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Politik

Beschäftigte im Gesundheitswesen besonders häufig an COVID-19 erkrankt

Mittwoch, 8. Juli 2020

/picture alliance, Andreas Arnold

Berlin – Beschäftigte im Gesundheitswesen sind in den vergangenen Monaten besonders häufig an COVID-19 erkrankt. Das zeigt eine Analyse der Krankschreibungen von AOK-Mit­gliedern durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO).

Danach haben von März bis Mai 2020 1.283 je 100.000 Beschäftigte in der Altenpflege im Zusammenhang mit COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt. Der Durchschnittswert bei allen AOK-Versicherten lag im selben Zeitraum bei 474 Krankheitsfällen je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigten. Die Altenpflegekräfte waren also rund 2,7 mal häufiger betroffen.

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In der Gesundheits- und Krankenpflege lag die Rate laut der WIdO-Analyse nur gering­fügig darunter: Hier haben 1.237 Betroffene je 100.000 Beschäftigte wegen COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt.

Gleichzeitig gab es bei Beschäftigten in der Altenpflege auch häufiger Krankenhausbe­handlungen im Zusammenhang mit COVID-19: Je 100.000 Beschäftigte in der Altenpflege wurden 157 Personen mit dieser Diagnose in einer Klinik behandelt – der Vergleichswert aller AOK-Mitglieder liegt bei 91 je 100.000 Beschäftigen.

Insgesamt erhielten von den 11,6 Millionen AOK-versicherten Erwerbstätigen von März bis Mai 2020 circa 55.000 Beschäftigte von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeit im Zu­sammenhang mit einer COVID-19-Diagnose. Das entspricht 0,5 Prozent der AOK-versi­cher­ten Erwerbstätigen.

Dabei waren Frauen mit 0,6 Prozent häufiger betroffen als Männer (0,4 Prozent). Unter den jüngeren Beschäftigten bis zu 20 Jahren waren Krankmeldungen mit Bezug zu CO­VID-19 am häufigsten (0,7 Prozent), bei den 30- bis 39-jährigen Erwerbstätigen am sel­tensten (0,4 Prozent).

Die Analyse weist laut dem WIdO daraufhin, dass Fehlzeiten im Zusammenhang mit CO­VID-19 bei Berufen wahrscheinlicher waren, in denen die Beschäftigten trotz Lockdown mit einer Vielzahl von Menschen in Kontakt kamen.

Tätigkeiten, die eher im Homeoffice oder in der freien Natur ausgeübt werden, waren da­gegen mit einem niedrigeren Infektionsrisiko verbunden: Die niedrigsten krankheitsbe­ding­ten Fehlzeiten im Zusammenhang mit COVID-19 zeigten sich bei den Berufen in der Hochschullehre und -forschung (110 Betroffene je 100.000 Beschäftigte) und in der Land­wirtschaft (121 Betroffene je 100.000 Beschäftigte).

„Bestimmte Beschäftigtengruppen, die auch in Pandemiezeiten weiter zur Arbeit gegan­gen sind, scheinen stärker von COVID-19 betroffen zu sein. Dies sind vor allem Berufe mit Kontakt zu anderen Menschen. Aber auch Berufe in der Fleischverarbeitung oder der La­gerwirtschaft waren stark betroffen“, sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäfts­führer des WIdO.

Die Daten zeigen laut dem WidO auch, wie sich die Regelung zur telefonischen Krank­schrei­bung bei leichten Erkältungskrankheiten – ohne COVID-19-Verdacht – ausgewirkt hat. Diese Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Erkrankungen der oberen Atemwege galt bundesweit vom 9. März bis zum 31. Mai 2020.

Der Anteil der Atemwegserkrankungen an allen Diagnosen lag im März 2020 knapp drei Prozentpunkte und im April dieses Jahres etwa zwei Prozentpunkte über dem jeweiligen Monatsdurchschnitt der letzten fünf Jahre. „Dies spricht für einen verantwortungsvollen Umgang von Ärzteschaft und Beschäftigten mit der temporären Regelung zur telefonischen Krankschreibung“, sagte Schröder. © hil/aerzteblatt.de

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Hortensie
am Donnerstag, 9. Juli 2020, 19:58

Also besser doch nicht zum Arzt oder in die Klinik

Gerade die Risikopatienten sollten dann doch besser den Gang zum Arzt oder in die Klinik meiden. Denn das Risiko dort angesteckt zu werden, ist höher, zumal man bei bestimmten Untersuchungen weder Abstand halten noch Maske tragen kann.
LNS

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