlüsselt an die betreuende ärztliche Praxis übermittelt. Über den erfolgreichen Verlauf des Prozesses beziehungsweise über eventuelle Probleme bei der Übertragung wird der Patient informiert.

Getestet wurde das System bislang in zwei deutschen Zentren – der Fachklinik Ludwigs­mühle und der Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie Landau – in Kooperation mit der A-Clinic Ltd in Finnland.

Vorteilhaft an dem Verfahren ist laut beteiligter Partner, dass die intimitätsverletzende Sichtkontrolle entfällt, die Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen gestärkt wird und Zeit­verluste durch teilweise lange An- und Abreisewege zu den betreuenden Zentren ver­mieden werden. Auch das ärztliche Personal könne von der Zeitersparnis profitieren. © EB/kk/aerzteblatt.de

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