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Medizin

Alkohol aktiviert Mikroglia im Gehirn

Freitag, 24. Juli 2020

/viappy, stockadobecom

Mannheim – Andauernder Alkoholkonsum aktiviert die Mikroglia im Gehirn, was zu einer erhöhten Diffusion von Botenstoffen zwischen den Nervenzellen führt. Dies könnte zur Suchtbildung beitragen. Eine entsprechende Studie hat ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Science Advances vorgestellt (DOI 10.1126/sciadv.aba0154). An der Arbeit war das Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim maßgeblich beteiligt.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf die Form und Struktur des sogenannten Extrazellularraumes (EZR) im Gehirn. Sie arbeiteten dabei mit Ratten und mit menschlichen Versuchsteilnehmern.

Der EZR besteht aus Hohlräumen und Kanälen, die sich zwischen Nerven- und Gliazellen sowie deren Fortsätzen bilden. Der EZR ist mit Flüssigkeit gefüllt. Dort zirkulieren Subs­tanzen, die für verschiedene physiologische Prozesse notwendig sind. „Nach chronischer Alkoholexposition reagieren die Immunzellen des Gehirns, sie schrumpfen und ziehen ihr dichtes Geflecht aus Fortsätzen zurück.

Durch den Wegfall von Barrieren ändert sich die Geometrie des EZR und es ergeben sich neue Diffusionswege“, erläutert Santiago Canals vom Instituto de Neurosciencias in Ali­cante. Er hat die Studie zusammen mit Wolfgang Sommer geleitet, dem stellvertretender wissenschaftlichen Direktor des Instituts für Psychopharmakologie und Oberarzt an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. „Viele Botenstoffe, zum Beispiel das für das Belohnungslernen wichtige Dopamin, verteilen sich über das Volumen des EZR. Die erhöhte Diffusion kann ihre Aktivität deutlich beeinflussen“, so Canals.

Wenn die Diffusion im EZR erhöht ist, dann steigt laut den Wissenschaftlern auch die sogenannte Volumentransmission. Diese ist eine besondere Art der Signalübertragung im Gehirn. Sie unterscheidet sich von der üblichen Punkt-zu-Punkt-Kommunikation über Synapsen durch das gleichzeitige Erreichen vieler Kommunikationselemente über die in den EZR freigesetzten Neurotransmitter. „Dadurch werden eine Vielzahl von Kommuni­kationsprozessen im Gehirn beeinflusst“, erläutert Sommer.

Die in der Studie beschriebenen Interaktionen zwischen Nerven- und Immunsystem bieten laut den Wissenschaftlern einen Erklärungsansatz, wie Alkohol, trotz anfänglich eher schwacher akuter Effekte auf das Belohnungssystem, über die Zeit Anpassungsreak­tionen auslöst, welche seine Wahrnehmung und seinen Konsum begünstigen sowie das Verlangen nach der Droge steigern – „mit anderen Worten eine Suchtentwicklung befördern,“ erläutert Sommer. © hil/aerzteblatt.de

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