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Medizin

Training mit virtueller Hand lindert Phantomschmerzen

Freitag, 7. August 2020

Ein Magnetenzephalograf - hier am Uniklinikum Jena - erfasst über insgesamt 306 Sensoren in extrem kurzen Messintervallen kleinste biomagnetische Felder im Gehirn, die etwa eine Milliarde mal schwächer sind, als das Magnetfeld der Erde. /dpa

Osaka – Die Phantomschmerzen von Patienten mit amputierten Armen konnten in einer randomisierten Studie durch ein spezielles Feedback-Training innerhalb weniger Tage gelindert werden. Bei dem im Neurology (2020; DOI: 10.1212/WNL.0000000000009858) vorgestellten Training wurden die magnetenzephalographischen Ableitungen des senso­motorischen Cortex genutzt, um eine virtuelle Hand zu steuern, die den Patienten beim Training auf einem Bildschirm gezeigt wurde.

Die Spiegeltherapie gehört zu den eher unorthodoxen Behandlungsmethoden von Phantomschmerzen, die sich jedoch in einzelnen Studien als wirksam erwiesen hat. Den Patienten werden dabei Spiegelbilder der erhaltenen Gliedmaße gezeigt, die dieser für die amputierte hält. Übungen mit den beiden Gliedmaßen sollen die Repräsentation der fehlenden Gliedmaße im Gehirn im senso-motorischen Cortex stärken und dadurch den Schmerz lindern. Eine Wirkung wird allerdings erst nach mehreren Wochen erzielt.

Eine Variante, die Takufumi Yanagisawa von der Universität Osaka in Japan und Mitarbei­ter entwickelt haben, zeigt dem Patienten auf einem Bildschirm eine virtuelle Gliedmaße, die sie mittels ihrer Gedanken bewegen sollen. Die Vermittlung erfolgt über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI).

Sie besteht aus einem Magnetoenzephalografen (MEG) und einem Rechner. Die MEG fängt die Magnetfelder auf, die durch der „elektrischen“ Aktivität im sensomotorischen Cortex entstehen. Der Rechner setzt die Signale dann in Bewegungsmuster der virtuellen Hand um. Die Programmierung erfolgt in einer Probephase, in der die Patienten ihre vorhandene Gliedmaße bewegen.

In einer klinischen Studie wurde die neue Therapie an 12 Patienten erprobt, die einen Arm durch einen Unfall verloren hatten oder bei denen es nach einer Verletzung des Plexus brachialis zu einer kompletten Lähmung gekommen war. In beiden Fällen leiden die Patienten häufig unter starken Phantomschmerzen. Die Patienten nahmen an zwei Formen der BCI-Therapie teil. Nur bei einer der beiden Behandlungen erfolgte ein echtes Training der amputierten Hand auf der Basis der MEG-Signale. Bei der anderen Therapie war dies nur teilweise der Fall.

Wie Yanagisawa berichtet, kam es nach der echten Therapie zu einer deutlichen Reduktion der Schmerzen, obwohl die Patienten nur an drei Tagen jeweils für 30 Minuten trainiert hatten. Ein Rückgang der Schmerzintensität war bereits nach dem ersten Tag erkennbar und die Wirkung hielt über das Ende der Therapie an. In der Kontrollgruppe kam es dagegen zu keiner Linderung der Schmerzen.

Die Sofortwirkung ist erstaunlich, da das Training auf das Öffnen und das Schließen der virtuellen Hand beschränkt war. Wie die Wirkung zustande kommt, ist unklar.

Für die klinische Praxis ist die Behandlung vermutlich zu aufwendig. Magnetoenzepha­lografen sind wegen der notwendigen Abschirmung der Geräte gegen elektromagnetische Felder extrem teuer und nur an wenigen Zentren vorhanden. Eine kostengünstigere Variante haben schwedische Forscher vor fünf Jahren vorgestellt. Sie nutzten dabei die elektrischen Signale der Stumpfmuskulatur, um Bewegungen der fehlenden Hand zu simulieren. © rme/aerzteblatt.de

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