NewsPolitikCOVID-19: PKV-Institut legt Ländervergleich vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

COVID-19: PKV-Institut legt Ländervergleich vor

Dienstag, 14. Juli 2020

/tadamichi, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronapandemie ist bislang weltweit unterschiedlich gut bewältigt worden. Im Rahmen einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) wurde nun analysiert, weshalb Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern gerin­gere Infektionszahlen und Todesfälle zu verzeichnen hat.

Diese Unterschiede seien „erklärungsbedürftig“, betonte Timm Genett, Geschäftsführer des PKV-Verbandes, heute bei der Präsentation der WIP-Studie. Die Standortbestimmung bei der Frage der Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems solle in die wei­teren wissenschaftlichen und politischen Diskussionen einfließen – etwa bezüglich der Vorbereitung auf eine mögliche zweite Welle.

Anzeige

Die Analyse des WIP identifizierte mehrere Ursachen für die in Deutschland vergleichs­wei­se gut gelungene Bewältigung der Coronakrise. Zum einen seien von der Politik früh­zeitig adäquate Eindämmungsmaßnahmen ergriffen worden, so Studienautorin Christine Arentz.

Zudem kristallisiere sich die umfassende ambulante Testung und Behandlung von Coro­na­in­fizierten als großer Vorteil heraus: In Deutschland seien nur 20 Prozent der Infizier­ten im Krankenhaus behandelt worden, während es in Frankreich beispielsweise 67 Pro­zent und in Spanien 50 Prozent waren. Die Überlastung der Krankenhäuser habe man so in Deutschland verhindern können.

Auch die Sicherung der stationären Pflegeeinrichtungen sei besser gelungen als in ande­ren Ländern. Die starke Betroffenheit der Pflegeheime mit ihren der Hochrisikogruppe an­gehörigen Bewohnern spiegelt sich in den Todesfällen wider: In Deutschland entfallen bisher laut offiziellen Statistiken etwa 39 Prozent der gesamten mit COVID-19 assoziier­ten Todesfälle auf Bewohner von Pflegeheimen. In Belgien waren es bisher 51 Prozent, in Spanien bis zu 66 Prozent.

Anteilig an allen Pflegeheimbewohnern sind laut WIP-Studie in Deutschland 0,4 Prozent aller Bewohner an dem Coronavirus verstorben – in Belgien waren es 3,7 Prozent. Auch Länder wie Frankreich oder Schweden haben hier deutlich schlechtere Zahlen als Deutsch­land zu verzeichnen.

Außerhalb der Pflegeeinrichtungen könnte der Schutz der älteren Generation durch Deutschlands Haushaltsstruktur ermöglicht worden sein, so Arentz. Die ältere Bevölke­rung, die einem höheren Risiko ausgesetzt ist, lebe hier primär allein oder in Paarhaus­halten. Ein generationenübergreifendes Zusammenleben, das in den südlichen Ländern eher verbreitet ist, könne gegebenenfalls eine innerfamiliäre Ansteckung der Älteren begünstigen.

Im internationalen Vergleich wurden in Deutschland insgesamt eher jüngere Personen infiziert: Der Anteil der über 50-Jährigen an den Infizierten lag bei 50 Prozent, in England, Spanien und Italien bewegen sich die Anteile um die 70 Prozent.

Die Kombination dieser Faktoren habe laut WIP dazu geführt, dass die Übersterblichkeit in Deutschland trotz hohem Durchschnittsalter der Bevölkerung im Vergleich gering gehalten werden konnte. © aha/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 14. Juli 2020, 20:57

Übersterblichkeit: Zeitraum ist wichtig

@ HartmutSteeb:

Um die Frage zu beantworten, ob Corona zu einer Übersterblichkeit geführt hat, dürfen Sie logischerweise für 2020 nur den Zeitraum betrachten, in dem durch Corona Menschen gestorben sind und dazu den entsprechenden Zeitraum der Vorjahre. Hier können Sie es sich grafisch ansehen: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/06/05/coronakrise-uebersterblichkeit-vorbei-erstmal/
Avatar #833365
HartmutSteeb
am Dienstag, 14. Juli 2020, 20:46

Übersterblichkeit

Sie schreiben von Übersterblichkeit, die in Deutschland weniger groß ausgefallen wäre als in anderen Ländern. Aber Tatsache ist doch: Es gibt keine Übersterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu 2019 sondern eine Untersterblichkeit und schon gar nicht im Vergleich zu 2018. Da sind bisher ca. 25.000 Menschen im Jahr 2020 weniger gestorben als 2018 und das, obwohl normalerweise die Zahl der Sterbenden in Deutschland von Jahr zu Jahr steigt. Warum diese Irreführung?
LNS

Nachrichten zum Thema

14. August 2020
Berlin – Im Chaos um die Beschaffung von Schutzmasken steht das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) von Jens Spahn (CDU) demnächt wohl vor Gericht. Nach Angaben des Landgerichts Bonn, wo die Behörde
Chaos um Schutzmasken: Händler fordern Millionen vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium
14. August 2020
Kupferzell – Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der baden-württembergischen Gemeinde Kupferzell zur Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zeigt die Wirksamkeit der Maßnahmen gegen die
Hohe Dunkelziffer bei Infektionen mit SARS-CoV-2 in Kupferzell festgestellt
14. August 2020
Karlsruhe – Es ist für viele in der Coronapandemie ein Horrorszenario, wenn Ärzte bei Behandlungsengpässen Patienten aufgeben müssen. Staatliche Vorgaben für die Entscheidung zwischen Leben und Tod
COVID-19: Entscheidung über Triage bleibt vorerst Ärzten überlassen
14. August 2020
Berlin – Die Bundesregierung hat die Aufarbeitung der Probleme bei Coronatests von Urlaubsrückkehrern in Bayern begrüßt. Es sei eine schwere Panne passiert, die sehr ernsthaft und bedauerlich sei,
Bund begrüßt Aufarbeitung der Coronatestpanne in Bayern
14. August 2020
Berlin – Die finanzielle Unterstützung der Krankenhäuser durch die Bundesländer in der Coronapandemie fällt sehr unterschiedlich aus. Das hat eine Umfrage des Deutschen Ärzteblatts (DÄ) unter den
Coronakrise: Länder unterstützen Krankenhäuser unterschiedlich
14. August 2020
Berlin – Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hat darauf hingewiesen, dass die Krankenhäuser die Auslastung, die sie vor der Coronapandemie hatten, auf
DKG: Normalbelegung im Krankenhaus wird weiterhin nicht möglich sein
14. August 2020
Berlin – Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland ist erneut leicht gestiegen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER