NewsPolitikRaucher könnten von Screening auf Lungenkrebs profitieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Raucher könnten von Screening auf Lungenkrebs profitieren

Dienstag, 7. Juli 2020

/picture alliance, AP Photo, Richard Drew

Köln – Der Nutzen eines Lungenkrebsscreenings mittels einer Niedrigdosis-Computerto­mo­grafie (Low-Dose-CT) ist für starke Raucher und ehemalige Raucher höher als der Schaden eines solchen Screenings. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem neuen Vorbericht.

Lungenkrebs ist in Deutschland die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern, bei Frauen ist es die zweithäufigste nach Brustkrebs. Bei etwa neun von zehn erkrankten Männern und bei mindestens sechs von zehn erkrankten Frauen wird der Lungenkrebs auf aktives Rauchen zurückgeführt.

Anzeige

Fünf Jahre nach der Erstdiagnose leben nur noch etwa 15 Prozent der Männer und 21 Pro­zent der Frauen. Derzeit existiert in Deutschland kein systematisches Screening auf Lungenkrebs. Die Low-Dose-CT gehört nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversich­erung (GKV). Dabei wird durch die Veränderung verschiedener CT-Para­me­ter wie Röhren­spannung und -strom die Strahlendosis reduziert – bei ausreichender Bild­qualität für die Befundung.

Die IQWiG-Wissenschaftler berücksichtigten für ihren Vorbericht acht Studien mit zu­samm­en mehr als 90.000 Personen. Danach kann das Low-Dose-CT-Screening bei „Perso­nen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko aufgrund von derzeitigem oder ehemaligem starken Tabakkonsum“ das Risiko für einen Lungenkrebstod verringern – und zwar um sechs von 1.000 Personen.

Auf Basis der Studienergebnisse lässt sich jedoch nicht nachweisen, dass die am Scree­ning teilnehmenden Personen auch insgesamt länger leben. Der Grund dafür ist, dass die vor dem Lungenkrebstod bewahrten Menschen stattdessen an weiteren tabakassoziierten Erkrankungen sterben können, zum Beispiel an kardiovaskulären Erkrankungen.

Das IQWiG-Projektteam schätzt es insgesamt dennoch als wahrscheinlich ein, dass sich der Effekt des Low-Dose-CT-Screenings auf die lungenkrebsspezifische Sterblichkeit auch im Gesamtüberleben niederschlägt.

Dem Nutzen des Screenings steht ein Schaden gegenüber, der vornehmlich aus falschen Befunden und Überdiagnosen resultiert. So kommt es den Studien zufolge wegen falsch-positiver Befunde bei 1 bis 15 von 1.000 Personen zu invasiven Abklärungseingriffen, die ohne das Screening nicht durchgeführt worden wären.

Diese Prozeduren können Komplikationen wie etwa das Auftreten eines Pneumothorax ver­ursachen. Geschätzte 0 bis 22 von 1.000 zum Lungenkrebsscreening eingeladene Per­so­nen erhalten zudem eine Diagnose für einen Lungenkrebs, der im Verlauf ihrer restli­chen Lebenszeit keine Beschwerde verursacht hätte.

Dennoch überwiegen nach Auffassung der IQWiG-Wissenschaftler die Vorteile: Sie sehen in der Gesamtabwägung einen Anhaltspunkt für einen Nutzen des Low-Dose-CT-Scree­nings gegenüber keinem Screening. Interessierte können bis zum 4. August Stellungnah­men zu diesem Vorbericht abgeben. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. August 2020
Hamburg – Nur knapp jeder fünfte gesetzlich Krankenversicherte geht während eines Jahres zum Hautkrebsscreening. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK).
Hautkrebs: Nur jeder Fünfte geht zum Screening
31. Juli 2020
Magdeburg – Die Einladung mit einem Termin kommt ins Haus, die Untersuchung soll frühzeitig Brustkrebs erkennen helfen und Leben retten. Dennoch lässt inzwischen knapp jede zweite Sachsen-Anhalterin
Weniger Frauen gehen zum Mammografiescreening
20. Juli 2020
Mannheim – Viele Frauen geben das Rauchen langfristig auf, wenn sie Kinder bekommen. Das zeigt eine Untersuchung des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Hochschule der
Schwangerschaft macht viele Frauen zu Nichtrauchern
14. Juli 2020
Hamburg/Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Urologie kritisiert einen Health-Technology-Assessment-Bericht (HTA) zur Fusionsbiopsie bei Verdacht auf Prostatakrebs, den das Institut für Qualität und
Urologen sehen Nutzen einer Fusionsbiopsie bei Verdacht auf Prostatakrebs
13. Juli 2020
Genf – Mit Blick auf die laut WHO erhöhte Gefahr einer ernsten Erkrankung mit COVID-19 für Raucher hat die Welt­gesund­heits­organi­sation eine Kampagne gegen die Nikotinsucht gestartet. Wer das Rauchen
Rauchen: WHO startet Anti-Nikotin-Kampagne
10. Juli 2020
Berlin – Die Anzahl der vertragsärztlichen Untersuchungen zur Früherkennungskoloskopie im Rahmen der Darmkrebsvorsorge hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Das teilte das Zentralinstituts für die
Zahl der Früherkennungskoloskopien gestiegen
6. Juli 2020
Köln – Die Studienlage liefert im Augenblick keinen Anhaltspunkt dafür, dass regelmäßige Hodenkrebs-Früherkennungsuntersuchungen für asymptomatische Männer ab 16 Jahren zu besseren
LNS LNS LNS

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER