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Medizin

Chronische Darmentzündung verdoppelt Demenzrisiko

Freitag, 17. Juli 2020

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Taipei – Chronisch-entzündliche Darm­er­krank­ungen (CED), zu denen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gehören, sind mit einem gegenüber der Allgemeinbevölkerung mehr als doppelten Risiko verbunden, an Demenz zu erkranken. Demenz wird zudem bei Menschen mit den Darm­er­krank­ungen etwa 7 Jahre früher diagnostiziert als bei Menschen ohne diese Darm­er­krank­ung. Das berichten taiwanesische Wissenschaftler im Fachmagazin Gut (DOI: 10.1136/gutjnl-2020-320789).

Die Wissenschaftler stützten sich auf Daten von 1.742 Personen im Alter von 45 Jahren und älter, bei denen zwischen 1998 und 2011 entweder Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn diagnostiziert wurde und die beim taiwanesischen Kran­ken­ver­siche­rungs­programm registriert waren. Dieses wurde 1995 eingerichtet und ist für alle Einwohner Taiwans obligatorisch.

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Ihr kognitiver Gesundheitszustand wurde 16 Jahre lang nach der Diagnose der Darmkrebserkrankung verfolgt und mit dem von 17.420 Personen verglichen, die hinsichtlich Geschlecht, Alter, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Einkommen und Rahmenbedingungen übereinstimmten, aber keine chronische Darm­er­krank­ung hatten.

Während des Beobachtungszeitraums entwickelte ein größerer Anteil der Menschen mit Darm­er­krank­ung eine Demenz (5,5%), als Menschen ohne chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen (1,5%). Zudem wurde bei Menschen mit dem Darmleiden die Demenz durchschnittlich 7 Jahre früher diagnostiziert als bei Menschen ohne die Darmer­krankung, nämlich mit 76 gegenüber 83 Jahren.

Nachdem die Wissenschaftler potenziell einflussreiche Faktoren, darunter Alter und Grunderkrankungen, einbezogen hatten, war die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, bei Menschen mit CED mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne die Erkrankung.

Laut den Forschern hatte weder das Geschlecht noch die Art der CED einen Einfluss auf den Befund. „Aber das Risiko für eine Demenz scheint mit der zunehmenden Dauer des Auftretens von CED verbunden zu sein“, berichten sie.

Sie weisen daraufhin, dass es sich bei der Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt, die als solche Ursache und Wirkung nicht klären kann. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #837765
maylin
am Sonntag, 2. August 2020, 07:37

nur Krebs-Patienten untersucht?

Wie kommt es, dass von CED die Rede ist und im Text plötzlich erwähnt wird "Ihr kognitiver Gesundheitszustand wurde 16 Jahre lang nach der Diagnose der Darmkrebserkrankung verfolgt [...]" ? Nicht jede CED führt zu Darmkrebs. Wurden nur Krebs-Patienten untersucht oder handelt es sich hier um einen Schreibfehler im Text? Für den Ausgang und die Interpretation der Studie ist das meiner Meinung nach ein signifikanter Unterschied.
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