NewsMedizinCOVID-19: Hydroxychloroquin (auch) bei milden Erkrankungen ohne Wirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Hydroxychloroquin (auch) bei milden Erkrankungen ohne Wirkung

Montag, 20. Juli 2020

/Sherry Young, stock.adobe.com

Minneapolis – Nachdem sich Hydroxychloroquin in einer randomisierten Studie zur Postexpositionsprophylaxe von SARS-CoV-2 als ineffektiv erwiesen hat, zeigen die jetzt publizierten Ergebnisse einer Parallelstudie in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/M20-4207), dass das Mittel auch bei ambulanten Patienten mit milder COVID-19 unwirksam ist.

Die beiden Studien waren am 22. März begonnen worden, als die erste Welle der Epidemie die USA und Kanada erreicht hatte. Einem Team um David Boulware von der Universität von Minnesota in Minneapolis gelang es damals, in aller Eile zwei Studien zu organisieren. An der ersten Studie hatten 821 asymptomatische Personen teilgenommen, die im Haushalt oder am Arbeitsplatz Kontakt zu an COVID-19 erkrankten Personen gehabt hatten. Sie waren auf die Einnahme von Hydroxychloroquin oder Placebo randomisiert worden. Die bereits im Juni im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMoa2016638) vorge­stellten Ergebnisse zeigten, dass sich Hydroxychloroquin in der Postexpositionsprophylaxe weitgehend wirkungslos ist. Die Inzidenz von Erkrankungen wurde nur unwesentlich und statistisch nicht signifikant von 14,3 auf 11,3 % gesenkt.

Anzeige

Jetzt liegen auch die Ergebnisse der „COVID-19 PEP“-Studie vor. In 40 US-Bundesstaaten und 3 kanadischen Provinzen waren 491 ambulante Patienten auf eine fünftägige Behandlung mit Hydroxychloroquin oder Placebo randomisiert worden. Zu den Einschlusskriterien gehörte, dass der Beginn der Symptome nicht länger als 4 Tage zurückliegen durfte. Wegen des damaligen Mangels konnte nur bei 58 % der Teilnehmer ein Test auf SARS-CoV-2 durchgeführt werden. Bei den anderen wurde eine Infektion aufgrund der Symptome und/oder eines Kontakts mit Erkrankten angenommen.

Studienteilnehmer waren relativ jung

Die Teilnehmer waren mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren relativ jung. Zwei Drittel (68 %) waren ohne Begleiterkrankungen, mehr als die Hälfte (57 %) arbeitete im Gesund­heitswesen. Bei 56 % der Teilnehmer wurde die Behandlung innerhalb eines Tages nach Beginn der Symptome begonnen. Im Vordergrund standen Husten (65 %), Abgeschlagenheit (52 %) und Kopfschmerzen (51 %).

Primärer Endpunkt der Studie war der Schweregrad der Symptome, der durch die Angaben der Teilnehmer auf einer 10-Punkte umfassenden visuellen Analogskala (VAS) erfasst wurde. In beiden Gruppen erholten sich die meisten Patienten im Verlauf von 14 Tagen. Der Rückgang auf der VAS betrug in der Hydroxychloroquin-Gruppe im Mittel 2,60 Punkte gegenüber einer Verbesserung um 2,33 Punkte in der Placebogruppe. Die absolute Differenz von 0,27 Punkten war nach Berechnungen von Boulware mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,07 bis 0,61 Punkten nicht signifikant.

In beiden Gruppen hatten die meisten Patienten die Erkrankung nach 14 Tagen über­wunden. In der Hydroxychloroquin-Gruppe waren noch 49 von 201 Patienten (24 %) symptomatisch. In der Placebogruppe waren es 59 von 194 Patienten (30 %). Auch hier war der Unterschied nicht signifikant.

In der Hydroxychloroquin-Gruppe mussten 4 Patienten hospitalisiert werden und 1 Patient starb außerhalb der Klinik. In der Placebogruppe gab es 10 Hospitalisierungen, darunter 2 wegen anderer Erkrankungen. Es gab ebenfalls 1 Todesfall.

Wie in der Parallelstudie kam es in der Hydroxychloroquin-Gruppe häufiger zu Nebenwirkungen (43 versus 22 % der Patienten).

Die beiden Studien liefern laut Boulware keine überzeugenden Beweise dafür, dass Hydroxychloroquin nach einem Kontakt mit einem Infizierten einen Ausbruch der Erkrankung verhindern kann, noch könne es im Fall einer Infektion den Verlauf der Erkrankung abschwächen. Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrungen an hospitalisierten Patienten, etwa in der britischen RECOVERY-Studie, in der sich Hydroxychloroquin ebenfalls als wirkungslos erwiesen hat. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #841558
HealthyLife
am Mittwoch, 9. September 2020, 11:45

"Erfolgreiche" Studie

Hier ist eine aktuelle Studie, bei der die Verabreichung einer niedrigen Dosis Hydroxychloroquin zu einer gesunkenen Sterberate bei Erkrankten führte:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0924857920303423
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Dienstag, 4. August 2020, 12:36

Kein Profitinteresse

Hydroxychloroquin ist zweifellos ein sehr kritisches Medikament, das man nach Möglichkeit nicht verwenden sollte - wegen der gravierenden Gefahr schwerer NW. Wären diese Studien aber von Gilaed über Remdesivir gemacht worden, würde das Fazit anders lauten: eine ermutigende Tendenz zu besserem Abschneiden als Placebo, das in größeren Studien überprüft werden muss (interpretation bias!). Die Ergebnisse von Prof. Raoult aus Marseille deuten übrigens auch drauf hin, dass Hydorxychloroquin + Azithromycin vor allem die Dauer der Virusausscheidung verkürzen (was epidemiologisch sehr bedeutsam ist!) aber auch den Verlauf der Krankheit verkürzen. Diese sind unter "real-life" - Bedingungen entstanden.
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Dienstag, 4. August 2020, 12:27

Kein Profitinteresse

LNS

Nachrichten zum Thema

18. September 2020
Berlin – Der Bund plant für 2021 wegen der Coronakrise eine weitere Neuverschuldung von 96,2 Milliarden Euro. Das wurde heute aus dem Bundesfinanzministerium (BMF) bekannt. Ab 2022 will die Regierung
Bund plant für 2021 Neuverschuldung von 96,2 Milliarden Euro
18. September 2020
Berlin – Die Bundesregierung hat die Coronaprämie, die ursprünglich für Pflegekräfte im Krankenhaus vorgesehen war, für alle Krankenhausmitarbeiter vorgesehen, die während der Pandemie besonders
Regierung weitet Coronaprämie auf alle Krankenhausmitarbeiter aus
18. September 2020
Berlin – Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sieht einen Coronaimmunitätsausweis kritisch. Sie befürchte, dass ein solcher Ausweis, je nachdem wie dieser ausgestaltet werde, eher spalte,
Lambrecht zu Immunitätsausweis: Noch viele Fragen zu klären
18. September 2020
Berlin – Das Ausstellen falscher Atteste gegen die Maskenpflicht ist ein Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung und kann auch strafrechtlich relevant sein. Das hat der Präsident der
BÄK-Präsident Reinhardt: „Gefälligkeitsatteste sind kein Kavaliersdelikt“
18. September 2020
London und Cambridge/Massachusetts – Britische und amerikanische Forscher haben 2 Schnelltests für den genetischen Nachweis von SARS-CoV-2 entwickelt, die keine hohen labormedizinischen Anforderungen
SARS-CoV-2: 2 Schnelltests weisen Virusgene ohne Labor nach
18. September 2020
Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zu einer Abgrenzung von Rechtsextremisten und Antisemiten aufgefordert. „Wer demonstriert,
Steinmeier erinnert Coronamaßnahmen-Gegner an ihre Verantwortung
18. September 2020
Paris – Sanofi und GSK haben heute einen erweiterten Kaufvertrag mit der Europäischen Kommission über die Lieferung von bis zu 300 Millionen Dosen eines COVID-19-Impfstoffs, nach Zulassung,
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER