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Ärzteschaft

Labormediziner raten von flächendeckenden Bevölkerungstests ab

Mittwoch, 8. Juli 2020

/Maksym Yemelyanov, stock.adobe.com

Berlin – Die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests mittel einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) hat in der 27. Kalenderwoche vom 29. Juni bis 5. Juli einen neuen Höchststand er­reicht: Es erfolgten 445.989 Tests. Darauf weist der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) hin.

Grund dafür seien vor allem lokale Hotspots wie in Berlin, Gütersloh, Warendorf sowie Göttingen gewesen. Laut einer ALM-Datenerhebung von 138 bundesweit teilnehmenden Laboren fielen in der Woche 2.541 Tests positiv aus.

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„Es ist gut und richtig, breit und umfassend der Bevölkerung einen niedrigschwelligen Zu­gang zur SARS-CoV-2-Diagnostik zu ermöglichen“, sagte der erste Vorsitzende des Ver­bandes, Michael Müller.

Flächentests aller Bürger seien aber „weder medizinisch angemessen noch epidemiolo­gisch effektiv, sondern letztlich eine nicht notwendige Verschwendung von Finanzmitt­eln“, sagte er. „Wir haben immer auch die begrenzten Ressourcen unseres Gesundheits­systems im Blick zu behalten“, warnte der Verbandsvorsitzende.

Auch ein „Durchtesten“ von Belegschaften eines Unternehmens hält der ALM für nicht sinnvoll. „Auch wenn es verständlich ist, dass Unternehmen aus genereller Sorge vor ei­ner Infektion im eigenen Betrieb nun das Durchtesten von Mitarbeitern in den Blick neh­men: Ein PCR-Test, der bei asymptomatischen Personen ohne Anlass eingesetzt wird, birgt immer die Gefahr, dass das Ergebnis falsch interpretiert wird“, warnte Jan Kramer aus dem Vorstand des ALM.

Denn solche Reihentests blieben auch immer nur eine Momentaufnahme. Die Notwen­dig­keit von Abstandsregeln, dem Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in besonderen Si­tu­ationen und der persönlichen Hand- und Hustenhygiene änderten sich dadurch nicht, betonte der Experte.

Das Pooling – also Gruppentestungen – hält der Verband ebenfalls für problematisch. „Die Einzeltestung ist insbesondere in Bereichen mit unklarer Häufung von Infizierten die sicherste Vorgehensweise. Ohne Zeitverzug verschafft sie den Betroffenen die notwen­di­ge Klarheit“, so Kramer. Das Gruppentesten sei aber bei wissenschaftlichen Fragestellun­gen eine Möglichkeit, erläuterte er.

Für die COVID-19-PCR-Diagnostik stehen im Augenblick laut dem Laborverband in Deutschland rund 940.000 Tests pro Woche zur Verfügung, also mehr als doppelt so viel wie der aktuelle Bedarf. „Die fachärztlichen Labore halten also weiterhin deutlich mehr als ausreichende Kapazitäten für einen Anstieg des Bedarfs an PCR-Tests, zum Beispiel aufgrund regionaler Ausbrüche, vor“, hieß es aus dem ALM. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #830245
Hortensie
am Freitag, 10. Juli 2020, 10:55

@ Practicus

Falsch negative Tests bei der PCR dürften nach meinem Kenntnisstand vor allem dann vorkommen, wenn man nicht in der 1. Woche der Infektion testen kann. In der 1. Woche sollen die Viren noch am ehesten mit einem Abstrich nachweisbar sein.
D. h. man müsste die Testkapazität sehr stark ausweiten, um möglichst viele in der 1. Woche der Infektion zu testen.
Das ist meine Vorstellung.
Ich weiß, dass nun die Gegenargumente Kosten und Testkapazitäten kommen.
Natürlich wird es immer falsch negative Tests auch geben können. Aber allein schon wegen der bei einer Ausweitung der Testzahlen gefundenen positiven Tests wären mehr Testungen sinnvoll.
Denn zumindest diese Patienten würden in Quarantäne kommen.
Und wenn man flächendeckende Tests engmaschig durchführt, wird man so nach und nach doch die Zahl der ansteckenden Personen verringern können.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 10. Juli 2020, 00:53

@Hortensie: Leider nicht!

Angesichts der geringen Verbreitung von SARS-CoV2 sind falsch negative Tests bei der PCR und falsch positive Tests bei Antikörper-Tests einfach viel zu häufig!
Zurzeit sind zB in meiner Stadt 11 von 220.000 EW sicher infizert
Dazu kommen möglicherweise 100 symptomfreie Patienten, von denen 90 entdeckt würden.
Diese falsch negativ getesteten Menschen würden innerhalb weniger Tage soviele Menschen neu infizieren, dass sie wieder ALLE testen müssen, um genausoviele symptomfrei Infizierte zu entdecken wie vor der Testaktion.
Avatar #830245
Hortensie
am Donnerstag, 9. Juli 2020, 20:01

Für Risikopatienten brächten flächendeckende Tests mehr Sicherheit

Denn jeder positiv getestete Mensch wird dann in Quarantäne geschickt und kann so keinen mehr anstecken. Würden also in kurzen Abständen viele flächendeckende Tests erfolgen, würde man das Virus deutlich reduzieren. Risikopatienten könnten dann auch mal das Haus verlassen oder evtl. sogar zum Arzt gehen.
LNS

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