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UN-Bericht: Unterernährung vor Anstieg

Montag, 13. Juli 2020

/picture alliance, AA, Muhammed Said

Rom – Die Vereinten Nationen (UN) warnen vor einem sprunghaften Anstieg bei der Zahl der unterernährten Menschen durch die Coronakrise. Derzeit ist mindestens jeder elfte Mensch unterernährt, wie aus dem aktuellen Welternährungsbericht der UN hervorgeht. Dazu gehören auch Millionen Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, um gesund aufzuwachsen.

Insgesamt schätzen die Experten in ihrer heute vorgelegten Studie, dass im Jahr 2019 rund 690 Millionen Menschen unterernährt waren – also knapp neun Prozent der Weltbe­völkerung. Aufgrund der Coronakrise könnten 83 bis 132 Millionen Menschen zusätzlich ernste Not leiden, warnten fünf UN-Behörden, darunter die Welternährungs­organisation (FAO) in Rom.

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„Seit 2014 ist die Zahl hungriger Menschen weltweit langsam angestiegen“, heißt es in dem Report für 2020. Das Plus seither betrage knapp 60 Millionen Menschen – das ist etwa die Einwohnerzahl Italiens. In den Jahren 2017 und 2018 hätten Konflikte und ex­tre­me Klimalagen die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst. Beim Anstieg des Vorjah­res um rund zehn Millionen unterernährte Menschen seien Wirtschaftskrisen ausschlag­ge­bend gewesen.

Für 2020 verdüsterten nun die Coronapandemie und eine „beispiellose Heuschrecken­pla­ge“ in Ostafrika die Aussichten drastisch. „Die Situation kann sich nur verschlimmern, wenn wir nicht dringend handeln“, schreiben die Chefs der fünf UN-Organisationen.

Bei der Gesamtzahl der hungrigen Menschen nahmen die UN im neuen Report allerdings für mehrere Jahre eine deutliche Korrektur nach unten vor: Im Vorjahr war noch von 812 Millionen Unterernährten weltweit die Rede gewesen. Grund für die Absenkung sei, dass die Schätzwerte für 13 Länder neu berechnet wurden. Es habe neue Daten etwa über Be­völkerungszahlen und die Versorgung von Haushalten mit Lebensmitteln gegeben.

Gravierend sei dabei China, wo etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung lebe: „Die Verände­rung der Unterernährungsschätzung für China bis ins Jahr 2000 führte zu einer deutlich geringeren Zahl von unterernährten Menschen weltweit“, heißt es im Bericht. An der Spit­ze der Welternährungsorganisation steht seit 2019 der Chinese Qu Dongyu. Eine FAO-Sprecherin erläuterte, es sei eine „Routine-Anpassung“.

Noch vor sechs Jahren hatte die FAO von einem Lichtblick im Kampf gegen den Hunger und von sinkenden Zahlen gesprochen. Das Ziel der Staatengemeinschaft, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu stoppen, bleibt mit den neuen Prognosen jedoch in weiter Ferne. Im Ge­genteil: Wenn sich der Trend der vergangenen Studien fortsetze, könnte es in zehn Jah­ren über 840 Millionen Unterernährte geben.

Für den neuen Report haben neben der FAO das Kinderhilfswerk Unicef, die UN-Gesund­heitsorganisation WHO, der Hilfsfonds IFAD und das Welternährungsprogramm WFP Da­ten zusammengetragen. In Asien leben nach Angaben der Experten am meisten hungrige Menschen (rund 380 Millionen). Allerdings habe der Kontinent Fortschritte im Kampf ge­gen den Hunger erzielt. In Afrika dagegen wachse die Zahl am schnellsten.

Jeder vierte Mensch – oder rund zwei Milliarden Männer, Frauen und Kinder – haben in ihrem Leben schon gehungert oder zeitweise nicht gewusst, woher das Essen für die nächsten Woche kommen soll, heißt es in der Studie. Wenn das Problem Kinder treffe, würden sie oft lebenslange Gesundheitsschäden erleiden.

Im Bericht steht, dass geschätzt 144 Millionen unter Fünfjährige (21 Prozent) im Jahr 2019 wegen Ernährungsnot zu klein waren. Weitere 47 Millionen (7 Prozent) der Alters­gruppe hatten Untergewicht für ihre Größe. Zugleich gehen die Experten von 38 Millio­nen Kindern in dem Alter (knapp 6 Prozent) aus, die Übergewicht haben. © dpa/aerzteblatt.de

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