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Medizin

Spanien: Erst 5 % der Bevölkerung haben Antikörper gegen SARS-CoV-2

Dienstag, 7. Juli 2020

/ricka_kinamoto, stock.adobe.com

Madrid – In Spanien, das zu den in Europa am stärksten betroffenen Ländern gehört, haben nur 5 % der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2. Dies ergab eine landesweite Seroprävalenzstudie, deren Ergebnisse jetzt im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31483-5) veröffentlicht wurden.

Spanien wurde besonders heftig von der Pandemie erfasst. Bis zum 2. Juli sind mehr als 249.000 Menschen an COVID-19 erkrankt und mehr als 28.000 daran gestorben. Das Instituto de Salud Carlos III hat bereits am 27. April mit einer Seroprävalenzstudie begonnen. Bis zum 11. Mai wurden 61.075 Personen aller Altersgruppen in ganz Spanien getestet. Es ist damit die mit Abstand bisher größte Seroprävalenzstudie in Europa.

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Zum Einsatz kamen 2 Tests. Dies war einmal ein Schnelltest, der an einer kleinen Blutprobe der Fingerbeere durchgeführt wird und innerhalb von 10 Minuten ein Ergebnis liefert. Der zweite Test war ein klassischer Immunassay, der die venöse Blutentnahme erfordert und im Labor ausgewertet wird.

Wie das Team um Marina Pollán berichtet, lieferten beide Tests in etwa gleich häufig ein positives Ergebnis. Die Seroprävalenz lag beim Soforttest bei 5,0 % und beim Labortest bei 4,6 %. Die Ergebnisse waren jedoch in beiden Tests nicht immer die gleichen.

Die „Spezifität-Sensitivitäts“-Breite reichte von 3,7 % (beide Tests positiv) bis 6,2 % (wenigstens ein Test positiv). Keiner der beiden Tests weist neutralisierende Antikörper nach, was aufwändige Versuche an Zellkulturen erfordert hätte. Es ist deshalb nicht sicher, dass die 5 % der spanischen Bevölkerung mit Antikörpern tatsächlich vor einer erneuten Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt wären.

Die Seroprävalenz-Rate von 5 % ist zudem viel zu niedrig, um eine zweite Welle der Epidemie auszuschließen. Für eine Herdenimmunität müssten (unter großzügigen) Annahmen mindestens 43 % der Bevölkerung protektive Antikörper haben. Besser wäre ein Prozentsatz von mindestens 60 %.

Davon ist man in Spanien auch in den Hotspots weit entfernt. Selbst in Madrid, das besonders heftig betroffen war, liegt die Prävalenz nur knapp über 10 %. Die Zahlen sind vergleichbar mit anderen Großstädten wie Genf, wo Anfang Mai 10,8 % der Einwohner Antikörper-positiv waren, oder mit Wuhan, wo die Rate ebenfalls bei etwa 10 % lag.

Trotz der relativ niedrigen Prävalenz gibt es große Unterschiede. In den Küstenregionen haben sich fünfmal weniger Menschen infiziert als in den Großstädten des Landes. Kinder waren seltener infiziert als Erwachsene, Frauen gleich häufig wie Männer. Unter den Berufsgruppen fallen als einzige die Angestellten im Gesundheitswesen auf, von denen 10 % infiziert waren.

Personen, bei denen eine frühere aktive Erkrankung durch Gennachweis im Abstrich dokumentiert war, hatten zu 90 % Antikörper. Bei den Personen mit einem klinischen Verdacht auf COVID-19 waren es nur 18 %. Unter den Kontakten eines bestätigten Falls hatten Mitglieder im gleichen Haushalt das höchste Risiko, sich anzustecken (Seroprä­valenz 37,4 % im Labortest). Am Arbeitsplatz mit einem bestätigten Fall unter Kollegen waren es knapp 10 %.

Der Anteil der Antikörper-Positiven ohne jegliche Symptome lag zwischen 21,9 und 35,8 %, was für Spanien zwischen 375.000 und 1 Million Personen hindeutet, die auf dem Höhepunkt der Epidemie das Virus weitergeben konnten, ohne selbst von der Infektion zu wissen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #811993
Julius Rohrbach
am Dienstag, 7. Juli 2020, 23:51

@DoDo2504

Selbst wenn bei einigen Patienten mit einem milden COVID-19 Verlauf nur IgA-AK vorliegen, spielt das in der Herdenimmunitätsdebatte keine Rolle, da IgA-AK keinen langfristigen Schutz vor zukünftigen Infektionen bieten können.
Avatar #811993
Julius Rohrbach
am Dienstag, 7. Juli 2020, 23:51

@DoDo2504

Selbst wenn bei einigen Patienten mit einem milden COVID-19 Verlauf nur IgA-AK vorliegen, spielt das in der Herdenimmunitätsdebatte keine Rolle, da IgA-AK keinen langfristigen Schutz vor zukünftigen Infektionen bieten können.
Avatar #714460
DoDo2504
am Dienstag, 7. Juli 2020, 20:44

COVID-19 Milder Verlauf - nur IgA-AK!!!

Laut einer Studie von Prof. Onur BOYMAN vom Universitätsspital Zürich finden sich bei Menschen, welche einen milden Verlauf von COVID-19 hatten, nur IgA-Antikörper auf den Schleimhäuten. Und keine IgG-Antikörper im Blut! Wann spricht sich das endlich herum?
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