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Ausland

SARS-CoV-2: USA melden mehr als 50.000 Neuinfektionen, steigende Zahlen weltweit

Donnerstag, 2. Juli 2020

/kovop58, stock.adobe.com

Washington – In den USA schnellen die Zahlen zu SARS-CoV-2 in die Höhe. Während US-Präsident Donald Trump weiter an das Verschwinden des Virus glaubt, nahmen mehrere Bundes­staa­ten kurz vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli Lockerungen des Alltagslebens zurück.

Die Johns-Hopkins-Universität meldete für gestern rund 50.700 neuen SARS-CoV-2-Fälle an einem Tag. Schon in der vergangenen Woche hatte das Infektionsgeschehen stark an­gezogen, meist wurden mehr als 40.000 Fälle täglich verzeichnet. Das sind mehr als beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie im April und Mai.

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Besonders betroffen sind die Bun­desstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifor­nien. Insgesamt verzeichneten die USA, die mehr als 320 Millionen Einwohner haben, seit Beginn der Pandemie bisher mehr als 2,6 Millionen Infektionen und mindestens 128.000 Tote.

Mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli zeigten sich mehrere US-Gesundheitsexper­ten angesichts des erwarteten höheren Reiseaufkommens und der Lockerungen besorgt. Es könne sich „ein perfekter Sturm“ zusammenbrauen, zitierte der Sender CNN einen Arzt für Infektionskrankheiten.

Problematisch sei zudem, dass sich die Menschen nicht immer an die Hygienevorschriften hielten. Der führende US-Immunologe Anthony Fauci hatte vorgestern gewarnt, dass es bald täg­lich 100.000 Neuinfektionen geben könnte. Die USA bewegten sich in die falsche Rich­tung.

In Kalifornien und Michigan wurden Lockerungen bereits wieder zurückgenommen. Die Innenbereiche von Bars und Restaurants wurden in mehreren Städten wieder geschloss­en. Im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde eine Maskenpflicht angeordnet.

US-Präsident Trump zeigte sich indes zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft bald wieder erholen wird. „Das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden“, sagte der Republikaner dem Fernsehsender Fox Business. Schon zuvor hatte er immer wieder darauf verwiesen, dass sich die hohen Infektionszahlen durch eine erhöhte Zahl der Tes­tungen erklären ließen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte, das Land befinde sich mitt­lerweile in einer anderen Situation als zu Beginn der Pandemie. „Wir sind ausgestattet für das, was wir am Horizont sehen“, sagte sie in einer Pressekonferenz.

Gegenwind kommt von den Demokraten, die dem Republikaner Trump vorwerfen, vor dem Virus kapituliert zu haben. Mehrere demokratische Senatoren kündigten an, das Ver­halten der Regierung in einer parteiübergreifenden Kommission untersuchen lassen zu wollen. Diese solle ähnlich zusammengestellt werden, wie die Untersuchungskommission für die Terroranschläge vom 11. September.

„Von Anfang an wurde die Reaktion der Verwaltung auf die COVID-19-Pandemie durch Ver­sorgungsengpässe, mangelnde Koordination und die Unfähigkeit, das Virus einzu­dämm­en, erschwert“, sagte die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein in einer Mittei­lung. Es gehe jetzt darum, Lehren für kommende Pandemien zu ziehen.

Auch in Trumps engerem Umfeld hat der Umgang mit dem Coronavirus nach einem CNN-Bericht für Diskussionen gesorgt. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Stabschef Mark Meadow hatten zuletzt eine schnellere Öffnung der Wirtschaft angestrebt und ha­ben nun erhebliche Bedenken mit Blick auf die Wiederwahl im November, wie der Sender mit Verweis auf nicht namentlich genannte Trump-Berater berichtete.

Andere Regierungsmitglieder, darunter Vizepräsident Mike Pence, konzentrierten sich hin­gegen stärker auf die Eindämmung der Pandemie. Trump hatte sich während seiner Präsi­dentschaft immer wieder mit der gut laufenden US-Wirtschaft gebrüstet. Die Pandemie hat die Wirtschaft jedoch empfindlich getroffen. Mehr als 45 Millionen Menschen verlo­ren seit Mitte März mindestens zeitweise ihren Job – so viele wie nie zuvor in solch kur­zer Zeit. Die Arbeitslosigkeit lag im Mai bei 13,3 Prozent.

In der Debatte um die Maskenpflicht hatten sich Trumps Parteifreunde ebenfalls von sei­ner bislang gefahrenen Linie entfernt. Der Präsident hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht. Er wird immer wieder damit konfrontiert, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht mit Maske zeigt – also nicht mit gutem Beispiel vorangeht.

Mittlerweile ist neben anderen republikanischen Politikern auch Vizepräsident Mike Pen­ce öfter mit Maske zu sehen. Trumps Stellvertreter empfiehlt den US-Bürgern jetzt auch aktiv das Tragen einer Bedeckung für Mund und Nase.

Trump selbst betonte im Fox-Interview, in den USA gebe es genug Orte, an denen ausrei­chend Abstand eingehalten werden könne. Er habe persönlich aber keine Probleme da­mit, eine Maske zu tragen. „Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe“, sagte er.

Fälle in Südafrika steigen rasant an

Die USA sind nicht das einzige Land, das weltweit rasant steigende Fälle verzeichnet. In Südafrika steigt die Zahl der Neuinfektionen ebenfalls an. Innerhalb eines Tages melde­ten die Behörden nach den letzten verfügbaren Zahlen 8.124 neue Fälle sowie 92 Todes­fälle.

Nach der Westkap-Provinz mit Kapstadt als Zentrum entwickelt sich nun das Wirtschafts­zent­rum rund um Johannesburg zur Schwerpunktregion. Die Provinz Gauteng stellt jetzt mit 45.944 Fällen knapp 29 Prozent aller landesweiten Fälle, die Westkap-Provinz kommt mit 64,377 Fällen auf 40,4 Prozent. Insgesamt hat Südafrika nach den letzten verfügba­ren Zahlen 159.333 SARS-CoV-2-Fälle verzeichnet.

Das Coronavirus hatte sich im Vergleich zu anderen Weltregionen in Afrika bisher relativ langsam verbreitet, und die meisten Regierungen haben rasch strenge Maßnahmen ver­hängt. Die meisten Todesfälle in Afrika gibt es laut einer Übersicht der Weltgesundheits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) in den Ländern Algerien, Ägypten, Nigeria, Südafrika und Sudan. Süd­afrika gilt bei der Zahl der Fälle als am stärksten betroffen.

Israel auf Rekordwert

Auch in Israel hat die Zahl der Neuinfektionen einen neuen Höchstwert erreicht. Wie das Ge­sund­heits­mi­nis­terium am späten Abend mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 868 neue Fälle registriert. Das ist der höchste Ein-Tages-Wert, der in Israel seit dem Ausbruch der Pandemie registriert wurde. Der bisherige Höchstwert stammt mit 819 vom 3. April.

In der Nacht wurden daher neue Beschränkungen verkündet. Verschiedene Viertel in Lod bei Tel Aviv sowie in der Hafenstadt Aschdod sollten für mindestens eine Woche abgerie­gelt werden.

Auch in den Palästinensergebieten soll von morgen an ein fünftägiger Lock­down in Kraft treten. In Israel und den Palästinensergebieten war die Pandemie zunächst glimpflich verlaufen. Nach Lockerungen sind die Zahlen der Infizierten jedoch seit gut einem Monat stark angestiegen.

Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums ist der Erreger SARS-CoV-2 bisher bei 26.257 Menschen in Israel nachgewiesen worden, 322 Infizierte sind gestorben. In den Palästinensergebieten gibt es bisher 2.758 bekannte Infektionsfälle mit dem Coronavirus, acht Menschen starben.

Katastrophale Zuständen in Bolivien

In Bolivien droht sich die Lage in der Pandemie weiter zuzuspitzen. Wie die Tageszeitung Los Tiempos berichtet, warnen Mediziner, vor dem Kollaps des Gesundheitssystems in der viertgrößten Stadt Cochabamba.

„Wir stehen an einem Beginn einer Katastrophe – gesundheitlich und humanitär“, hieß es. Es gäbe zahlreiche Tote in den Straßen, Häuser und vor den Türen der Hospitäler. Die Tageszeitung Jornada berichtet über eine Überlastung der lokalen Friedhöfe. Dies führe dazu, dass derzeit mindestens 40 Leichen nicht bestattet werden könnten und noch in den Unterkünften auf Abholung warteten.

Nach tagelangen Auseinandersetzungen stimmte das Parlament gestern einem neuen Gesetz zu, dass auch Privatkliniken verpflichtet künftig COVID-19-Patienten aufzuneh­men. Damit soll die Erhöhung der Krankenbettzahlen erreicht werden. Nach WHO-Anga­ben gibt es in Bolivien derzeit rund 32.000 registrierte Infektionen und fast 1.100 Tote. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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