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Medizin

Typ-2-Diabetes: Netzwerk-Analyse sieht Metformin-basierte Therapie weiterhin als Standard

Freitag, 3. Juli 2020

/Sherry Young, stock.adobe.com

Thessaloniki –Bei 21 verfügbaren Wirkstoffen mit 9 verschieden Wirkungsmechanismen fällt vielen Ärzten die Wahl des richtigen Medikaments für den individuellen Patienten mit Typ-2-Diabetes schwer. Eine Netzwerk-Analyse in den Annals of Internal Medicine (2020; doi: 10.7326/M20-0864) versucht eine Orientierungshilfe zu geben.

Die Endpunktstudien, die die Arzneimittelbehörden den Herstellern seit der Debatte um die Sicherheit von Rosiglitazon auferlegen, haben gezeigt, dass Antidiabetika nicht nur den Blutzucker senken. Die Mittel sind teilweise auch in der Lage, das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken, was ein gewünschter Effekt ist, da die meisten Patienten mit Typ-2-Diabetes nicht an Blutzuckerkrisen, sondern an den Spätkomplikationen sterben, zu denen in erster Linie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören. Zur Krankheitslast, die es zu senken gilt, gehören auch Retino-, Nephro- und Neuropathie, die für viele Folgeerkrankungen verantwortlich sind.

Da es kaum vergleichende Studien gibt, ist es schwierig, die einzelnen Wirkstoffe zu bewerten. Eine Entscheidungshilfe sollen hier Netzwerk-Analysen geben, die die Ergebnisse aus verschiedenen Studien miteinander in Beziehung setzen. Ein Team um Apostolos Tsapas von der Aristoteles Universität in Thessaloniki hat für eine Analyse die Daten aus 453 Studien zusammengetragen, an denen 320.474 Patienten teilgenommen hatten. In 134 Studien wurden einzelne Blutzuckersenker als Monotherapie eingesetzt. Bei 296 Studien wurden einzelne Wirkstoffe einer Metformin-basierten Therapie hinzugefügt und bei 23 Studien wurden Monotherapien mit Metformin-basierten Therapien verglichen.

Die Erstbehandlung erfolgt in der Regel mit Metformin. Bei Patienten mit niedrigem kardiovaskulärem Risiko gibt es laut Tsapas in der Regel keinen Grund, die Behandlung mit einem anderen Mittel zu beginnen. Bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko ist die Situation unklar. Tsapas konnte keine einzige Studie ausfindig machen, die den Wert der verschiedenen Medikamente in dieser Gruppe untersucht hat.

Die meisten Studien wurden bei Patienten durchgeführt, die bereits zuvor mit Metformin behandelt wurden. Bei den Patienten mit einem niedrigen kardiovaskulären Risiko gab es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Wirkstoffen.

Die meisten Endpunktstudien wurden an Patienten durchgeführt, die bereits Metformin erhielten und bei denen das Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis erhöht war. In dieser Gruppe haben die Studien Vorteile für GLP-1-Agonisten und SGLT2-Inhibitoren gezeigt. Die zusätzliche Behandlung mit oralem Semaglutid, Empagliflozin oder Liraglutid verringerte laut Tsapas die Gesamtmortalität und die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle. Für Exenatid oder Dapagliflozin konnte nur eine Verminderung der Gesamtmortalität gezeigt werden.

Sowohl Dulaglutid als auch das subkutane Semaglutid haben die Inzidenz von Schlag­anfällen gesenkt. Für Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin wurde ein günstiger Effekt auf die Hospitalisierungen wegen einer Herzinsuffizienz und die Entwicklung einer terminalen Niereninsuffizienz gezeigt.

In den Studien kam allerdings auch heraus, dass subkutanes Semaglutid das Risiko auf eine diabetische Retinopathie erhöhen könnte. Canagliflozin war mit einer erhöhten Rate von Amputationen verbunden, unter der Behandlung mit Liraglutid kam es dagegen seltener zu Komplikationen eines diabetischen Fußes.

Das letzte Wort zu den Vor- und Nachteilen der einzelnen GLP-1-Agonisten und SGLT2-Inhibitoren scheint aber nicht gesprochen zu sein. Tsapas ermittelte im April in der Datenbank ClinicalTrials.gov 39 laufende oder nicht publizierte Studien zum Einsatz der beiden derzeit am meisten untersuchten Wirkstoffgruppen. Es könnte deshalb schon bald Gründe für eine erneute Netzwerk-Analyse geben. © rme/aerzteblatt.de

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