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Medizin

SARS-CoV-2: Schnelltest liefert Ergebnisse innerhalb von 16 Minuten

Mittwoch, 8. Juli 2020

/dhvstockphoto, stock.adobe.com

Bielefeld – Eine neue Variante der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die einzelne Virusgene vervielfältigt und deren Existenz dann mit einer Farbreaktion anzeigt, kann den Nachweis von SARS-CoV-2 in Abstrichen deutlich beschleunigen. Ein Ergebnis liegt laut einer Publikation in medRxiv (2020; DOI: 10.1101/2020.06.25.20137398) bereits nach 16 Minuten vor.

Bei der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) wird ein kurzer Abschnitt der DNA mit einem Enzym vervielfältigt. Dies geschieht mithilfe eines Enzyms, das eine Kopie des gesuchten Gens herstellt. Dazu wird die Probe aus dem Rachenabstrich kurz auf die „Betriebs­temperatur“ des Enzyms erhöht und dann wieder abgekühlt. Durch die Abküh­lung wird das Enzym gestoppt. Es beginnt bei einer erneuten Erwärmung von vorn. Mit jedem Zyklus verdoppelt sich die Zahl der Genkopien, bis genügend Genmaterial vorhanden ist, um mit einer Fluoreszenzreaktion ein Farbsignal auszulösen.

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Der Kern der PCR-Geräte ist ein Thermocycler, der die Reagenzien abwechselnd erwärmt und abkühlt. Dies ist eine relativ zeitaufwendige Angelegenheit, die dazu führt, dass die Ergebnisse nach frühestens 2 Stunden vorliegen.

Die Firma Molecular Biology Systems B.V. aus Goes in den Niederlanden hat einen Thermocycler (NEXTGENPCR) entwickelt, der die Dauer der Zyklen deutlich verkürzt. Ein Ergebnis liegt nach Angaben des Herstellers bereits nach 16 Minuten vor. Außerdem können mehrere Proben gleichzeitig untersucht werden. Stündlich können 570 Tests durchgeführt werden. Die Methode ist nach Angaben des Herstellers zudem günstiger als die herkömmlichen Tests.

Ein Team um Christian Kaltschmidt von der Universität Bielefeld hat den neuen Thermocycler mit den derzeit eingesetzten Geräten verglichen. Die Ergebnisse herkömmlicher PCR-Tests konnten in allen Fällen reproduziert werden – nur in deutlich kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand, wie der Biologe betont.

Der Hersteller hofft, dass das Gerät demnächst in staatlichen und privaten Testlabors eingesetzt werden kann. Kaltschmidt sieht viele Vorteile in dem neuen Verfahren. Der Test könnte vor allem dort zum Einsatz kommen, wo schnelle Ergebnisse gefragt sind. So könnten beispielsweise Reisende auf Kreuzfahrtschiffen oder am Flughafen vor Beginn der Reise getestet werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Freitag, 10. Juli 2020, 00:11

Der Teufel steckt im Detail

In der Pressemitteilung wird z.B. die Info unterschlagen, wie vor der PCR die Nukleinsäureextraktion abläuft. 16 Minuten für eine PCR ist gut, aber kein Weltwunder.

So gibt es z.B. den Cobas Liat, eine Influenza-PCR incl. Extraktion dauert dort auch nur 25 Minuten. Bei Roche kann man sich sicher sein, dass diese Firma die Technologie und die Logistik bei den Verbrauchsmaterialien im Griff hat. Aber selbst dieses Gerät hat seine Schwächen. Bei blutigen oder schleimigen Abstrichen versagt die integrierte Probenaufarbeitung und der Test muss auf einem herkömmlichen Gerät wiederholt werden. Auch stößt die automatische Auswertesoftware für die Kurven der real-time PCR gelegentlich an ihre Grenzen, bei jedem positiven Ergebnis muss die Kurve von einem erfahrenen Labormitarbeiter überprüft werden.

Deshalb meine Skepsis, wenn da mal wieder ein Wunder angepriesen wird. Wenn vorher eine konventionelle Extraktion nötig ist (die oft zwischen 30 und 60 Minuten dauert), reduziert sich der Zeitvorteil. Die Robustheit des Geräts im Dauerbetrieb und die Qualität der Auswertesoftware sind ebenfalls wichtige Kriterien. Und vor Allem auch die Frage, ob es sich um ein offenes System handelt oder nur die Reagenzien eines Herstellers benutzt werden können. Im zweiten Fall macht man sich abhängig von der Preispolitik und der Logistik-Kompetenz eines einzelnen Herstellers.
LNS

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