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Ausland

Britische Forscher warnen vor neuer Coronawelle

Mittwoch, 15. Juli 2020

/Oleksii Nykonchuk, stock.adobe.com

London – Düstere Prognosen für das Vereinigte Königreich: Renommierte Wissen­schaftler warnen vor einer großen zweiten Coronawelle mit bis zu 120.000 Todesfällen in Großbri­tannien. Demnach könnte der Höhepunkt im Januar und Februar erreicht werden. An der Studie waren 37 Wissenschaftler beteiligt, darunter der medizinische Regierungs­berater Patrick Vallance.

Bereits jetzt ist Großbritannien das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Zudem könnte es künftig stark unter den Brexit-Folgen leiden. Die Forscher der Akademie der medizinischen Wissenschaften stellten mehrere Modellrechnungen vor und sprachen bei der Annahme von 120.000 Todesfällen von einem „Worst-Case-Szenario“ („schlimmsten Fall“).

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„Das Risiko kann verringert werden, wenn wir sofort handeln“, teilten die Experten in ihrer gestern veröffentlichten Studie mit. Im Szenario mit 120.000 Toten gehen sie unter anderem davon aus, dass Großbritannien nicht mit Ausgangsbeschränkungen reagiert.

Die Wissenschaftler warnten vor einem Zusammentreffen des nächsten Ausbruchs mit einer Grippewelle. Schon zuvor stand der chronisch unterfinanzierte staatliche Gesund­heitsdienst NHS im Winter beim Ansturm der Grippekranken oft vor dem Kollaps.

Zudem könnten sich im Winter mehr Menschen in geschlossenen Räumen mit dem Coro­navirus anstecken als im Sommer, erklärten die Forscher. Ein zweiter Ausbruch zwischen September 2020 und Juni 2021 dürfte ihrer Ansicht nach schlimmer ausfallen als der erste.

Bislang sind nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums knapp 45.000 Infizierte lan­desweit während der ersten Welle gestorben. Es wird aber mit einer hohen Dunkel­ziffer gerechnet.

Kritiker warfen der Regierung vor, viel zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben. Premierminister Boris Johnson hatte sich anfangs noch damit gerühmt, Corona­infizierten die Hände geschüttelt zu haben – er erkrankte schließlich selbst an COVID-19.

Zufall oder nicht? Pünktlich zum Erscheinen der neuen Studie wurde eine Maskenpflicht in England angekündigt. Vom 24. Juli an müssen zum Schutz vor dem Coronavirus in Supermärkten und anderen Geschäften in England Gesichtsmasken getragen werden. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Für Kinder unter elf Jahren gilt die Regelung nicht. Die Ärzteorganisation British Medical Association und Oppositionspolitiker nannten die Maßnahme „längst überfällig“.

In Schottland gilt bereits eine Maskenpflicht in Geschäften. In England war darüber ge­stritten worden; teils gab es auch widersprüchliche Angaben aus der Regierung dazu. So hatte Staatsminister Michael Gove noch am Sonntag in einem Interview gesagt, dass eine Maskenpflicht nicht notwendig sei. In öffentlichen Verkehrsmitteln in England müssen bereits Masken getragen werden. © dpa/aerzteblatt.de

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