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Medizin

COVID-19: Weltweit bereits mehr als tausend Kinder an Multisystem-Ent­zündung erkrankt

Mittwoch, 1. Juli 2020

picture alliance / abaca | Eyepix/ABACA

Boston/New York – In den USA haben in den letzten Wochen und Monaten mehr als 300 Kinder im Anschluss an eine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 ein Kawasaki-Syndrom ähnliches Krankheitsbild entwickelt, das inzwischen als MIS-C bezeichnet wird. Mit den im New England Journal of Medicine (2020; DOI 10.1056/NEJMoa2021756 und NEJMe2023158) beschriebenen Fällen werden die klinischen Konturen der Erkrankung besser erkennbar.

Britische Pädiater hatten Ende April als erste über Kinder berichtet, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an einer Multisystem-Entzündung erkrankten, die stark an ein von dem japanischen Pädiater Tomisaku Kawasaki 1967 beschriebenes Krankheitsbild erinnert, aber deutliche Unterschiede aufweist. Das „Royal College of Paediatrics and Child Health“ veröffentlichte kurz darauf eine Falldefinition für das “pediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with severe acute respiratory syndrome coronavirus 2”, kurz PIMS-TS.

Inzwischen setzt sich die von den US-Centers for Disease Control and Prevention und der Welt­gesund­heits­organi­sation vorgeschlagene Bezeichnung „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C) durch.

Nach mehr als tausend beschriebenen Fällen werden langsam die Umrisse der Erkrankung erkennbar, wie Michael Levin vom Imperial College London schreibt, der im New England Journal of Medicine die jüngsten Fallserien aus den USA kommentiert. Elizabeth Dufort von der New Yorker Gesundheitsbehörde berichtet dort über 191 MIS-C-Fälle, zu denen es auf dem Höhepunkt der Epidemie in den 106 Krankenhäusern des Bundesstaates New York gekommen ist. Adrienne Randolph vom Boston Children’s Hospital hat die Daten von 186 Patienten zusammengetragen, die in 26 US-Bundesstaaten in den letzten zwei Monaten identifiziert wurden.

Die Erkrankung MIS-C tritt 2 bis 4 Wochen nach der Infektion mit SARS-CoV-2 auf. Sie ist vermutlich selten. Dufort gibt die Inzidenz mit 2 auf 100.000 Personen unter 21 Jahre an bei einer Häufigkeit von COVID-19 in der gleichen Altersgruppe in New York von 322 auf 100.000. Von den wenigen Kindern und Jugendlichen, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 klinisch auffällig werden, erkranken demnach weniger als 1 %. Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen erst nach der Diagnose von MIS-C eine frühere häufig asymptomatische Infektion mit SARS-CoV-2 entdeckt wird.

Bei allen Patienten beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber, das mindestens 24 Stunden dauert, meist aber über mehr als 5 Tage anhält. Während dieser Zeit treten dann unterschiedliche Symptome und Krankheitszeichen hinzu. Dufort berichtet, dass 97 % der Patienten eine Tachykardie entwickelten, 80 % hatten gastrointestinale Symptome, 60 % einen Hautausschlag, 56 % konjunktivale Injektionen (Rötung der Bindehaut am Auge) und 27 % Schleimhautveränderungen. Die Laboruntersuchungen zeigten bei 100 % ein erhöhtes C-reaktives Protein, 91 % hatten erhöhte D-Dimer-Werte und 71 % einen Anstieg des Troponins.

Die meisten Kinder erkrankten schwer: 62 % benötigten Vasopressoren zur Stützung des Kreislaufs, 53 % hatten Anzeichen einer Myokarditis, 80 % wurden auf eine Intensivstation überwiesen, 2 Kinder starben. Die mittlere Kranken­haus­auf­enthaltsdauer betrug 6 Tage.

Randolph berichtet, dass bei 92 % der Kinder das Magen-Darm-System und bei 80 % das Herz-Kreislauf-System betroffen war. Bei 76 % gab es Veränderungen im Blutbild, 74 % hatten mukokutane und 70 % respiratorische Störungen. Die mediane Dauer des Kranken­haus­auf­enthaltes betrug in dieser Kohorte 7 Tage. Insgesamt 80 % der Patienten wurden auf Intensivstation behandelt, 20 % wurden mechanisch beatmet und bei 48 % musste der Kreislauf medikamentös gestützt werden. 4 Patienten starben.

Aneurysmen an der Koronararterie, eine gefürchtete Langzeitfolge des Kawasaki-Syndroms, wurden in beiden Gruppen bei fast jedem 10. Patienten dokumentiert. Die Patienten mit MIS-C sind in der Regel älter als beim klassischen Kawasaki-Syndrom, sie haben stärkere Entzündungszeichen und eine stärkere Schädigung des Herzmuskels.

Levin befürchtet, dass die beschriebenen Fälle nur die Spitze eines Eisbergs sind und dass sich unter der Oberfläche weitere Erkrankungsfälle befinden. Es wäre demnach nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft in den Regionen, in denen sich SARS-CoV-2 stark ausbreiten konnte, häufiger Kinder mit Aneurysmen an der Koronararterie gefunden werden, die in der akuten Phase nicht aufgefallen waren. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #771752
catch-the-day
am Mittwoch, 1. Juli 2020, 19:21

Impfstatus?

Dieses "Kawasaki-Syndrom" ist offenischtlich ds Resultat einer überschießenden Immunreaktion ähnlich wie dem Zytokinsturm der bei Erwachsenen beobachtet wird.
Es wäre deshalb naheliegend zu untersuchen, welche Reizungen des Immunsystems stattgefunden haben, z.B. durch kürzliche Impfungen.
Leider werden diese Untersuchungen offensichtlich nicht durchgeführt, ebensowenig wie die offensichtliche Korrellation zwischen Grippe-Impfquote bei Menschen über 65 und der Anzahl der Covd-19-Verstorbenen thematisiert wird.
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