NewsPolitikMedizinische Hilfsmittel: Jeder fünfte Empfänger zahlt Mehrkosten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Medizinische Hilfsmittel: Jeder fünfte Empfänger zahlt Mehrkosten

Montag, 6. Juli 2020

/Monika Wisniewska, stock.adobe.com

Berlin – 80 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) er­hal­ten ihre medizinischen Hilfsmittel über die Krankenkasse ohne Mehrkosten. Jeder fünfte entscheidet sich jedoch bei Hörgeräten, Schuheinlagen oder Prothesen für eine Lösung, die über die Kassenlösung hinausgeht.

Die dabei entstehenden Mehrkosten, die die Versicherten aus eigener Tasche bezahlen, beträgt durchschnittlich 117,75 Euro. Das geht aus dem neuen Bericht des GKV-Spitzen­verbandes über die von GKV-Versicherten gezahlten Mehrkosten bei Hilfsmitteln hervor.

Anzeige

„Uns ist wichtig, dass unsere Versicherten für ihren Krankenkassenbeitrag eine hoch­wer­tige Hilfsmittelversorgung erhalten. Um hohe Qualität zu gewährleisten, schreiben wir das Hilfsmittelverzeichnis regelmäßig fort“, sagte Gernot Kiefer, stellvertretender Vor­standsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.

Gemäß dem für die GKV geltenden Sachleistungsprinzip sollen gesetzlich Versicherte ei­ne ausreichende und bedarfsgerechte Versorgung ohne Mehrkosten erhalten. Der Gesetz­geber hat lediglich eine Selbstbeteiligung als Zuzahlung von mindestens fünf, höchstens aber zehn Euro für jedes Hilfsmittel vorgesehen.

Versicherte haben bei der Versorgung mit Hilfsmitteln die gesetzlich eingeräumte Mög­lich­keit auch über das Maß des medizinisch Notwendigen hinausgehende Ausstattungen zu wählen, müssen dann aber entsprechende Mehrkosten selbst tragen.

Fast 700 Millionen Euro an Eigenleistung

Der neue Bericht wertet Daten zu den im Jahr 2019 gezahlten Mehrkosten aus. Er be­rück­sichtigt rund 29 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen um die 8,6 Milliarden Euro. Demnach sind im vergangenen Jahr in 29,4 Millionen Fällen gesetz­lich versicherte Pa­tien­ten mit Hilfsmitteln versorgt worden. In 5,9 Millionen Fällen leiste­ten die Betrof­fenen dabei Mehrkosten – nämlich insgesamt rund 692 Millionen Euro.

Die Bandbreite der Mehrkosten ist laut dem Bericht groß. So fielen im vergangenen Jahr bei Hörhilfen mit Mehrkosten 1.082 Euro an. Bei Schuheinlagen waren es hingegen nur 30 Euro Mehrkosten.

„In manchen Fällen ist und bleibt es eine schwierige Abgrenzung zwischen dem, was medizinisch notwendig ist und damit solidarisch finanziert wird, und dem, was mehr in den Bereich der Komfortleistungen gehört. Diese Abgrenzung ist für uns immer wieder eine Herausforderung“, sagte Kiefer.

Als Beispiel nannte er die Hörhilfen: Möglichst gutes Hören werde von der Solidarge­mein­­schaft finanziert. „Der perfekte Klang für einen Opernbesuch ist hingegen eher eine Komfortleistung, für die dann Mehrkosten anfallen können“, so Kiefer.

Die Bundesinnung der Hörakustiker wies daraufhin, dass alle Betroffenen bei der Ent­schei­­dung für ein Hörsystem über die Möglichkeit einer hochwertigen und mehrkosten­frei­en Versorgung informiert werden müssen.

52 Prozent der gesetzlich Versicherten nahmen 2019 trotzdem eine Hörsystem­versorgung mit Mehrkosten in Anspruch. Zu mehrkostenpflichtigen Versorgungen gehörten zum Bei­spiel Extras wie Fernbedienungen, ästhetische Optionen oder eine Bluetooth-Anbindung an Smartphones.

Die Bundesinnung weist außerdem daraufhin, dass die Höhe der Mehrkosten die Versor­gungszufriedenheit nicht beeinflusst. Das ergab eine in 2019 vom GKV-Spitzen­verband veröffentlichte Versichertenbefragung zur Qualität der Hörgeräteversorgung in Deutsch­land.

Rund 90 Prozent der befragten gesetzlich versicherten Hörsystemträger sind demnach mit ihrer Versorgung sehr zufrieden bis zufrieden, und zwar unabhängig davon, ob sie sich für eine Versorgung mit oder ohne Mehrkosten entschieden haben. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. August 2020
Berlin – Videoschulungen für Patienten mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 haben sich in den vergangenen Monaten bewährt. Das hat eine Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der niedergelassenen
Diabetes: Verbände für Videoschulungen als Kassenleistung
29. Juli 2020
Berlin – Angesichts der Debatten um eine deutliche Ausweitung von PCR-Tests auf COVID-19 hat eine Zahl aus dem Bundesamt für Soziale Sicherung aufhorchen lassen: Laut einer Aufstellung der
Bislang haben nur vier KVen Coronatests abgerechnet
28. Juli 2020
Frankfurt am Main – Im vergangenen Jahr hat die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) 49,1 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. Davon musste die GKV 73 Prozent (35,9 Milliarden Euro)
GKV-Arzneimittelausgaben trotz Einsparungen weiter gestiegen
10. Juli 2020
München – „Bleib einfach im Bett, wenn Du zum Arzt gehst“ – mit diesem Slogan darf eine Krankenkasse nicht mehr werben. Das hat das Oberlandesgericht München entschieden. Die Zentrale zur Bekämpfung
Krankenkasse darf nicht mit Ferndiagnose werben
9. Juli 2020
Berlin – Die ambulante Krebsberatung wird weiterhin nur unzureichend finanziert, obwohl seit Anfang Juli eine gesetzliche Regelung dazu greift. Das kritisiert die Deutsche Krebsgesellschaft. Die
Weiterhin Kritik an Finanzierung der Krebsberatung
9. Juli 2020
Kassel – Rentner, die eine aus dem Arbeitslohn bezahlte Direktversicherung erhalten haben, müssen darauf weiterhin Beiträge zur gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) bezahlen. Das Bundessozialgericht
Urteil: Weiter Krankenkassenbeitrag aus Direktversicherungen
8. Juli 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen implantierbaren Neurostimulator zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen zugelassen. Das Gerät eines irischen Herstellers stimuliert
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER