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Politik

Hunderttausende mangelhafte Schutzmasken an Ärzte geliefert

Donnerstag, 2. Juli 2020

/joef, stock.adobe.com

München – An niedergelassene Vertragsärzte in Deutschland sind offenbar hunderttau­sende man­gelhafte Schutzmasken geliefert worden. Mindestens 800.000 der im Frühjahr ver­teilten Masken hätten Mängel gehabt oder hätten nicht den Anforderungen entspro­chen, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR) unter Berufung auf eine Umfrage bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Ein Teil der Masken sei vom Bundesgesundheits­minis­terium (BMG) geliefert worden.

In Niedersachsen waren nach Angaben der zuständigen KV rund 400 Arztpraxen betroff­en. Nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns war die Qualität der vom Bund gelieferten Waren von „unterschiedlicher Qualität“. Man habe zudem „keinen Hin­weis“ vom Ministerium auf Probleme bei den beiden betreffenden Maskentypen erhalten, teilte die KVB heute per Mitteilung mit.

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Zugleich relativierte die KVB die Zahlen. Sie stellte klar, dass es sich in Bayern nur um eine Teil­lieferung vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium georderter Masken gehan­delt ha­be. Angesichts von rund fünf Millionen FFP2-Masken, die die KVB bislang den Ver­trags­ärzten und -psychotherapeuten in Bayern überwiegend auf der Basis eigener Beschaff­ungen zur Verfügung gestellt habe, sei der Anteil an qualitativ minderwertigen Masken gering und liegt bei rund 0,2 Prozent.

Als man von der mangelhaften Qualität zweier bestimmter Maskentypen erfahren habe, habe es Warnhinweise an die Ärzte gegeben. Wer FFP2-Masken eines der beiden Typen erhalten habe, hätte diese bei der KVB umtauschen können.

Gemeinsame Recherchen des BR mit der Rechercheplattform OCCRP und internationalen Partnermedien zeigten außerdem, dass europaweit Behörden Millionen von unsicheren Masken kauften. In vielen Fällen steckte offenbar Betrug mit Zertifikaten dahinter. Die Reporter haben dem Bericht zufolge mehr als hundert Zertifikate ausgewertet. Neben Fälschungen finden sich demnach vor allem irreführende Dokumente, die auch von euro­päischen Zertifizierungsstellen ausgegeben wurden.

Dabei handelt es sich nicht um EU-Behörden, sondern um Firmen, die bestätigen können, ob importierte Produkte den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. Allerdings stellten demnach Unternehmen, die gar keine Schutzausrüstung zertifizieren dürften, wie­derholt ungültige Zertifikate aus.

Vor einigen der mit irreführenden Zertifikaten verkauften Schutzmasken wird inzwischen offiziell gewarnt, auch in Deutschland. Insgesamt listet die Rückrufdatenbank der Bun­des­anstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mehr als 50 mangelhafte Schutzmasken­modelle auf. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF hat Ermittlungen einge­leitet.

In Deutschland war dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium dem BR zufolge schon im April bekannt, dass Zertifikate mit „nur geringer Aussagekraft“ im Umlauf seien, wie es in ei­nem Dokument heißt, das das Ministerium an Händler verschickte und das dem BR vor­lag.

Das Ministerium lässt beschaffte Masken vom TÜV Nord stichprobenartig testen. In meh­reren Fällen lieferte es demnach allerdings Masken aus, die vorher vom TÜV Nord bean­standet worden waren. Das Ministerium begründet diese Fehlzustellungen gegenüber dem BR unter anderem mit dem Zeitdruck der Pandemie-Situation. Die fehlerhafte Ware sei zurückgerufen worden. © afp/may/aerzteblatt.de

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Avatar #112244
MatternRainer
am Freitag, 3. Juli 2020, 10:56

Filtermasken schützen den Patienten nicht vor infizierten Ärzten

Ob Filtermaske wegen des Filters als Beispiel für eine mangelhafte Maske als "Aufmacher" abgebildet wurde, erschließt sich nicht. Ich hätte allerdings eine Klarstellung begrüßt, dass Filtermasken nicht im ärztlichen Umfeld genutzt werden sollen, wenn Ärzte und anderes Personal nicht sicher virenfrei sind (sei es von SARS-CoV 2 oder andere Viren). Denn die Fremd-Schutz-Wirkung geht durch den Filter weitgehend verloren.
Avatar #108208
DR. EBERL
am Donnerstag, 2. Juli 2020, 21:42

Die Pandemie traf die KV-en unvorbereitet und ahnungslos

bei den Feuerwehren bundesweit sind Vollschutzanzüge, Atemschutzgeräte und Dekontaminationsfahrzeuge und -geräte schon seit langem vorher in ausreichendem Umfang vorhanden. Da hätte man die Einsatzkräfte nur im korrekten Entnehmen eines Abstrichs schulen müssen und das ganze wäre für alle Beteiligten an den Teststationen risikolos abgelaufen.
Avatar #760591
53Cicero
am Donnerstag, 2. Juli 2020, 18:44

Typisch BMG

Der letzte Absatz sagt eigentlich alles: und zeigt auch erschreckend die Inkompetenz eines BMG:
„In meh­reren Fällen lieferte es demnach allerdings Masken aus, die vorher vom TÜV Nord bean­standet worden waren. Das Ministerium begründet diese Fehlzustellungen gegenüber dem BR unter anderem mit dem Zeitdruck der Pandemie-Situation. Die fehlerhafte Ware sei zurückgerufen worden.“

Wie kann im Nachhinein eine fehlerhafte Schutzausrüstung zurückgerufen werden, die vorher schon im Gebrauch waren? D.h. es wird billigend in Kauf genommen, dass Kollegen und Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen einer Gefahr, sich eine COVID-19 Infektion auszusetzen, bis man merkt, Ups, dass diese Produkte nicht der Norm als PSA bzw. dem MPG
entsprechen.
Und das bei Beschäftigte die „Systemrelevant“ sind.
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