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Medizin

Studien: COVID-19-Genesene möglicherweise nicht dauerhaft immun

Dienstag, 14. Juli 2020

/freshidea, stock.adobe.com

London/München – Die Konzentration an Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nimmt im Blut genesener COVID-19-Patienten mitunter schnell wieder ab. Mehrere Untersuchungen deu­ten mittlerweile darauf hin, dass die Immunität gegen eine erneute Infektion mögli­ch­er­weise schon nach wenigen Monaten wieder verloren geht. Die neuen Ergebnisse däm­pfen die Hoffnung auf eine lang anhaltende Immunität und damit auch auf eine lan­ge Wirksamkeit einer möglichen Impfung.

So berichteten britische Forscher am vergangenen Samstag auf dem Preprint-Server med­rxiv, dass sie nach einer überstandenen Infektion zwar auch nach leichten Verläufen Anti­körper feststellen konnten. 60 % der 90 Untersuchten zeigten demnach sogar eine „starke Reaktion“ auf die Infektion.

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Doch nach 3 Monaten hätten nur noch 16,7 % der Blutproben hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen das Coronavirus aufgewiesen, so die Forscher vom King’s College in London. Und bei mehreren Patienten seien nach 3 Monaten überhaupt keine Antikörper mehr nachweisbar gewesen.

Ähnliche Beobachtungen machte auch der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner: Bluttests der ersten COVID-19-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in der München Klinik Schwabing behandelt worden waren, zeigten ein deutliches Absinken der Anzahl neutralisierender Antikörper im Blut.

„Bei 4 der 9 Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper“, sagte Wendtner. Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien habe, sei derzeit noch spekulativ, müsse aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden. Es deu­te aber darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei.

Die Erkenntnisse aus Großbritannien und München reihen sich ein in Erfahrungen ande­rer Wissenschaftler. Chinesische Forscher etwa berichteten kürzlich im Fachblatt Nature Medicine, dass die Antikörper nach 2 Monaten vor allem bei Patienten mit symptomfrei­em Verlauf stark zurückgingen.

Aber auch bei tatsächlich erkrankten Patienten fielen die Werte deutlich. Patienten mit wenig Symptomen hatten zudem weniger Antikörper und somit eine schwächere Immun­antwort entwickelt.

Dauerhafte Wirkung einer Impfung fraglich

„Wenn die Antikörper innerhalb von 2 bis 3 Monaten wieder zurückgehen, könnte es sich bei einem Impfstoff ebenso verhalten“, sagte Katie Doores, die leitende Autorin der Stu­die am King’s College der britischen Zeitung The Guardian. Eine einzige Injektion des Impfstoffes könnte dann möglicherweise nicht genügen.

Allerdings, so Wendtner, sei für die Langzeitimmunität neben der B-Zell-assoziierten, über Antikörper gemessenen Immunität auch die T-Zell-Immunität relevant. Wenn Patien­ten neutralisierende Antikörper verlören, könne diese eventuell weiterhin Schutz ver­mitteln. © nec/afp/dpa/aerzteblatt.de

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