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Medizin

Remdesivir senkt laut Hersteller COVID-19-Sterbe­risiko

Montag, 13. Juli 2020

/picture alliance, Fadel Dawood

San Francisco – Das Medikament Remdesivir kann nach Angaben des Herstellers das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf von COVID-19 deutlich vermindern. Eine nicht-randomisierte Vergleichsanalyse zeigte eine Senkung des relativen Sterberisikos um 62 %, wie das US-Pharmaunternehmen Gilead am Freitag zum Abschluss der Welt-Aids-Konferenz in San Francisco bekanntgab.

Remdesivir ist das einzige in der EU zugelassene Medikament zur spezifischen Behand­lung von COVID-19. Die Welt-Aids-Konferenz, die in der Nacht zu vorgestern zu Ende ging, hatte in diesem Jahr wegen der Coronapandemie erstmals im Internet statt­gefunden – und die SARS-CoV-2 gleich auch noch auf die Tagesordnung gesetzt.

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Dem Pharmaunternehmen zufolge lag bei der Standardtherapie an Tag 14 nach Behandlungsbeginn die Sterblichkeit von schwer an COVID-19 erkrankten Patienten bei 12,5 %. Wurden Patienten zusätzlich mit Remdesivir behandelt, starben nur 7,6 %.

Unter Berücksichtigung dieser Zahlen und anderer patientenbezogener Faktoren kommt Gilead dann auf das um 62 % durch das Medikament gesenkte Sterberisiko.

Kein randomisierter Vergleich

Ein unabhängiger Experte rät aber zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten, die nicht aus einer randomisierten Studie stammen. Zwar weise die Untersuchung auf eine gute Wirksamkeit des Mittels hin, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdiszi­plinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings seien bei der Analyse 2 Gruppen verglichen worden, die man nach geltenden Standards eigentlich nicht vergleichen dürfe.

So standen auf der einen Seite 312 Patienten aus der Phase-III-Studie SIMPLE-Severe, die mit Remdesivir behandelt wurden. Als Vergleichsgruppe diente eine historische Real-World-Kohorte von 818 Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf, die die Standard­therapie erhalten hatte.

Laut Gilead hatten die Patienten in den beiden Gruppen vergleichbare Ausgangs­bedingungen und waren ähnlich schwer erkrankt. Dennoch: Ob diese beiden Gruppen tatsächlich ähnliche Grundvoraussetzungen bezüglich Alter, Gesundheit, Begleit­erkrankungen, Ethnie und anderen Risikofaktoren gehabt hätten, sei unklar, so Janssens.

Um die Ergebnisse zu prüfen, sei eine sogenannte prospektiv randomisierte klinische Studie nötig. Darauf weist aber auch Gilead selbst hin.

Remdesivir wurde erst vor einer Woche von der EU-Kommission zugelassen, weil es die Genesungszeit im Schnitt von 15 auf 11 Tage verringert. Ausreichende Daten zu einem verminderten Sterberisiko lagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Gilead stellte außerdem separate Subgruppenanalysen der Simple-Severe-Studie vor, darunter eine Auswertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Remdesivir bei verschie­denen ethnischen Gruppen. Ergebnis: Sie erreichten in der Studie die gleichen klinischen Outcomes wie die Gesamtpopulation.

Neue Daten zu Remdesivir bei Kindern und Schwangeren

Ebenfalls beim Aids-Kongress präsentiert wurden neue Analysen aus dem Compassionate-Use-Programm des Unternehmens. Demnach haben sich 83 % der pädiatrischen Patienten (n=77) und 92 % der schwangeren und postpartalen Frauen (n=86), die mit Remdesivir behandelt wurden, bis Tag 28 von der Erkrankung erholt. In diesen Populationen hätten sich keine neuen Sicherheitssignale gezeigt, so Gilead.

Weitere Daten zum Einsatz von Remdesivir bei Kindern soll einen global Open-Label-Phase-II/III-Studie liefern, die Gilead vor Kurzem ankündigte. Sie wird die Sicherheit, Verträg­lichkeit und Pharmakokinetik des Mittels bei Kindern im Alter von 0 bis unter 18 Jahren untersuchen. Darüber hinaus sei man an einer Studie mit schwangeren Frauen beteiligt, hieß es von dem Unternehmen.

Die USA haben sich zwar einen Großteil der bis September anvisierten Produktions­menge des Mittels gesichert. Deutschland hat sich nach Auskunft des Gesundheits­ministeriums aber frühzeitig Remdesivirvorräte gesichert. © nec/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760158
wilhem
am Dienstag, 14. Juli 2020, 13:53

Hat das DÄ ebenfalls darüber berichtet

https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=1&typ=1&nid=112462&s=Remdesivir&s=lancet
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Dienstag, 14. Juli 2020, 13:49

Relatives Risiko obsolet

Muss dem DÄ sagen, dass die Angabe von relativen Risikoreduktionen wissenschaftlich obsolet ist und nur ein unseriöses Marketinginstrument des Pharmamarketings? Man sollte solche Aussagen nicht einmal zitieren. Zudem ist dieses Schundpapier nicht mal radomisiert!!

Es GIBT aber eine RANDOMISIERTE, DOPPELBLINDE, PLACEBOKONTROLLIERTE Studie mit folgendem Ergebnis:

"In this study of adult patients admitted to hospital for severe COVID-19, remdesivir was not associated with statistically significant clinical benefits."
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31022-9/fulltext
LNS

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