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Pflegende Angehörige in Coronakrise häufig überfordert

Dienstag, 30. Juni 2020

/picture alliance, Felix Kästle

Frankfurt am Main – Laut einer neuen Untersuchung fühlen sich pflegende Angehörige in der Coronakrise häufig überfordert. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung und beruft sich dabei auf eine Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege der Berliner Charité.

Demnach gaben 32 Prozent der Befragten an, dass sich die Pflegesituation wegen Corona verschlechtert habe. Von zunehmender Hilflosigkeit berichteten 29 Prozent, von steigen­der Verzweiflung 22 Prozent.

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Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Coronakrise trieb laut der Studie fast jeden Vierten die Sorge um, dass die häusliche Pflege nicht mehr zu schaffen sei. Die Forscher hatten zur Zeit des bundesweiten Lockdowns 1.000 pflegende Angehörige befragt.

Dabei wurde auch deutlich, warum die Angehörigen sich so unter Druck fühlen: 81 Pro­zent der Befragten gaben an, dass die gewohnte Unterstützung durch eine Tages­pflege-Einrichtung wegen Corona mit einem Mal ganz weggefallen sei; 39 Prozent berichteten zudem, dass weitere Gesundheitsdienstleister wie etwa die medizinische Fußpflege die Arbeit eingestellt hätten.

Nach Auffassung von Kordula Schulz-Asche, der pflegepolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, ist es „fatal“, wenn die pflegerischen Unterstützungs­angebote weg­fallen. Die Angehörigen stünden dann plötzlich ohne Hilfe da.

„Deshalb machen wir uns dafür stark, dass pflegende Angehörige mit dem Coronapflege­geld einen verlässlichen finanziellen Ausgleich erhalten, wenn Betreuungs- und Unter­stüt­zungsangebote pandemiebedingt nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), sprach sich ebenfalls für Lohnersatzleistung bei der Pflege aus. Diese solle aber nur während ei­ner Pandemie gelten. Die Pflegebeauftragte der SPD-Fraktion, Heike Baehrens, verwies auf bereits beschlossene Verbesserungen.

Mitte Mai hatte der Bundestag entschieden, dass Angehörige bis zu 20 Arbeitstage zu Hause bleiben können, um die Versorgung nahestehender Pflegebedürftiger neu zu orga­nisieren. Bisher gab es das Pflegeunterstützungsgeld für höchstens zehn Tage. Damit sei es aber nicht getan: „Wir brauchen dringend mehr Angebote im Bereich der Kurzzeitpfle­ge.“

Pflegende Angehörige trügen oft große Verantwortung für die Gesundheit sowie die emo­tionale und soziale Situation ihrer pflegebedürftigen Nächsten, ergänzte Ralf Suhr, Chef des Zentrums für Qualität in der Pflege. Die Stiftung steht dem Verband der Privaten Kran­kenversicherung nahe.

Dass insbesondere die Versorgung von Demenzkranken zu Problemen geführt hat, wun­dert Adelheid Kuhlmey nicht. Die Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Berliner Charite sagte: „Veränderungen und Stress, die nun gerade vermehrt auftreten, wirken sich für Menschen mit Demenz nachteilig aus.“ Zudem verstünden viele Demenzkranke die zusätzlichen Hygieneregeln oft nicht, was für pflegende Angehörige besonders belastend sei. © kna/aerzteblatt.de

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