NewsMedizinStudie: Steigern PPI das COVID-19-Risiko?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Steigern PPI das COVID-19-Risiko?

Freitag, 10. Juli 2020

/David H. Seymour, stock.adobe.com

Los Angeles – US-Erwachsene, die an einer Online-Umfrage zu gastrointestinalen Beschwerden teilnahmen, waren doppelt so häufig mit SARS-CoV-2 infiziert, wenn sie eine Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) angegeben hatten.

Patienten, die die PPI 2 Mal täglich einnahmen, waren nach der im American Journal of Gastroenterology (Online) als Preprint veröffentlichten Studie fast 4 Mal häufiger mit dem neuen Coronavirus infiziert. Die Studie weist jedoch einige Unregelmäßigkeiten auf.

Anzeige

Protonenpumpen-Inhibitoren sind gut verträglich, weshalb sie häufig Patienten mit unklaren gastrointestinalen Refluxbeschwerden verschrieben werden. Vielfach werden die Mittel nach dem Abklingen der Symptome prophylaktisch weiter angewendet. Es gibt allerdings Bedenken, dass die langfristige Unterdrückung der Magensäureproduktion nachteilige Folgen für die Gesundheit haben könnte. Zu den Befürchtungen gehört ein erhöhtes Risiko von gastrointestinalen Infektionen.

Da SARS-CoV-2 nach neueren Erkenntnissen auch Darmzellen infizieren kann (Science, 2020; DOI: 10.1126/science.abc1669 ), erschien es Brennan Spiegel von der Fielding School of Public Health in Los Angeles plausibel, dass die Einnahme der PPI das Risiko auf COVID-19 erhöht.

Der Forscher hat hierzu die Ergebnisse einer Online-Umfrage ausgewertet, die das Institut Cint zwischen dem 3. Mai und dem 24. Juni durchgeführt hat. Dort waren die Teilnehmer sowohl nach der Einnahme von PPI als auch nach positiven Tests auf SARS-CoV-2 gefragt worden.

Von den 53.130 Teilnehmern hatten 3.386 (6,4 %) angegeben, dass sie positiv auf COVID-19 getestet wurden. In dieser Gruppe hatten 71,9 % angegeben, auch PPI einzunehmen. Unter den Teilnehmern ohne COVID-19 waren es nur 28,0 %.

Spiegel ermittelt eine Odds Ratio von 2,15, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,90 bis 2,44 signifikant war. Für die Patienten, die PPI 2 Mal am Tag einnahmen, betrug die Odds Ratio sogar 3,67 (2,94 bis 4,60). Dies würde bedeuten, dass das Risiko dosis­abhängig wäre, was in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität ist. Für die Einnahme von H2-Antagonisten, die die Säureproduktion weniger stark hemmen, wurde kein Assoziation gefunden.

Die Studie weist einige Unregelmäßigkeiten auf, die die Glaubwürdigkeit einschränken. So lag der Anteil der Personen, die eine Erkrankung an COVID-19 (oder doch nur eine Infektion mit SARS-CoV-2?) angegeben hatten, mit 6,4 % deutlich über der offiziellen Zahl der Infizierten, die in den USA zur Zeit der Umfrage unter 1 % lag.

In der Studie hatten 69,6 % der Infizierten ein niedriges Bildungsniveau (High School-Abschluss oder weniger) angegeben (gegenüber nur 28,7 % der Nichtinfizierten). Gleichzeitig war der Anteil der Infizierten mit einem Jahreseinkommen von über 200.000 US-Dollar mit 63,5 % (gegenüber 7,4 % der Nichtinfizierten) ungewöhnlich hoch.

Dies entspricht nicht der Realität in den USA, wo Menschen mit niedrigem Schulab­schluss in der Regel ein geringes Einkommen haben. Auch andere Patientenangaben wie der niedrigere Anteil von „Hispanics“ oder Schwarzen unter den Infizierten erscheint nicht plausibel. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob die Studie in dieser Form tatsächlich publiziert wird. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. August 2020
Hamburg/Berlin – Die 16 Wissenschaftsminister der Länder haben in einem Brandbrief an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) mehr Unterstützung für die deutschen Universitätskliniken gefordert.
Wissenschaftsminister wollen mehr Geld vom Bund für Universitätskliniken
7. August 2020
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat nach dem jüngsten Anstieg der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 klargemacht, dass er derzeit keine kritische Schwelle überschritten sieht. „Im
Spahn: Gesundheitswesen kann mit 1.000 Neuinfektionen am Tag umgehen
7. August 2020
Berlin – Der CDU-Wirtschaftsrat hat ein Verbot von Reisen in Coronarisikogebiete gefordert. Das „Reiserecht“ könne nicht höher bewertet werden als die Rechte von Millionen Deutschen, denen ein
CDU-Wirtschaftsrat will Verbot von Reisen in Risikogebiete
7. August 2020
Berlin – In den Bundesländern in Deutschland sollen nach einer Verordnung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) die Testangebote auf SARS-CoV-2 wieder ausgebaut werden. Hintergrund ist, dass seit
Länder und KVen bereiten sich trotz Kritik auf mehr Coronatests vor
7. August 2020
Berlin – Für eine gezielte Eindämmung von SARS-CoV-2-Clustern spricht sich Christian Droste, Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, aus. In der Kontakthistorie
COVID-19: Drosten schlägt neues Konzept für Infektionseindämmung vor
7. August 2020
Schwerin – Kurz nach Schuljahresbeginn haben die ersten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wegen SARS-CoV-2 schon wieder geschlossen. Am Ende der ersten Schulwoche nach den Ferien wurden ein Gymnasium
Erste Schulen wieder geschlossen, Virologen warnen
7. August 2020
Seoul – Jüngere Erwachsene bleiben bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 häufig asymptomatisch, sie haben aber die gleiche Virusmenge in den Abstrichen wie symptomatische Patienten.
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER